Fang Guozhen
chinesischer Rebellenführer
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Fang Guozhen (chinesisch 方國珍 / 方国珍, Pinyin Fāng Guózhēn; * 1319; † 1374 in Nanjing) war einer der Anführer des Aufstands der Roten Turbane während der Herrschaft von Toghan Timur, des letzten Kaisers der mongolischen Yuan-Dynastie in China. Fang kontrollierte mit seiner Rebellentruppe die Küste der ostchinesischen Provinz Zhejiang und unterwarf sich 1367 Zhu Yuanzhang, der im folgenden Jahr als Kaiser Hongwu die Ming-Dynastie gründete.
Leben
Fang Guozhen wurde im Bezirk Huangyan der Provinz Zhejiang geboren. Er entstammte einer wohl Piraterie und Schmuggel betreibenden Familie, war der zweite von vier Brüdern und erhielt keine höhere Ausbildung. Als er 1348 von einem Mann der Seeräuberei beschuldigt wurde, tötete er ihn und machte mit einer von ihm gegründeten Bande von Piraten die Inseln vor der Küste von Zhejiang unsicher.[1] Seine erfolgreichen Unternehmungen beunruhigten die Yuan-Regierung, die auf Getreidelieferungen aus Südchina in die Hauptstadt Khanbaliq (heute Peking) angewiesen war. Feldherren der Yuan vermochten ihn anfangs nicht zu besiegen, und Berke Bukha konnte ihn nur durch das Versprechen, ihm mehrere offizielle Titel zu verleihen, zur nominellen Kapitulation bewegen.[2]
Bis 1349 hatte Fang Guozhen immer wieder Getreidetransporte abgefangen. Der hohe mongolische Minister Toqto bemühte sich daher, den Kaiserkanal wieder instand zu setzen, um das Getreide auf diesem Weg zu befördern. Das Projekt gelang, aber viele der dafür mobilisierten Arbeiter schlossen sich später dem Aufstand der Roten Turbane an.[2] Bis 1356 erlangte Fang Guozhen die Herrschaft über drei Küstenpräfekturen in Zhejiang – Qingyuan, Thaizou und Wenzhou[1] –, die laut einer Volkszählung von 1393 insgesamt 2,5 Millionen Einwohner hatten.[3] Diese Präfekturen wurden von Fangs männlichen Verwandten regiert und stärkten zusammen mit seiner faktischen Kontrolle der Städte Ningbo und Shaoxing seine Seeherrschaft; seine Flotte soll mehr als tausend Schiffe umfasst haben.[1] Bald nach 1356 ernannte die Yuan-Regierung ihn zum Herzog von Qu.[3] Im Gegenzug half Fangs Flotte ab 1357 trotz früherer feindseliger Beziehungen dem inzwischen vom Mongolenhof als Provinzgouverneur anerkannten Insurgentenführer Zhang Shicheng beim Transport von 110.000 tan Getreide nach Khanbaliq, bis Zhang 1363 seine Unabhängigkeit von der Yuan-Dynastie erklärte.[3]
Mit dem Rebellenführer Zhu Yuanzhang unterhielt Fang Guozhen einen regen diplomatischen Verkehr und griff dessen Territorium um die Stadt Nanjing nie an. Öfters lehnten die beiden Geschenke des jeweils anderen ab. Fang schickte etwa 1361 Zhu einen mit Gold und Jade verzierten Sattel, doch Zhu wies das Geschenk mit der Begründung zurück: „Derzeit herrscht überall Unruhe. Diese Zeiten erfordern fähige Männer, und es besteht Bedarf an Getreide und Tuch. Solch teures Spielzeug ist wertlos.“[4] Zhu missbilligte Fangs Zusammenarbeit mit Heerführern der Yuan-Dynastie wie Köke Temür und Chen Youding. Dementsprechend konnte Fang auch durch großzügige Geschenke und wohlformulierte diplomatische Schreiben Zhus Gunst nicht völlig gewinnen.[4]
Nach der von August bis Oktober 1363 dauernden Seeschlacht auf dem Poyang-See, in der Zhu Yuanzhang seinen Rivalen Chen Youliang schlug, bot Fang Guozhen an, sich Zhu zu unterwerfen, sobald sie Hangzhou von Zhang Shicheng erobert hätten.[5] Dennoch ergab er sich Zhu nicht, nachdem dieser im Dezember 1366 Hangzhou eingenommen hatte. So unternahm Zhu Ende 1367 eine Militärexpedition gegen Fang. Die von Zhu Liangzi kommandierte Armee eroberte im Oktober bzw. November 1367 die bisher unter Kontrolle von Fang stehenden Bezirke Taizhou und Wenzhou, während die von Tang He geführte Flotte Fang aus Ningbo vertrieb und im Dezember 1367, kurz vor Gründung der Ming-Dynastie, zur Ergebung nötigte.[6] Die Kapitulationsbedingungen waren großzügig, da Fang frühzeitig die Legitimität von Zhu Yuanzhang anerkannt hatte und eine recht passive Haltung in der Regionalpolitik einnahm; außerdem benötigte Zhu auch Fangs Flotte zur Unterwerfung der südchinesischen Küste. Fang wurde 1368 nach Nanjing gebracht und erhielt ebenso wie seine Familienmitgliedern Ämter, militärische Titel und Einkünfte. Er starb 1374 in Nanjing eines natürlichen Todes.[1]
Literatur
- Edward L. Dreyer: Military origins of Ming China. In: Frederick W. Mote, Denis C. Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7: The Ming Dynasty, 1368–1644, Teil 1, Cambridge 1988, ISBN 978-0-521-24332-2, S. 58–106.
- Frederick W. Mote: The rise of the Ming dynasty, 1330–1367. In: Frederick W. Mote, Denis C. Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7: The Ming Dynasty, 1368–1644, Teil 1, Cambridge 1988, ISBN 978-0-521-24332-2, S. 11–57.
- Romeyn Taylor: Basic Annals of Ming T'ai-tsu, Chinese Material and Research Aids Service Center, Inc., San Francisco 1975.