Felix Guggenheim
deutsch-amerikanischer Verleger und Literaturagent
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Leben
Felix Guggenheim war ein Sohn des Konstanzer Textilkaufmanns Alfred Guggenheim und der Gisela Billigheimer. Seine Schwester heiratete den Konstanzer Arzt Richard Guggenheim, auch ihnen gelang die Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland.
Felix Guggenheim besuchte das Heinrich-Suso-Gymnasium Konstanz. Ab 1922 studierte er Ökonomie und Jura in München und Hamburg. Er wurde 1925 in Zürich in Ökonomie bei Manuel Saitzew und 1926 in Leipzig bei Paul Koschaker in Rechtswissenschaft promoviert.
Er arbeitete zunächst als Wirtschaftsjournalist bei der Vossischen Zeitung und wurde 1926 Sekretariatsleiter im Berliner Bankhaus Schoenberger. Im Jahr 1931 wechselte er als Vorstandsmitglied und Generalbevollmächtigter in das Druckerei- und Verlagsunternehmen Seydel, das seit 1924 die Deutsche Buchgemeinschaft zu einem florierenden Unternehmen entwickelte. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde die Seydel AG „arisiert“, doch Guggenheim konnte seine Stellung bei der Deutschen Buchgemeinschaft auf Grund seiner Qualifikation halten.
1936 heiratete er die Filmschauspielerin Evelyn Holt, die als Jüdin Berufsverbot erhalten hatte, sie hatten den Sohn Alfred Kim Guggenheim (1946–2023). Sie emigrierten 1938 in die Schweiz und 1939 nach Großbritannien. Sie gelangten 1940 über Kanada in die USA nach Los Angeles, die Staatsbürgerschaft erhielten sie 1946. Dort arbeitete Guggenheim in verschiedenen Berufen und Branchen, beteiligte sich an einer Fabrik für Plastikerzeugnisse und an einem agrarwirtschaftlichen Betrieb für die Verwertung von Zitrusschalen in Viehfutter.
Daneben suchte er den Kontakt mit den aus Deutschland exilierten Autoren. Mit Ernst Gottlieb gründete er 1942 den Verlag Pazifische Presse.[1] Dort kam deutsche Exilliteratur in der Aufmachung von Luxusausgaben in nummerierten und signierten Ausgaben in beschränkter Auflage heraus. Der Verlag wurde 1948 eingestellt; erschienen sind ein Dutzend Bände mit Gedichten, Erzählungen und Romanauszügen von Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, Leonhard Frank, Thomas Mann, Alfred Neumann, Friedrich Torberg und Franz Werfel.
Guggenheim betätigte sich außerdem als internationaler Literaturagent. Er widmete sich Vertrags- und Copyrightfragen bei der Verfilmung literarischer Werke. In den 1950er Jahren ebnete er juristisch die Zusammenarbeit von US-amerikanischen und deutschen Verlagen. Zu seinen Klienten gehörten neben den Autoren seines Verlag auch Vicki Baum, Curt Goetz, Alma Mahler-Werfel, Alfred Neumann, Erich Maria Remarque, Johannes Mario Simmel, Jürgen Thorwald und Victoria Wolff.
1966 erhielt Guggenheim das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Schriften (Auswahl)
- Der deutsche reichseigene Industriekonzern. Rascher, Zürich 1925 Zugl.: Zürich, Rechts- und staatswissenschaftliche Dissertation.
- Verfügungen von Todes wegen zu Gunsten eines nicht rechtsfähigen Vereins. Juristische Dissertation, Leipzig 1926.
Literatur
- Guggenheim, Felix. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 2020, S. 112.
- Guggenheim, Felix. In: Renate Heuer (Hrsg.): Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10. Saur, München 2002, S. 9–12.
- Guggenheim, Felix. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 253.
- Erich Bloch: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert: eine Dokumentation. Rosgarten, Konstanz 1971, S. 211–214.
Weblinks
- Literatur von und über Felix Guggenheim im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Manfred Bosch: Felix Guggenheim: Jurist, Verleger, Literaturagent. Bei seemoz, Konstanz, 29. Februar 2024
- Michaela Ullmann: Felix Guggenheim (1904-1976). Bei Immigrant Entrepreneurship, German Historical Institute, 19. Juli 2012
- Sammlung Dr. Felix Guggenheim. Katalog, bei Mark Funke, ABAA