Fega Frisch
Übersetzerin
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Fega Frisch (geboren am 8. Novemberjul. / 20. November 1878greg. in Grodno, Russisches Kaiserreich; gestorben am 30. Mai 1964 in Ascona, Schweiz) war eine deutschsprachige Übersetzerin in Deutschland und der Schweiz.
Leben und Wirken
- Russland
Feigel Lifschitz wuchs in einer orthodoxen jüdischen Familie in Grodno (heute Hrodna, Belarus) auf. Ihre Eltern waren Joschua Heschel Lifschitz und Rahel, geborene Schwartz.[1] Sie besuchte ein Gymnasium für Mädchen in Russland.
- Deutschland
Seit 1897 studierte sie in Berlin Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Naturwissenschaften, 1901/1902 in Zürich Botanik.[2] Im November 1902 heiratete Feiga den jüdischen Publizisten Ephraim Frisch und lebte mit ihm in Berlin. Zu ihren Freunden und Bekannten gehörten in dieser Zeit der Dichter Christian Morgenstern, der ihr Trauzeuge war und mit dem sie einen intensiven Briefwechsel führte,[3] der Schriftsteller Robert Walser, der Religionsphilosoph Martin Buber und weitere Intellektuelle und Künstler.[4] 1911 zogen beide nach München. Von 1914 bis 1918 leitete Fega Frisch die kurz zuvor gegründete Kulturzeitschrift Der Neue Merkur ihres Mannes, der zum Sanitätsdienst eingezogen war. 1929 zogen sie wieder nach Berlin.
- Schweiz
1933 emigrierten Fega und Ephraim Frisch in die Schweiz. Dort konnten sie als Ausländer nur unter stark eingeschränkten Bedingungen publizieren; sie lebten unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Fega Frisch erhielt ein wesentlich geringeres Honorar für ihre wenigen Übersetzungen als einheimische männliche Kollegen, obwohl sie für diese viel fachliche Anerkennung bekam.[5] Sie verbrachte auch nach dem Tod ihres Mannes 1942 ihr weiteres Leben in der Schweiz. 1962 wurde sie für den Übersetzerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nominiert. 1964 starb sie in Ascona.
- Weitere Angaben
Sie war zuerst russische Staatsbürgerin, seit 1902 durch Heirat österreichische Staatsbürgerin und wahrscheinlich in den 1950er und 1960er Jahren Schweizer Staatsbürgerin.[6] Ihre Namen waren
- Feigel Lifschitz (in der frühen Kindheit)
- Feiga Lifschitz (am Gymnasium und in der Studienzeit)
- Fega Frisch (nach der Eheschließung und als Übersetzerinname)
- Fedscha, Fetscha, Feitscha (Kosenamen)[7]
- Übersetzungen
Fega Frisch übersetzte etwa hundert Werke von Puschkin, Tolstoi, Tschechow, Lermontow, Turgenjew, Gorki und weiteren russischen Schriftstellern ins Deutsche, darunter einige in Zeitschriften wie Der Neue Merkur.[8]
Literatur
- Heinrich Riggenbach: Fega Frisch. Russische Übersetzerin im Schweizer Exil. In: Monika Bankowski et al. (Hrsg.): Asyl und Aufenthalt. Die Schweiz als Zuflucht und Wirkungsstätte von Slaven im 19. und 20. Jahrhundert. Helbing und Lichtenhahn, Basel/Frankfurt am Main 1984, S. 173–189 (kurze Auszüge), ausführliche biographische Darstellung
- Susanne Blumesberger et al. (Bearb.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. Band 1. München 2002, S. 385 (mit grundlegenden biographischen Angaben).
- Salomon Winninger: Große Jüdische National-Biographie. Band 6. Cernauti, 1933, S. 607, mit umfangreichem Werkverzeichnis (nach Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1930).
- Stephan Bauer: Efraim Lifschitz und Akbrecht Mendelssohn Bartholdy. Universitätsverlag Potsdam, 2024 (Auszüge), mit einigen Informationen über Fega Frisch
Weblinks
- Fega Frisch im Germersheimer Übersetzerlexikon
- Fega Frisch. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Literatur von und über Fega Frisch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Suche nach Fega Frisch. In: Deutsche Digitale Bibliothek