FairEnergie

regionales Mehrspartenversorgungsunternehmen mit Sitz in Reutlingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die FairEnergie GmbH ist ein regionales Versorgungsunternehmen mit Sitz in Reutlingen. FairEnergie bietet Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen Strom, Erdgas, Trinkwasser, Wärme und Mobilität an. Außerdem bietet das Unternehmen energienahe Dienstleistungen an.

Schnelle Fakten
FairEnergie GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 2000
Sitz Reutlingen, Deutschland
Leitung Jens Balcerek (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 74[1]
Umsatz 368,51 Mio. EUR[1]
Branche Energie
Website www.fairenergie.de
Stand: 31. Dezember 2023
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FairEnergie, Mai 2012

Gesellschafter sind (Stand 2023) die Stadtwerke Reutlingen GmbH mit 75,1 % und der Beteiligungspartner EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH mit 24,9 %.[1]

Geschichte

Vorgeschichte

1903 wurde die Elektrizitätswerk Reutlingen GmbH gegründet.[2] Das erste Wasserkraftwerk in Kirchentellinsfurt wurde 1926 in Betrieb genommen. Es markierte den Beginn der Reutlinger Wasserkraftnutzung, um Strom zu gewinnen.[3] Im Jahr 1965 bauten die Stadtwerke einen Kugelgasbehälter mit 120.000 Kubikmeter Inhalt, um den wachsenden Bedarf nach Erdgas zu decken. Seit 1984 bestehen Verträge mit zahlreichen Gemeinden über den Betrieb von Einrichtungen zur Versorgung mit Erdgas.[4] Zum 1. Januar 1999 wurde aus dem Eigenbetrieb Stadtwerke die Reutlinger Stadtwerke GmbH, aus dieser wiederum ging im Jahr 2000 die FairEnergie als Tochtergesellschaft hervor, die seither alle Aufgaben in der Energie- und Wasserversorgung übernommen hat.[4]

FairEnergie ab der Jahrtausendwende

Seit 2011 beteiligt sich das Unternehmen am Offshore-Windpark Baltic 1 in der Ostsee.[5] Zum 1. Januar 2015 wurde die FairNetz GmbH als Tochterunternehmen der FairEnergie gegründet, die den Netzbetrieb der Strom-, Gas- und Wassernetze übernahm.[6] Im Zuge des Ausbaus des Reutlinger Fernwärmenetzes nahm FairEnergie 2019 ein neues Heizwerk in der Reutlinger Bahnhofstraße in Betrieb.[7] 2024 wurde in Reutlingen die erste barrierefreie Ladesäule für Elektroautos der Stadt errichtet.[8] Im Herbst 2024 nahm zudem der Solarpark Buttenhausen den Betrieb auf.[9]

Unternehmensstruktur

Die FairEnergie ist wie die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft mbH und die RSV Service GmbH ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Reutlingen. FairEnergie selbst ist wiederum an verschiedenen weiteren Gesellschaften beteiligt: Dazu gehören neben der Tochter FairNetz GmbH (Anteil: 100 %) auch die Kraftwerk Reutlingen-Kirchentellinsfurt AG (Reutlingen) mit einem Anteil von 87,5 %, HBG – Heizwerkbetriebsgesellschaft Reutlingen mbH (Reutlingen) mit 20 %, Bad Urach Netzgesellschaft GmbH (Bad Urach) mit 40 % und Windenergie Tautschbuch GmbH (Riedlingen) mit 24,95 %.[1]

Neben den Stadtwerken Reutlingen ist die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH mit 24,9 % an FairEnergie beteiligt.[1]

FairEnergie erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 368,51 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse verteilten sich überwiegend auf Elektrizität mit 161 Millionen Euro, Gas mit 153 Millionen Euro, Wasser mit 29 Millionen Euro und Wärme mit 18 Millionen Euro. Im Unternehmen arbeiten zum 31. Dezember 2023 74 Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Jens Balcerek.[1]

Unternehmensbereiche

Strom

Nach § 42 EnWG zur Stromkennzeichnung sind seit 15. Dezember 2005 deutsche Energieversorgungsunternehmen verpflichtet, die Herkunft ihres Stroms zu veröffentlichen.[10]

