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Fauna der Galapagosinseln

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Die Fauna der Galapagosinseln umfasst eine außergewöhnlich artenreiche und in hohem Maß endemische Tierwelt, die sich auf diesem isolierten vulkanischen Archipel im östlichen Pazifik entwickelt hat. Besonders auffällig ist der hohe Anteil an Reptilien und Landvögeln, daneben prägen auch Meeressäuger, Meeresfische und eine vielfältige Wirbellosenfauna das Bild der Inselgruppe.

Zu den bekanntesten Tiergruppen zählen die Galapagos-Riesenschildkröten, Land- und Meeresleguane, Darwinfinken, Spottdrosseln, Seevögel wie Tölpel, Fregattvögel und der Galapagospinguin sowie eine reiche marine Fauna mit Haien, Rochen, Meeresschildkröten und weiteren Meeressäugern. Viele dieser Arten sind nur hier heimisch, die Inseln gelten daher als ein Hotspot des Endemismus und als einer der weltweit wichtigsten Lebensräume für endemische Inselarten.

Gleichzeitig ist diese Fauna besonders verletzlich: eingeschleppte Arten, Lebensraumveränderungen, Fischerei, Tourismusdruck und weitere Umweltbelastungen bedrohen viele Populationen. Wegen ihrer Isolation, ihrer hohen Artenvielfalt und der gut dokumentierten Anpassungsprozesse gilt die Tierwelt der Galapagosinseln bis heute als „lebendes Labor“ der Evolution und als Schlüsselgebiet für die Forschung zu natürlicher Selektion, Artbildung und Naturschutz.

Geografischer Rahmen

Topographische Karte der Galapagosinseln

Die Galapagosinseln liegen etwa 900 bis 1.000 Kilometer westlich des ecuadorianischen Festlands im Pazifischen Ozean und bilden eine ecuadorianische Provinz. Das Archipel umfasst 13 größere und mehrere kleinere Inseln und Felsen, die zusammen rund 8.000 Quadratkilometer Landfläche sowie eine sehr viel größere, als Schutzgebiet ausgewiesene Meeresfläche einnehmen.[1][2]

Die Inseln sind geologisch jung und vulkanischen Ursprungs. Aktive Schildvulkane prägen noch heute insbesondere die westlichen Inseln wie Isabela und Fernandina. Ihre Lage an der Schnittstelle verschiedener Meeresströmungen – darunter der nährstoffreiche, kalte Humboldtstrom aus dem Süden und der wärmere Panamastrom aus dem Norden – und ihre Isolation vom Kontinent haben entscheidend zur Ausbildung einer eigenständigen Fauna beigetragen.[1][2][3.1]

Endemismus und Artenvielfalt

Die Galapagosinseln gehören zu den Regionen der Erde mit den höchsten Anteilen endemischer Arten, insbesondere bei Reptilien und Landvögeln. Schätzungen zufolge sind etwa 97 % der Reptilienarten und rund 80 % der landbewohnenden Vogelarten des Archipels endemisch, während auch ein erheblicher Teil der Säugetiere und Pflanzen nur hier vorkommt.[4]

Nach Angaben der UNESCO wurden (Stand 2015) über 2.900 Meerestierarten in den Gewässern um Galapagos nachgewiesen, von denen gut 18 % nur in dieser Region vorkommen. Bei den Wirbeltieren an Land werden mehr als 45 endemische Vogelarten, über 42 endemische Reptilienarten sowie über ein Dutzend endemischer Säugetierarten genannt, darunter Seelöwen, Seebären und endemische Nager.[1][4]

Herkunft und Evolution der Fauna

Alle einheimischen Tierarten der Galapagosinseln stammen letztlich vom südamerikanischen Festland oder aus anderen Meeresregionen und erreichten die Inseln auf natürlichem Wege. Leichtere Organismen wie Vögel, Insekten und Spinnen gelangten vermutlich durch Luftströmungen oder aktive Flugbewegungen auf die Inseln, während Reptilien, kleine Säuger und Samen auf treibenden Vegetationsmatten über den Ozean verfrachtet wurden.[5][6][7]

