Maria-Theresien-Kaserne

Kaserne in Wien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Maria-Theresien-Kaserne ist eine Kaserne des österreichischen Bundesheeres im 13. Wiener Gemeindebezirk, Hietzing. Sie befindet sich im Bezirksteil Schönbrunn an der Südseite des Schlossparks Schönbrunn im sogenannten Fasangarten.

Maria-Theresien-Kaserne des österreichischen Bundesheers

Geschichte

1937 begann hier nach Plänen des Architekten Robert Kramreiter der Bau einer Dollfuß-Führerschule der Vaterländischen Front, kurz Führerschule der VF oder Frontführerschule.[1] Bereits kurz nach der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß durch österreichische Nationalsozialisten im Juliputsch 1934 bildete die Vaterländische Front (VF), die Einheitspartei der Ständestaatsdiktatur, ein Dollfuß-National-Denkmal-Komitee, das die Errichtung einer Schule für Funktionäre („Führer“) der VF als lebendes Denkmal für den „toten Führer“ beschloss. Gegen das Vorhaben des Dollfuß-Nachfolgers Kurt Schuschnigg, die Schule als Teil eines Dollfuß-Forums nach Vorbild des Foro Mussolini in unmittelbarer Nähe der Seipel-Dollfuß-Gedächtniskirche zu errichten, entschied man sich für einen Gebäudekomplex im Fasangarten im Schlossgarten von Schönbrunn. Zwei südliche Seitenflügel waren als Internat vorgesehen, der dreistöckige Haupttrakt als eigentliche Schule. Dahinter sollte eine Kapelle und eine Freilichtbühne errichtet werden. Die Grundsteinlegung fand am 18. Oktober 1936 in Anwesenheit Kardinal Innitzers statt, der auch den Grundstein weihte. Zuvor war am selben Tag mit dem Bau des Dollfuß-Nationaldenkmals begonnen worden. Bis zum „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 blieb die Führerschule unvollendet.[2]

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde der halbfertige Bau 1938 bis 1940 als Kaserne für die SS, später Waffen-SS, fertig gebaut. Zur Zeit der NS-Herrschaft hieß sie offiziell Kaserne Wien-Schönbrunn und wurde vom SS-Panzergrenadier-Regiment 4 „Der Führer“ als Quartier genutzt. Auch die kraftfahrtechnische Lehranstalt der Waffen-SS (KTL Wien-Schönbrunn) unter dem Kommando des SS-Standartenführers Walther Neblich (1895–1945) war darin untergebracht.[3] Von September 1944 bis zum 10. April 1945 beherbergte die Kaserne das KZ-Außenlager Wien-Schönbrunn, ein Außenlager des KZ Mauthausen, in dem fünf Internierte unter der Leitung von Viktor Schauberger für Experimente zur Entwicklung alternativer Antriebsmöglichkeiten herangezogen wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Fasangartenkaserne bezeichnet. Während der Besatzungszeit beherbergte die im britischen Sektor Wiens gelegene Kaserne britische Truppen und wurde 1955, nach Abschluss des Staatsvertrags, vom österreichischen Bundesheer übernommen. Die Kaserne hieß vorerst weiter Fasangartenkaserne und wurde von Insidern meist kurz als Faskas bezeichnet. Am 13. Mai 1967 wurde sie nach Kaiserin Maria Theresia, der prominentesten Schlossherrin von Schönbrunn, offiziell in Maria-Theresien-Kaserne (neuer Spitzname: Maresi) umbenannt. 2004 wurde hier erstmals in einer Bundesheerkaserne ein islamischer Gebetsraum eingerichtet.

In der Maria-Theresien-Kaserne (MTK) sind das Gardebataillon und die Gardemusik Wien, das Heeres-Nachrichtenamt sowie das Kommando Militärpolizei (Kdo MP) untergebracht. Bis 2007 war das mittlerweile aufgelöste Jägerregiment Wien hier beheimatet, seither das Jägerbataillon Wien 1 „Hoch- und Deutschmeister“.

Gegenwart

Hauptgebäude von Wiens größter Kaserne mit 282.900 m²[4]

Bei der Wiener Stadtplanung wird seit längerer Zeit überlegt, wie das Areal genützt werden könnte, wenn das Militär den Standort aufgibt. Der Schönbrunn-Wettbewerb von 2001 behandelte den Fasangartenbereich als Bereich A.[5] Für den Fall der Absiedlung des Bundesheeres wurde hier eine andere Nutzung angepeilt; es gab Pläne, den Tiergarten nach Süden zu erweitern oder im Fasangarten eine „neue Agora“ mit Handels-, Bildungs- und Kongresseinrichtungen zu schaffen. Ein anderer Vorschlag sah auf dem Gelände ein Olympisches Dorf mit 16 Hochhaustürmen für allfällige Olympische Spiele in Wien vor.[6]

Zu den politischen Plänen für die nähere Umgebung zählt seit Längerem die Absicht, bei der 1971 fertiggestellten Stranzenbergbrücke eine neue Haltestelle für die auf der Verbindungsbahn verkehrende S-Bahn zu bauen.

Giraffen in der Kaserne

Im Herbst 2014 wurden wegen Umbauten im Tiergarten Schönbrunn vorübergehend drei Giraffen in der Kaserne untergebracht. Im April 2017 wurde verkündet, dass die Tiere nicht in den neuen Giraffenpark zurückkehren, sondern in Hietzing bleiben würden: „Wir wollen dem Bullen Kimbar in seinem hohen Alter keinen Transport und Umzug mehr zumuten. Er fühlt sich sehr wohl und soll hier seinen Lebensabend verbringen dürfen“, so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Stattdessen bewohnten zwei Jungtiere aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm den neuen Giraffenpark.[7][8][9]

Siehe auch

Literatur

Commons: Maria-Theresien-Kaserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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