Fernand M. Guelf

luxemburgischer Philosoph und Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Fernand Mathias Guelf (* 26. April 1955 in Diekirch, Luxemburg) ist ein luxemburgischer Philosoph und Schriftsteller.

Leben

Guelf studierte an den Universitäten Saarbrücken und Trier Philosophie, deutsche Literatur, Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft. 2006 setzte er sein Studium an der Technischen Universität Berlin fort. Sein besonderes Interesse galt den philosophischen und soziologischen Dimensionen der Urbanisierung.

2009 veröffentlichte er den Band Stadtluft macht frei, in dem er Spuren verfolgt, die Philosophie, Literatur und Kunst im Denken hinterlassen haben. 2010 promovierte er mit einer Arbeit über Henri Lefebvre.

In seiner Dissertation La révolution urbaine. Henri Lefebvres Philosophie der globalen Verstädterung analysierte er Lefebvres Thesen zur Urbanisierung und ordnete sie in dessen philosophisches Werk ein.[1] Guelf fasste die Vielfalt des umfangreichen Œuvres von Lefebvre zu einer einheitlichen Theorie zusammen. Zentral ist dabei die Auffassung der Stadt als Oeuvre, als sich ständig entwickelndes Gesamtkunstwerk. Den Begriff der menschlichen Kreativität übernimmt Lefebvre teilweise aus den Pariser Manuskripten von Karl Marx und interpretiert ihn im Sinne einer Philosophie der Praxis.

Mit der sich in den 1980er- und 1990er-Jahren abzeichnenden Globalisierung und Digitalisierung erkennt Guelf eine Entwicklung, die an Geradlinigkeit und Voraussehbarkeit verliert und auf einen kritischen Wendepunkt zusteuert. Lefebvres transdisziplinäre Herangehensweise und seine Absage an Dogmatismus prägen Guelfs weiteres philosophisches und literarisches Schaffen.

Werk

Essays

  • Im Essay Fesseln der Zeit (2011) wird die Frage der Zeit zur Frage menschlicher Identität. Das Nebeneinander philosophischer und literarischer Positionen führt in ein Labyrinth, in dem die Zeit ihre Verlässlichkeit verliert.[2]
  • … dichterisch wohnet der Mensch (2012) ist eine essayistische Bestandsaufnahme der Sprache als literarisches Medium, der Guelf ein magisches Potenzial zuschreibt.[3]

Romane

  • In Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben (2013) beschreibt Guelf die Suche des Individuums nach einem beherrschbaren Leben. Der Protagonist erkennt, dass die Entwicklung der Menschheit nicht geradlinig verläuft und sucht in Extremen nach einer letzten Überlebenschance.[4]
  • Auf der Suche nach Konrad (2014) führt den Erzähler in das Berliner Leben am Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Welt aus Künstlern, Lebemännern, Ganoven, Wissenschaft und Spiritismus. Dort begegnet er unter anderem der Tänzerin Cécile und wird mit der Figur Konrad, einem begnadeten Geschichtenerzähler, konfrontiert.[5]
  • Sage dem König (2015) beginnt mit dem letzten delphischen Orakelspruch und einer mysteriösen E-Mail, unterzeichnet mit »Parsifal«. Sie veranlasst Georg Steiner zur Rückkehr ins öffentliche Leben, das von der Übernahme literarischer Kreativität durch das digitale Zeitalter geprägt ist.[6]
  • Der Ausnahmezustand (2020) schildert die Schockstarre einer Gesellschaft nach einem Terroranschlag in Berlin. In Rückblenden und Einzelaufnahmen werden die Schicksale dreier Menschen erzählt, die auf tragische Weise miteinander verbunden sind.[7]
  • Sebastian (2022) erzählt die Geschichte eines Finanzexperten, dessen Aufenthalt auf einer Insel zur Konfrontation mit der Vergangenheit seiner Eltern während der Franco-Diktatur führt.[8]
  • Charlotte auf dem Dorf (2025) ist eine Novelle über Zivilisationskritik, Verschwörungsglauben und den schmalen Grat zwischen Fremdsein und Verfolgung.[9]

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

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