Aufgrund der großen Entfernung zum Festland konnten große terrestrische Säugetiere und Amphibien die Inseln ursprünglich nicht aus eigener Kraft erreichen, was ihr völliges Fehlen in der präkolonialen Fauna erklärt. Die Kombination aus Isolation, unterschiedlichen Umweltbedingungen auf den einzelnen Inseln und begrenzter Konkurrenz führte zu einer intensiven adaptiven Radiation zahlreicher Gruppen. Das bekannteste Beispiel sind die Darwinfinken mit 14–15 eng verwandten Arten, die sich in Schnabelform und Ernährung spezialisierten. Auch die Galapagos-Riesenschildkröten zeigen adaptive Radiation in Form von 15 morphologisch unterschiedlichen Arten/Unterarten mit spezialisierten Panzerformen. Bei den Leguanen entwickelten sich Meerechsen und mehrere Landleguan-Arten (Conolophus) mit unterschiedlichen Anpassungen.[6][8][5]

Fauna

Reptilien

Drusenkopf (Conolophus subcristatus)

Reptilien zählen zu den auffälligsten und am stärksten endemischen Wirbeltieren der Galapagosinseln. Die bekanntesten Vertreter sind die Galapagos-Riesenschildkröten, von denen über ein Dutzend lokal differenzierter Populationen und Unterarten auf verschiedenen Inseln beschrieben wurden.[9]

Neben den Riesenschildkröten kommen drei Arten von Drusenköpfen vor (Conolophus subcristatus, C. pallidus und C. marthae), die vor allem auf trockenen, niedrigen Inselbereichen leben und sich überwiegend vegetarisch ernähren. Einzigartig ist der Meeresleguan, der als einzige bekannte Echsenart regelmäßig im Meer nach Algen taucht und sich an die Nutzung mariner Nahrungsquellen angepasst hat.[4][10]

Auch kleinere Reptilien wie Lavaechsen (Gattung Microlophus) und verschiedene Schlangenarten (Rennnattern, Gattung Pseudalsophis) sind auf den Inseln vertreten. Die Gattung Microlophus umfasst sieben bis neun endemische Arten in zwei radiativen Linien. Die Gattung Pseudalsophis umfasst neun endemische Schlangenarten, von denen jede auf einzelnen Inseln oder Inselgruppen beschränkt ist. Die Floreana-Rennnatter (P. biserialis) gilt auf Floreana als lokal ausgestorben. Insgesamt sind über 40 endemische Reptilienarten dokumentiert.[11][12][1]

Vögel

Blaufußtölpel-Paar

Die Avifauna der Galapagosinseln umfasst sowohl streng endemische Landvögel als auch Seevögel, die den Archipel als Brut- oder Rastgebiet nutzen. Zu den wichtigen endemischen Landvögeln zählen neben den Darwinfinken die vier endemischen Spottdrosselarten (Mimus parvulus, M. trifasciatus, M. macdonaldi, M. melanotis), der Galapagos-Bussard als einziger einheimischer Greifvogel sowie der Galapagos-Rubintyrann. Insgesamt gibt es 45 endemische Vogelarten auf Galápagos.[13][4]

Unter den Seevögeln ragen Fregattvögel, Blaufuß- und Rotfußtölpel, Maskentölpel, Sturmtaucher und der flugunfähige Galapagos-Kormoran hervor. Der Galapagos-Pinguin, die am nördlichsten vorkommende Pinguinart, brütet vor allem an den kühleren, nährstoffreichen Küsten der westlichen Inseln Isabela und Fernandina.[13][14]

Mehrere endemische Vogelarten sind heute stark bedroht, darunter der Mangrovenfink, dessen Gesamtbestand auf wenige Dutzend Individuen geschätzt wird und der damit zu den seltensten Vögeln der Welt zählt. Der Rückgang vieler Landvogelarten wird unter anderem auf Lebensraumverlust, invasive Prädatoren und Parasiten wie die eingeschleppte Vampirfliege (Philornis downsi) zurückgeführt.[15][16][17][18]

