Dollfuß-Nationaldenkmal
1936 geplantes Denkmal der Vaterländischen Front zu Ehren ihres Gründers Engelbert Dollfuß (1892–1934)
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Das Dollfuß-Nationaldenkmal war ein 1936 geplantes Denkmal der Vaterländischen Front zu Ehren ihres Gründers Engelbert Dollfuß (1892–1934). Es sollte am Ballhausplatz in der österreichischen Hauptstadt Wien (1. Bezirk) in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt errichtet werden.

Vorgeschichte
Die Vaterländische Front (VF) wurde im Mai 1933 vom damaligen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß gegründet. Ziel war die Ersetzung der bisherigen Parteien durch eine einzige Organisation der politischen Willensbildung. Voraussetzung war jedoch das Bekenntnis zu einem unabhängigen „christlichen deutschen Bundesstaat Österreich auf ständischer Grundlage mit autoritärer Führung“, was sowohl die austromarxistische Sozialdemokratie als auch die großdeutschen Nationalsozialisten ausschloss. Nach der Errichtung der teilweise als austrofaschistisch bezeichneten Kanzlerdiktatur kam es 1934 zu einer „brauner Terror“ genannten, durch NS-Deutschland unterstützten nationalsozialistischen Anschlagsserie gegen christliche Vereine, Angehörige der jüdischen Minderheit und staatliche Infrastruktur, weshalb die Nationalsozialisten in Österreich verboten wurden. Die Terrorwelle gipfelte im Putschversuch vom 25. Juli 1934, im Verlauf dessen Engelbert Dollfuß durch das SS-Mitglied Otto Planetta erschossen wurde. Obwohl der Mord vermutlich nicht geplant war, wurde Dollfuß zum „Heldenkanzler“ und „toten Führer“ stilisiert. In ganz Österreich wurden Dollfuß-Denkmäler und Dollfuß-Gedächtniskirchen errichtet. Unter dem Vorsitz des Generalsekretärs Walter Adam gründete die VF ein Dollfuß-National-Denkmal-Komitee, das die Errichtung dreier Denkmäler beschloss: ein lebendes Denkmal (Dollfuß-Frontführerschule), ein religiöses Denkmal (Engelbertkirche Hohe Wand) und ein monumentales Denkmal am Ballhausplatz.[1]
Planung
Das Denkmalkomitee beauftragte Clemens Holzmeister, Eugen Kastner und Fritz Waage, Hermann Stiegholzer und Herbert Kastinger sowie Josef Heinzle und Stefan Simony mit Entwürfen für das Denkmal. Neben der Darstellung des Lebens und Wirkens Dollfuß‘ sollte das Denkmal den Ballhausplatz abschließen und vom anschließenden Heldenplatz abtrennen. Der Dollfuß-Nachfolger Kurt Schuschnigg in seiner Eigenschaft als Bundesführer der VF entschied sich nach Absprache mit Walter Adam und Guido Zernatto für den von Clemens Holzmeister eingebrachten Entwurf.
Das Denkmal sollte zwischen Ballhausplatz und Volksgarten auf einem Rasenparkett errichtet werden, das die Löwelstraße mit dem Leopoldinischen Trakt der Hofburg verbinden sollte. Es war als ein Steinblock von 10 Meter Länge, 3,50 Meter Tiefe und 2,30 Meter Höhe geplant. Auf der Ballhausplatzseite war ein Relief von 8,50 mal 1,50 Meter vorgesehen, das Engelbert Dollfuß mit seinen „Getreuen“, Vertretern der Jugend und der Berufsstände zeigen sollte. Im Verlauf der Planungen wurde Hans Andre mit den Bildhauerarbeiten beauftragt. Das Denkmal sollte auf einem Sockel aus Werkstein ruhen, das ein erhabenes Kruckenkreuz, das Zeichen der VF, zeigen sollte.
Ausführung und Abbruch
Die Grundsteinlegung fand am 18. Oktober 1936 statt. Der Grundstein wurde durch den Erzbischof von Wien, Theodor Kardinal Innitzer, geweiht. Am selben Tag fand auch die Grundsteinlegung für ein Dollfußdenkmal in Hietzing statt, wo die Dollfuß-Führerschule der VF im Schlosspark Schönbrunn errichtet werden sollte, dem heutigen Standort der Maria-Theresien-Kaserne. Ab 1937 sollte gegenüber dem Denkmal am Ballhausplatz das ebenfalls von Holzmeister entworfene Fronthaus der VF entstehen. Unmittelbar nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 wurden die Bauarbeiten der VF abgebrochen. Das unvollendete Denkmal wurde entfernt und an seiner Stelle eine Gedenktafel für die 154 am Juliputsch beteiligten Nationalsozialisten angebracht. Bis 1944 feierten das NS-Regime hier den gescheiterten Putschversuch. Heute steht an der Stelle des geplanten Nationaldenkmals das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz.
Literatur
- Das Dollfuß-Nationaldenkmal auf dem Ballhausplatz in Wien. In: Profil. Österreichische Monatsschrift für bildende Kunst. Band 4, Nr. 10. Wien 1936, S. 444–447 (onb.ac.at).
Weblinks
- Das Dollfußdenkmal der V.F. Beitrag der Wochenschau Österreich in Bild und Ton vom 30. Oktober 1936
- Der Denkmalstandort Ballhausplatz. In: Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in Wien. Abgerufen am 3. Juli 2026.