Fear, Uncertainty and Doubt
Form der Manipulation
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Als Fear, Uncertainty and Doubt (englisch für Furcht, Ungewissheit und Zweifel, meist abgekürzt als FUD) wird eine Werbe- oder Kommunikationsstrategie bezeichnet, die der gezielten Bekämpfung und Diskreditierung eines (in der Regel wirtschaftlichen oder politischen) Konkurrenten dient, insbesondere wenn dieser bislang ein gutes Image hat. Auch zur Kommentierung von Einschüchterungsversuchen durch Unternehmen, Verbände oder staatliche Behörden wird die Formel benutzt.
Geprägt hat diesen Begriff Gene Amdahl, nachdem er IBM verlassen hatte, um seine eigene Firma Amdahl Corporation zu gründen. Er soll damals über IBM-Vertriebsmitarbeiter gesagt haben, es seien Furcht, Ungewissheit und Zweifel, die sie potenziellen Amdahl-Kunden vermittelten.[1]
Etymologie
Die ähnliche Formulierung „doubts, fears, and uncertainties“ tauchte erstmals 1693 auf.[2][3] Der Ausdruck „fear, uncertainty, and doubt“ tauchte erstmals in den 1920er Jahren auf.[4][5] Manchmal wird der Ausdruck auch als „fear, uncertainty, and disinformation“ wiedergegeben.[6]
Bis 1975 tauchte „FUD“ im Zusammenhang mit Marketing, Vertrieb[7] und Öffentlichkeitsarbeit auf:[8]
„Eine der behandelten Botschaften ist FUD – die Angst, Unsicherheit und Zweifel sowohl auf Seiten der Kunden als auch der Verkäufer, die die Annäherung und Begrüßung behindern.“[7]
FUD wurde erstmals 1975 von Gene Amdahl in seiner heute üblichen Bedeutung im Zusammenhang mit Technologie verwendet, nachdem er IBM verlassen hatte, um die Amdahl Corp. zu gründen.[9]
„FUD ist die Angst, Unsicherheit und Zweifel, die IBM-Verkäufer potenziellen Kunden einflößen, die möglicherweise Amdahl-Produkte in Betracht ziehen.“[9]
Diese Verwendung von FUD zur Beschreibung von Desinformation in der Computerhardware-Branche soll zur späteren Popularisierung des Begriffs geführt haben.[10]
Wie Eric S. Raymond schrieb:[9]
„Die Idee war natürlich, Käufer davon zu überzeugen, sich für sichere IBM-Geräte statt für Geräte der Konkurrenz zu entscheiden. Diese implizite Nötigung wurde traditionell dadurch erreicht, dass man den Menschen, die bei IBM blieben, ‚Gutes‘ versprach, während die Zukunft der Geräte oder Software der Konkurrenz von ‚dunklen Schatten‘ überschattet war. Nach 1991 wurde der Begriff verallgemeinert und bezeichnet nun jede Art von Desinformation, die als Wettbewerbswaffe eingesetzt wird.“[9]
Durch die Verbreitung fragwürdiger Informationen über die Nachteile weniger bekannter Produkte kann ein etabliertes Unternehmen Entscheidungsträger davon abhalten, diese Produkte gegenüber den eigenen zu bevorzugen, unabhängig von den relativen „technischen“ Vorzügen. Dies ist ein anerkanntes Phänomen, das durch den traditionellen Grundsatz der Einkäufer verkörpert wird: „Niemand wurde jemals dafür entlassen, dass er IBM-Geräte gekauft hat.“ Das Ziel besteht darin, dass IT-Abteilungen Software kaufen, von der sie wissen, dass sie technisch minderwertig ist, weil die Geschäftsleitung eher dazu neigt, die Marke zu erkennen.
Ziel
Das Ziel ist es, beim Informationsempfänger (zum Beispiel Kunden, Wähler) jene Furcht, Ungewissheit und Zweifel gegenüber einem Konkurrenten oder dessen Produkten hervorzurufen (Propaganda). Hierbei wird ausgenutzt, dass Angstgefühle beim Menschen irrational begründet sind und selbst nachweislich falsche Informationen zu Unsicherheiten führen können.
Vorgehen
Die Strategie, gezielt Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu säen, wurde von der Tabakindustrie eingeführt und wird inzwischen seit mehreren Jahrzehnten genutzt, um politische Entscheidungen zu Umweltfragen wie z. B. dem Klimaschutz zu verzögern.[11] Man bedient sich dabei gezielter, aber dennoch subtiler und eher unterschwelliger Desinformation, zum Beispiel in Pressemeldungen. Häufig werden diese über scheinbar neutrale Quellen („Third-Party Strategy“) verbreitet, deren Verbindung zum eigentlichen Urheber nicht sofort ersichtlich ist.
Panikmache oder Fehlinformation zur Unterbindung bestimmter Handlungen gehört ebenfalls in den Bereich des FUD. Hier ist der jeweilige Konkurrent das Opfer, der Informationsempfänger nur Mittel zum Zweck. So werden bisweilen Produkte verfrüht angekündigt, lediglich um Kunden vom Kauf von Konkurrenzprodukten abzuhalten (Vaporware).
Befürworter freier Inhalte weisen gelegentlich angeblichen Rechteinhabern nach, die sich besonderer Schutzrechte berühmen, dass diese durch eine FUD-Strategie versuchen, Nutzer einzuschüchtern und von der Nutzung von Werken abzuhalten, die an sich frei sind.
Auch bei Rechtsstreitigkeiten kann das Mittel FUD eingesetzt werden, vor allem in Verbindung mit hohen Streitwerten und unerfahrenen Gegnern. Hier bilden Informationsempfänger und Opfer eine Einheit, beispielsweise bei einer Abmahnwelle gegen private Betreiber von Websites.
Abwehr
Eine mögliche Verteidigung gegen alle genannten Angriffsarten ist die Veröffentlichung der Tatsachen seitens des Opfers.
Nicht zu verwechseln ist FUD mit einer offen geführten Hetz- bzw. Schmutzkampagne, was im geschäftlichen Bereich als unlauterer Wettbewerb einzustufen ist.
Dokumentarfilm
Der Schweizer Unternehmer und Programmierer Michael Wechner drehte 2005 einen Dokumentarfilm unter dem Titel FUD – Fear Uncertainty Doubt, in dem ein Stimmungsbild der Open-Source-Szene am Beispiel der Apache Group gezeichnet wird.[12][13]
Siehe auch
Literatur
- Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming. Bloomsbury Press, 2010, ISBN 978-1-59691-610-4
- Deutsche Ausgabe: Die Machiavellis der Wissenschaft. Das Netzwerk des Leugnens. Wiley-VCH, Weinheim 2014, ISBN 978-3-527-41211-2