Weitere Informationen Produktmix Ökostrom (2024), Strommix FairEnergie (2024) ...
Produktmix Ökostrom[11] (2024) Strommix FairEnergie[11] (2024) Residualmix FairEnergie[11] (2024) Strommix Deutschland[11] (2024)
Kernenergie 0 % 0 % 0 % 0 %
Kohle 0 % 25,3 % 27,0 % 22,8 %
Erdgas 0 % 19,2 % 20,5 % 13,4 %
Sonstige fossile Energieträger 0 % 1,3 % 1,3 % 1,5 %
Erneuerbare Energien gefördert nach EEG 50,9 % 0 % 50,9 % 50,9 %
Sonstige Erneuerbare Energien 49,1 % 54,2 % 0,3 % 11,4 %
CO2-Emissionen (g/kWh) 0 323 345 298
Radioaktiver Abfall (g/kWh) 0 0 0 0
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Die FairEnergie betreibt fünf Wasserkraftwerke: die Wernersche Mühle,[12] das Wasserkraftwerk bei Kirchentellinsfurt,[3] das Wasserkraftwerk Gerberwehr,[13] ein Wasserkraftwerk in Pfullingen[14] und das Wasserkraftwerk Lohmühlewehr.[15] Zudem ist seit 2024 der Solarpark Buttenhausen in Betrieb.[9] Mit dem Angebot FairflixtSonnig können zudem Photovoltaikanlagen für Dächer geleast werden.[16]

Erdgas

Neben der Grundversorgung von Haushalten und Unternehmen mit Erdgas betreibt FairEnergie drei Erdgastankstellen: zwei in Reutlingen, eine in Gomaringen.[1]

Wärme

FairEnergie betreibt sieben Blockheizkraftwerke im Raum Reutlingen, insgesamt umfasst das Fernwärmenetz des Unternehmens gut 44 Kilometer.[17][18] Im Juni 2025 begann ein neuer Bauabschnitt, um das Netz weiter auszubauen.[19] Zudem bietet FairEnergie im Bereich Heizen auch ein Contracting-Modell für Wärmepumpen an und arbeitet dafür mit regionalen Handwerkern zusammen. Die Kosten übernimmt der Energieversorger, Kunden zahlen jedoch eine monatliche Pauschale, die auch Wartungs- und Reparaturkosten umfasst.[20]

Wasser

Die FairEnergie versorgte 2023 rund 130.000 Menschen mit Trinkwasser. Zwei Drittel des Wassers bezieht das Unternehmen vom Zweckverband der Bodensee-Wasserversorgung (ZVBWV), ein Drittel wird aus eigenen Quellen abgedeckt.[1][21] 2022 belief sich die Trinkwasserabgabe auf 8,1 Mio. Kubikmeter.[17] Das Trinkwasser der FairEnergie wird sowohl durch ein unabhängiges Institut als auch im Labor des Unternehmens regelmäßig kontrolliert. Pro Jahr werden etwa 500 Proben untersucht.[22]

Mobilität

Die FairEnergie installierte im Raum Reutlingen rund 90 Ladepunkte für Elektroautos, hinzu kommen zwei Schnell-Ladesäulen (Stand 2023).[23][24] Das Unternehmen bietet zudem eine Ladekarte für Deutschland und das Ausland an.[25] Des Weiteren kooperiert FairEnergie seit 2023 mit dem Tübinger Carsharing-Unternehmen TeilAuto Neckar-Alb e. V. zusammen und unterstützt durch Ladesäulen die gemeinschaftliche Nutzung von Elektro-Fahrzeugen.[26]

Wasserstoff

Mit dem Projekt H2 Grid, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert wird, soll in der Region Mittlere Alb-Donau ein System zur Erzeugung, Speicherung und dem Transport von Wasserstoff entstehen. FairEnergie plant im Zuge dieses Projekts mit den Stadtwerken Mössingen einen Elektrolyseur.[27][28][29]

Engagement

FairEnergie engagiert sich für verschiedene Einrichtungen und Vereine in der Region Reutlingen. Seit 2003 ist das Unternehmen Sponsor des SSV Reutlingen.[30] FairEnergie beteiligt sich zudem als einer der Hauptsponsoren am Hafensounds-Festival.[31] Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen auch die Reutlinger Tafel.[32] FairEnergie ist außerdem unter anderem Ökostrom-Partner der Turn- und Sport Gesellschaft Reutlingen (TSG).[33] Ferner vergibt FairEnergie seit 2014 gemeinsam mit der Stadt Reutlingen jährlich den Förderpreis Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, mit dem Projekte aus Bereichen wie Energie, Klimaschutz, Mobilität oder auch Ernährung unterstützt werden.[34] Das Unternehmen übernimmt auch die Ladekosten des Bürgermobils der Bürgerstiftung Gomaringen.[35]

Auszeichnungen

Seit 2012 erhielt FairEnergie regelmäßig das Siegel „Top-Lokalversorger“ des Energieverbraucherportals (EVP).[36] Das Technische Sicherheitsmanagement des Unternehmens wurde außerdem mehrfach von externen Prüfern der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW), des Forums Netztechnik und Netzbetrieb im VDE (FNN) und des Energieeffizienzverbandes für Wärme, Kälte und Kraft-Wärme-Kopplung (AGFW) ausgezeichnet.[37]

Einzelnachweise

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