Fariba Baluch
belutschisch-iranische Menschenrechtsaktivistin
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Fariba Borhanzehi Baluch (persisch فریبا برهانزهی بلوچ; geb. vor 1990) ist eine iranische Menschenrechtsaktivistin, die im Exil in London lebt. Sie gehört der Volksgruppe der Belutschen an. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Frauen- und Bürgerrechte südostiranischen Provinz Sistan und Belutschistan.[1][2]

Biographie
Fariba Baluch kam in einer sunnitischen Familie zur Welt und wuchs in der südostiranischen Provinz Sistan und Belutschistan auf. Bis zu ihrem 36. Lebensjahr lebte sie dort. Sie war als Lehrerin tätig. Um 2020 ging sie ins politische Exil nach London und ist seither international als Mahnerin für Menschenrechte der ethnischen und religiösen Minderheiten im Iran in Erscheinung getreten.[3][4]
Etwa die Hälfte der 3,2 Millionen Bewohner der Provinz sind Sunniten. Im schiitisch geprägten Iran gehören die Sunniten mit etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung zu einer religiösen Minderheit.[3] Baluch beklagt, dass Sunniten im Iran keine wichtigen politischen Ämter bekleiden dürfen; so könnten sie weder Präsident, noch Chef der Justiz, noch Mitglied des Wächterrats werden. Ihnen sei auch die Gründung politischer Parteien verboten, ebenso der Besitz von Zeitungen oder Zeitschriften. Auch 45 Jahre nach der Gründung der Islamischen Republik im Iran hätten die Sunniten noch immer keine eigene Moschee in der Hauptstadt Teheran, in der sie die religiösen Feste feiern könnten.[3]
Sistan und Belutschistan gehört zu den ärmsten iranischen Provinzen.[5] Von den Einnahmen aus der Förderung der Bodenschätzen wie Öl und Gas ist die Region ausgeschlossen. Die Versorgung der ländlichen Regionen mit Schulen, Strom- und Wasserversorgung ist mangelhaft. Die Provinz wird wie andere grenznahe Regionen, in denen viele Sunniten leben, systematisch benachteiligt. Dazu gehören neben den Belutschen im Südosten die Turkmenen im Nordosten, die Kurden im Westen und die Araber im Südwesten des Iran.[3] Das Schiitentum als Staatsreligion im Iran etablierte Schah Ismail (1484–1524), der Begründer der Safawiden-Dynastie, aus machtpolitischen Überlegungen und in Abgrenzung zum sunnitischen Osmanischen Reich.[3]
Seit der Revolution von 1979 bekämpft und unterdrückt nach Einschätzung von Fachleuten das Regime jegliche Meinungsvielfalt, wovon auch andere religiöse Minderheiten wie die Sufi-Orden und Bahai, sowie Schiiten mit abweichenden Ansichten zu leiden haben. Der Druck auf sunnitische Minderheiten ist seit Anfang der 2020er Jahre weiter gewachsen. Im Rahmen der landesweiten Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam wurde auch Zahedan, die Hauptstadt von Sistan und Belutschistan, zu einem Zentrum der Proteste. Nach jedem Freitagsgebet kam es über viele Wochen zu Protesten gegen die Zentralregierung. Am 30. September 2022 wurden mindestens 60 Demonstranten von Sicherheitskräften erschossen.[6] Baluch klagte an, dass vor einer Moschee in einem islamischen Land gläubige Muslime erschossen wurden, weil sie friedlich protestierten. Die Zahl der Hinrichtungen im Iran stieg drastisch an und Belutschen waren hiervon weit überproportional betroffen.[7]
Im Juni 2023 verhafteten iranische Sicherheitskräfte Baluchs 18-jährigen Sohn Amer und ihren 25-jährigen Bruder Mohammad Molazehi in der südöstlichen Stadt Iranshahr wegen des Kontaktes zu ihr, obwohl beide selbst nicht politisch aktiv waren.[7]
2024 veröffentlichte Hojjat Tavakoli für Voice of America den Dokumentarfilm „In This Cage“ über das Leben von Fariba Baluch.[1]
Auszeichnungen
- 2024 International Women of Courage Award überreicht durch First Lady Jill Biden und Außenminister Antony Blinken[7]
Weiterführende Literatur
- Natalie Amiri, Düzen Tekkal (Hrsg.): Die mutigen Frauen Irans: Wir haben keine Angst! Elisabeth Sandmann Verlag (2023) ISBN 978-3-949582-20-2
Weblinks
- BRP Podcast (Hrsg.): Zahedan Massacre: Baloch Activists Gather in London. 29. September 2024 (englisch, youtube.com).
- Kayhan Life (Hrsg.): INTERVIEW: U.S. Gives Activist Fariba Balouch ‘International Women of Courage’ Award. 29. März 2024 (belutschisch, youtube.com).