Fernand M. Guelf
luxemburgischer Philosoph und Schriftsteller
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Leben
Guelf studierte an den Universitäten Saarbrücken und Trier Philosophie, deutsche Literatur, Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft. 2006 setzte er sein Studium an der Technischen Universität Berlin fort. Sein besonderes Interesse galt den philosophischen und soziologischen Dimensionen der Urbanisierung.
2009 veröffentlichte er den Band Stadtluft macht frei, in dem er Spuren verfolgt, die Philosophie, Literatur und Kunst im Denken hinterlassen haben. 2010 promovierte er mit einer Arbeit über Henri Lefebvre.
In seiner Dissertation La révolution urbaine. Henri Lefebvres Philosophie der globalen Verstädterung analysierte er Lefebvres Thesen zur Urbanisierung und ordnete sie in dessen philosophisches Werk ein.[1] Guelf fasste die Vielfalt des umfangreichen Œuvres von Lefebvre zu einer einheitlichen Theorie zusammen. Zentral ist dabei die Auffassung der Stadt als Oeuvre, als sich ständig entwickelndes Gesamtkunstwerk. Den Begriff der menschlichen Kreativität übernimmt Lefebvre teilweise aus den Pariser Manuskripten von Karl Marx und interpretiert ihn im Sinne einer Philosophie der Praxis.
Mit der sich in den 1980er- und 1990er-Jahren abzeichnenden Globalisierung und Digitalisierung erkennt Guelf eine Entwicklung, die an Geradlinigkeit und Voraussehbarkeit verliert und auf einen kritischen Wendepunkt zusteuert. Lefebvres transdisziplinäre Herangehensweise und seine Absage an Dogmatismus prägen Guelfs weiteres philosophisches und literarisches Schaffen.
Werk
Essays
- Im Essay Fesseln der Zeit (2011) wird die Frage der Zeit zur Frage menschlicher Identität. Das Nebeneinander philosophischer und literarischer Positionen führt in ein Labyrinth, in dem die Zeit ihre Verlässlichkeit verliert.[2]
- … dichterisch wohnet der Mensch (2012) ist eine essayistische Bestandsaufnahme der Sprache als literarisches Medium, der Guelf ein magisches Potenzial zuschreibt.[3]
Romane
- In Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben (2013) beschreibt Guelf die Suche des Individuums nach einem beherrschbaren Leben. Der Protagonist erkennt, dass die Entwicklung der Menschheit nicht geradlinig verläuft und sucht in Extremen nach einer letzten Überlebenschance.[4]
- Auf der Suche nach Konrad (2014) führt den Erzähler in das Berliner Leben am Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Welt aus Künstlern, Lebemännern, Ganoven, Wissenschaft und Spiritismus. Dort begegnet er unter anderem der Tänzerin Cécile und wird mit der Figur Konrad, einem begnadeten Geschichtenerzähler, konfrontiert.[5]
- Sage dem König (2015) beginnt mit dem letzten delphischen Orakelspruch und einer mysteriösen E-Mail, unterzeichnet mit »Parsifal«. Sie veranlasst Georg Steiner zur Rückkehr ins öffentliche Leben, das von der Übernahme literarischer Kreativität durch das digitale Zeitalter geprägt ist.[6]
- Der Ausnahmezustand (2020) schildert die Schockstarre einer Gesellschaft nach einem Terroranschlag in Berlin. In Rückblenden und Einzelaufnahmen werden die Schicksale dreier Menschen erzählt, die auf tragische Weise miteinander verbunden sind.[7]
- Sebastian (2022) erzählt die Geschichte eines Finanzexperten, dessen Aufenthalt auf einer Insel zur Konfrontation mit der Vergangenheit seiner Eltern während der Franco-Diktatur führt.[8]
- Charlotte auf dem Dorf (2025) ist eine Novelle über Zivilisationskritik, Verschwörungsglauben und den schmalen Grat zwischen Fremdsein und Verfolgung.[9]
Veröffentlichungen
- Stadtluft macht frei. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-59030-0.
- Die urbane Revolution. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1511-1.
- La révolution urbaine. Henri Lefebvres Philosophie der globalen Verstädterung. Dissertation, TU Berlin 2010.
- Kreativität in der urbanen Gesellschaft. In: Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation. Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-8822-4.
- Fesseln der Zeit. Passagen Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85165-994-8.
- … dichterisch wohnet der Mensch. Passagen Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7092-0047-6.
- Ich kann nur am Anfang oder am Ende der Welt leben. Passagen Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-7092-0092-6.
- Auf der Suche nach Konrad. Passagen Verlag, Wien 2014, ISBN 978-3-7092-0137-4.
- Sage dem König. Editions Phi, Differdange 2015, ISBN 978-99959-37-17-1.
- Die Illusion des Fortschritts. In: Perspectives on Henri Lefebvre. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2019, ISBN 978-3-11-049469-3.
- Der Ausnahmezustand. Passagen Verlag, Wien 2020, ISBN 978-3-7092-0406-1.
- Sebastian. Eigenverlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-00-073551-6.
- Sebastián (Edición española). Eigenverlag, 2022, ISBN 978-3-00-073552-3.
- Charlotte auf dem Dorf. Passagen Verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-7092-0637-9.
- Das Buch der Entscheidungen. Passagen Verlag, Wien 2026, ISBN 978-3-7092-0658-4.
- Le Livre des Choix. Maison du Silence, Luxemburg 2026, ISBN 978-2-87996-222-1.
- Metaphilosophische Positionen: Henri Lefebvre. In: Daniel Minkin (Hrsg.): Handbuch Metaphilosophie. J. B. Metzler, Berlin 2025.
Weblinks
- Literatur von und über Fernand M. Guelf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Literatur von und über Fernand M. Guelf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eigene Website