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Felix Bornemann (Politiker)

deutscher Politiker (NSDAP), MdR From Wikipedia, the free encyclopedia

Felix Bornemann (* 2. März 1894 in Znaim, Österreich-Ungarn; † 27. November 1990 in Regensburg) war ein sudetendeutscher nationalsozialistischer Funktionär. Nach der Annexion des Sudetenlandes durch NS-Deutschland 1938 war er Kreisleiter der NSDAP in Znaim und Mitglied des Großdeutschen Reichstages und SS-Sturmbannführer. Später war er Vertriebenenfunktionär der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Felix Bornemann (1938)

Leben und Wirken

Felix Bornemann wuchs in Znaim im mehrheitlich deutschsprachigen Teil Südmährens auf, das bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Habsburgermonarchie gehörte. Sein Vater war dort Inhaber der Buchhandlung Fournier & Haberle, Druckereibesitzer und Zeitungsherausgeber. Nach dem Besuch der Volksschule und des Obergymnasiums in Znaim, wo er 1913 maturierte, studierte er an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn Architektur[1] oder Maschinenbau und Elektrotechnik. Laut dem Handbuch des Großdeutschen Reichstags studierte er später noch an der Deutschen Universität in Prag Rechtswissenschaften.[2] Ein Hochschulabschluss gelang Bornemann jedoch nie. Im Ersten Weltkrieg erlitt Bornemann an der Ostfront einen Nervenschock und eine Lungenentzündung, kehrte aber nach seiner Genesung an die Front zurück. Inzwischen zum Leutnant aufgestiegen, erlitt er im Mai 1918 in Italien eine Gasvergiftung. Anschließend kehrte er in seine Heimat zurück, wo er den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie miterlebte.[1]

Ab März 1918 war Bornemann Mitglied der von Hans Knirsch geführten radikal völkischen Deutschen Arbeiterpartei, die sich im selben Jahr in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) umbenannte. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns besetzten Truppen der neu gegründeten Tschechoslowakei auch die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens, einschließlich Bornemanns Heimatstadt Znaim, der Vertrag von Saint-Germain bestätigte diese Zuordnung. Bornemann wurde im Oktober 1918 Amtswalter der DNSAP in Znaim. Er arbeitete in dieser Zeit im Unternehmen seines erkrankten Vaters mit,[1] war von 1918 bis 1924 Hauptschriftleiter des Znaimer Tagblatts und der Südmährischen Rundschau.

Ab 1921 unterrichtete er an der Sealsfield-Volkshochschule in Znaim. Nach dem Tod des Vaters 1923 übernahm er selbst die Leitung von dessen Buchhandlung. Außerdem bekleidete er verschiedene wichtige Ehrenämter in völkischen Kampfverbänden sowie in kulturellen und wirtschaftlichen Körperschaften Südmährens. Die DNSAP löste sich 1933 selbst auf und kam damit einem drohenden Verbot zuvor. Im April 1935 schloss sich Bornemann der Sudetendeutschen Partei (SdP) an. Wegen politischer Delikte wurde er in der Tschechoslowakei mehrmals verhaftet bzw. zu Haftstrafen verurteilt. Beispielsweise verbrachte er 1938 bis zum deutschen Einmarsch ins Sudetenland am 1. Oktober fünf Monate in Haft.

Nach der Annexion der Sudetengebiete durch das nationalsozialistische Deutsche Reich löste sich die SdP auf. Am 24. Januar 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.570.980).[3] Bereits ab Dezember 1938 war er kommissarischer Kreisleiter in Znaim und übte diese Tätigkeit später auch dauerhaft aus. Anlässlich der am 4. Dezember 1938 stattfindenden Sudetendeutschen Ergänzungswahl zu dem im April 1938 gewählten Reichstag zog Bornemann in den – politisch bedeutungslosen – nationalsozialistischen Reichstag ein, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft als Vertreter des Sudetengebietes angehörte. In der SS erreichte er im November 1943 den Rang eines SS-Obersturmbannführers (SS-Nummer 314.152).

Nach Kriegsende wurde er im Kreisgericht Znojmo (dt. Znaim) in Untersuchungshaft genommen, und im April 1947 wurde dort ein Verfahren gegen ihn durchgeführt. Er kam 1955 aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik Deutschland und betätigte sich unter anderem als Funktionär/Heimatkreisbetreuer der Sudetendeutschen Landsmannschaft des Kreises Znaim-Südmähren.

Mangels anderer Abschlüsse gelang es ihm 1956 den Titel „Architekt“ zu erwerben. Voraussetzung dafür war eine Sonderregelung: Allein die Planung und Durchführung des Baus eines Einfamilienhauses (seines Sohns und seiner Schwiegertochter, wo auch er viele Jahre lebte) in Stuttgart genügten dafür und auch für die Aufnahme in die Architektenkammer. Tatsächlich hat er diesen Beruf sonst nie ausgeübt. Er widmete sich ausschließlich seiner „Arbeit“ in der Südmährischen und Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Sein nationalsozialistisches Gedankengut hat er nie aufgegeben.

Er plante 1940 in Znaim „den Horst-Wessel-Platz zu einer Gedenkstätte der Gefallenen des Weltkrieges und jener des jetzigen großen Ringens umzuwandeln und dafür ein Denkmal aus der Hand des Künstlers Hugo Lederer zu erwerben“.[4] In Geislingen/Steige richtete er 1971 eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Hugo Lederer aus und hielt eine Ansprache, in der er wahrheitswidrig behauptete, Lederers „letzte Arbeit galt einem Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege in seiner Vaterstadt Znaim.“[5] Er verfasste eine Broschüre auf der Basis einer Publikation von 1931,[6] ohne diese zu erwähnen. In dieser Broschüre verbreitete er mehrere unbewiesene Behauptungen, u. a. dass Lederers Plastik „Die Tänzerin Anna Pawlowa ein Reh fütternd“ im Garten von Hitlers Reichskanzlei aufgestellt gewesen sei.[7]

Literatur

  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.

Einzelnachweise

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