Darwinfinken und Evolutionstheorie

Die sogenannten Darwinfinken – eine Gruppe eng verwandter Finkenarten – gelten als klassisches Beispiel für die Entstehung neuer Arten durch natürliche Selektion. Aus einer einzigen eingewanderten Stammart entwickelten sich auf den verschiedenen Inseln mehr als ein Dutzend Arten, die sich vor allem in Größe und Form des Schnabels unterscheiden und so unterschiedliche ökologische Nischen besetzen.[19] Langzeitstudien von Peter und Rosemary Grant auf der Insel Daphne Major konnten über Jahrzehnte hinweg zeigen, dass sich Schnabelgröße und -form in Reaktion auf veränderte Nahrungsverfügbarkeit bereits innerhalb weniger Generationen messbar verschieben können. Diese Beobachtungen gelten als direkter Nachweis von Evolution durch natürliche Selektion in freier Wildbahn.[20][21]

Säugetiere

Große Tümmler, die vor den Galápagos-Inseln aus dem Wasser springen

Die einheimische Säugetierfauna der Galapagosinseln besteht im Wesentlichen aus Meeressäugern und wenigen kleinen Landsäugern. Zu den auffälligsten Arten zählen der Galápagos-Seelöwe und der Galápagos-Seebär, die beide als endemisch gelten und von der IUCN als gefährdet eingestuft werden. Während der Seelöwe tagaktiv ist und Sandstrände bevorzugt, fischt der Seebär überwiegend nachts und bewohnt Felsküsten. Beide Arten besetzen damit unterschiedliche ökologische Nischen im gleichen Lebensraum.[9][3.2][22]

Insgesamt wurden 24 Walarten in den Gewässern um Galapagos nachgewiesen, darunter Blauwal, Buckelwal und Pottwal als saisonale Besucher sowie Tümmler (Tursiops truncatus), Gemeine Delfine und Spinnerdelfine als häufige, ganzjährig anzutreffende Arten.[23]

An Landsäugern existieren nur wenige einheimische Arten: zwei Fledermausarten sowie endemische Reisrattenarten der Gattungen Nesoryzomys und Aegialomys, die auf einzelnen Inseln vorkommen. Von diesen sind mehrere Arten inzwischen ausgestorben, nachdem die eingeschleppte Hausratte auf vielen Inseln einheimische Nager durch Konkurrenz und Krankheiten verdrängte. Große bodenlebende Säugetiere fehlten in der natürlichen Fauna völlig und wurden erst durch den Menschen eingeführt.[22][16][24]

Meeresfische und andere Meeresfauna

Die Gewässer um Galapagos beherbergen eine außergewöhnlich hohe Fischartenvielfalt: Insgesamt wurden (Stand 2024) 683 Meeresfischarten nachgewiesen, von denen 67 als endemisch gelten. Rifffische und pelagische Arten bilden zusammen komplexe Nahrungsnetze, in denen auch größere Räuber wie Haie und Thunfische eine wichtige Rolle spielen.[25][26]

Charakteristische Arten sind Hammerhaie – darunter der stark gefährdete Bogenstirn-Hammerhai –, Riesenmantas und andere Rochen, die von den nährstoffreichen Strömungen profitieren. Meeresschildkröten, darunter die Galapagos-Population der Grünen Meeresschildkröte, ergänzen die marine Wirbeltierfauna.[27][28][29]

Wirbellose

Rote Klippenkrabbe

Wirbellose Tiere stellen zahlenmäßig den größten Teil der Fauna der Galapagosinseln und prägen sowohl terrestrische als auch marine Lebensgemeinschaften maßgeblich. An Land wurden 1.853 Insektenarten nachgewiesen, die damit den größten Teil der Landinvertebraten des Archipels ausmachen. Hinzu kommt eine artenreiche einheimische und endemische Spinnen- und Krustentierfauna.[30][31][32][33]

Im Meer umfasst die Wirbellosenfauna 555 marine Krustentiertaxa sowie eine artenreiche Stachelhäuterfauna mit charakteristischen Seeigeln wie dem endemischen Eucidaris galapagensis und dem Weißen Seeigel (Tripneustes depressus). Seeigel tragen durch ihr Freßverhalten zur Struktur von Algenbeständen in küstennahen Lebensräumen bei. Besonders artenreich sind auch Mollusken, Korallen, Schwämme und die Tiefsee-Megafauna: Eine ROV-Expedition bis in über 3.300 Meter Tiefe entdeckte allein 30 bisher unbekannte Arten, darunter Bambuskorallen, Oktokorallen und Schwämme.[34][35][36][37][38]

Stark durch Fischerei beeinträchtigt sind die Bestände der Seegurken (Stichopus fuscus), deren Übernutzung in trophischen Modellen nachgewiesen wurde. Zu den charakteristischsten und visuell auffälligsten marinen Wirbellosen gehört die Rote Klippenkrabbe, die an felsigen Küsten des gesamten Archipels vorkommt und als Aasfresser und Weidegänger eine wichtige Funktion im küstennahen Ökosystem erfüllt.[39][33][40]

Auf den Inseln wurden (Stand 2014) über 650 nicht heimische Wirbellosenarten nachgewiesen. Zu den schlimmsten invasiven Wirbellosen zählen die Kleine Feuerameise und die Tropische Feuerameise (Solenopsis geminata), die die einheimische Biodiversität in Galápagos beeinträchtigen, insbesondere Wirbellose sowie die Brut und Jungtiere von Reptilien und Vögeln.[41][42][43]

Eingeschleppte Arten und Bedrohungen

Seit der Entdeckung der Inseln im 16. Jahrhundert wurden durch den Menschen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten eingeführt, die heute zu den gravierendsten Bedrohungen für die heimische Fauna zählen. Neben Nutztieren wie Ziegen, Schweinen und Hühnern wurden auch Hauskatzen, Hunde und Ratten eingebracht, die teils verwilderten und einheimische Arten durch Beutegreiferei, Konkurrenz und Lebensraumzerstörung massiv unter Druck setzen.[16][44][45]

Besonders problematisch sind invasive Arten wie die Vogelparasitenfliege Philornis downsi, deren Larven in Nestern von Landvögeln Blut und Gewebe von Nestlingen fressen und so etwa Mangroven- und anderen Darwinfinken stark schädigen. Hinzu kommen invasive Pflanzen wie die Brombeere (Rubus niveus), die einheimische Vegetation verdrängen und damit indirekt die Tierwelt beeinflussen.[46][44][16][47][48][49] Weitere Bedrohungen entstehen durch illegale oder nicht nachhaltig betriebene Fischerei, Klimaphänomene wie starke El‑Niño‑Ereignisse, die Nahrungsnetze im Meer vorübergehend destabilisieren, sowie durch wachsenden Tourismus und damit verbundenen Infrastruktur- und Verkehrsaufbau. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft den Erhaltungszustand des Welterbegebiets Galapagos daher als „besorgniserregend“ (significant concern) ein, trotz intensiver Naturschutzbemühungen.[50][51]

Bedeutung für Wissenschaft und Öffentlichkeit

Die Fauna der Galapagosinseln hat durch Darwins Arbeiten maßgeblich zur Entwicklung der Evolutionstheorie beigetragen und ist bis heute ein zentrales Forschungsgebiet für Ökologie und Evolutionsbiologie. Langfristige Studien zu Populationsdynamik, Anpassung und Artbildung – etwa an Finken, Leguanen oder Meeresechsen – liefern grundlegende Erkenntnisse über die Funktionsweise biologischer Systeme.[52][53][54]

Zugleich ist die Tierwelt des Archipels ein bedeutender Anziehungspunkt für den internationalen Naturtourismus, der wichtige Einnahmen für Ecuador und den Naturschutz generiert, zugleich aber strikt reguliert werden muss, um die empfindlichen Ökosysteme nicht zu überlasten.[55][56]

Literatur

Bücher

  • Dušan M. Brinkhuizen, Jonas Nilsson: Birds and Mammals of the Galapagos (= Lynx and BirdLife International Field Guides). 2020, ISBN 978-84-16728-40-4 (englisch).
  • Julian Fitter, Daniel Fitter, David Hosking: Wildlife of the Galapagos. Hrsg.: William Collins. 2016, ISBN 978-0-00-815673-2 (englisch).
  • Michael H. Jackson: Galapagos: a natural history. 5th print Auflage. The University of Calgary Press, Calgary 1999, ISBN 978-1-895176-40-7 (englisch).
  • John C. Kricher, Kevin C. Loughlin: Galápagos: a natural history. 2. Auflage. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2022, ISBN 978-0-691-21724-6 (englisch).
  • Gerhard Reimer: Fauna und Flora der Galápagosinseln. In: Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse Wien. Band 130–131, 1992, S. 11–23 (zobodat.at [PDF; 722 kB]).

Fachzeitschriften

Einzelnachweise

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