Liste lateinischer Phrasen/F
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Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben F beginnende Phrasen.
Fabula/Fabulae
Fabula docet.
„Die Fabel lehrt.“ – Die Moral der Geschichte ist …
Fabula Nova Crystallis
„Neue Geschichte des Kristalles“ – Überbegriff der Final-Fantasy-XIII–Kompilation
Fabula quanta fui.
„Zu wie viel Gesprächsstoff bin ich geworden!“ – Horaz, Epoden 11,8
Fabulae!
„[Nur] Erzählungen!“ – „Leeres Geschwätz!“ – Zitat aus den Werken des römischen Dichters Terenz.
Fac

Fac simile.
„Mach es ähnlich!“
Als Faksimile bezeichnet man eine originalgetreue Kopie beziehungsweise Reproduktion einer Vorlage. Das Wort „Fax“ ist eine Verkürzung von Telefax, welches wiederum eine Verkürzung ist von Telefaksimile, also einer Fernbildabschrift.
Fac totum.
„Mach alles!“
Faktotum ist eine im 17. Jahrhundert aufgekommene Bezeichnung für eine Person, die in einem Haushalt oder auch einer Schule eine Vielzahl von Aufgaben wahrnimmt. Eine solche Person wird heute auch „Mädchen für alles“ genannt.
Faciam
Facie/Facies
Facie prima
„Auf den ersten Blick“ – nach dem erstmaligen Ansehen; zum Beispiel ein Musikstück prima facie („vom Blatt“) spielen.
Facies Hippocratica
„Hippokratisches Gesicht“ – Gesicht eines Sterbenden mit spitzer Nase, eingesunkenen Augen, blasser Haut und kaltem Schweiß auf der Stirn, das von Hippokrates von Kos, dem berühmtesten Arzt des Altertums, ausführlich beschrieben wurde.
Facilis
Facilis descencus Averno.
„Leicht ist der Abstieg zum Avernus.“ (∗) – Nach Vergil, Aeneis 6,126-127.[1]
Der Averner See galt als Tor zur Unterwelt.
[…] facilis descensus Averno: (∗)
noctes atque dies patet atri ianua Ditis;
[…] leicht steigst du hinab zum Avernus; (∗)
Tag und Nacht steht offen das Tor zum finsteren Pluto.
Anmerkung:
Facio/Facit
Facio liberos ex liberis libris libraque.
„Ich mache Freie aus Kindern durch Bücher und eine Waage.“ – Motto des St. John’s College in Annapolis (Maryland) und Santa Fe (New Mexico).
Facio ut des.
„Ich leiste [etwas], damit du [etwas] gibst.“ – Kontraktsform des römischen Rechts.
Ähnlich ist Do ut des.
Facit.
„Es macht.“ – „Es ergibt.“
Ein Fazit ist eine wertende Zusammenfassung, in der meistens ein Ergebnis präsentiert wird und daraus Schlussfolgerungen gezogen werden.
Facit indignatio versum.
„Die Entrüstung schmiedet den Vers.“ – Juvenal, Saturae 1,79.
Gemeint ist: Die Zustände, die man beobachten kann, sind so empörend, dass sich die Verse der satirischen Dichtung, „auch wenn die Natur es verweigert“ („si natura negat“), wie von selbst einstellen.
Facit omnia voluntas.
„Der Wille vollbringt alles.“
Ähnlich dem deutschen Sprichwort „Der Glaube versetzt Berge.“
Facta/Factum
Facta, non verba
„Taten, nicht Worte“ – oft gebrauchtes Motto
Factum (est) illud; fieri infectum non potest.
„Es ist geschehen und nicht mehr ungeschehen zu machen.“ – Plautus, Aulularia 174.
Faenum/Fenum
(Die Form foenum gilt als obsolet.)
Faenum habet in cornu, longe fuge.
„Er hat Heu auf dem Horn, fliehe weit weg!“ – Horaz, Satiren 1,4,34
Diese Redensart spielt darauf an, dass man rasenden Rindern Heu auf die Hörner band, wohl damit sie nicht so leicht jemanden aufspießen konnten.
Falsa/Falsus
Falsa demonstratio non nocet.
„Falsche Bezeichnung schadet nicht.“ – Die unzutreffende Bezeichnung in einer Vereinbarung bleibt folgenlos, wenn die Parteien sich über das Bezeichnungsobjekt tatsächlich einig sind. Es gilt das Gemeinte.
Falsus procurator
„falscher Stellvertreter“ – ein nicht bevollmächtigter Stellvertreter
Falsus in uno, falsus in omnibus
„falsch in einem, falsch in allem“ – römischer Rechtsgrundsatz
Fama
Fama crescit eundo.
„Das Gerücht wächst im Gehen.“ – Das Gerücht (als Göttin Fama personalisiert) wächst mit seiner Verbreitung.
Nach Vergil Aeneis 4,173-5:[4]
Extemplo Libyae magnas it Fama per urbes,
Fama, malum qua non aliud velocius ullum;
mobilitate viget, viresque adquirit eundo,
Fama schreitet sofort durch Libyens mächtige Städte,
Fama, ein Übel, das nie von andern im Laufe besiegt ward,
Sich der Beweglichkeit freut und an Kraft zunimmt, wie es forteilt.
Fama fert …
„Das Gerücht geht um …“
Fama nihil est celerius.
„Nichts ist schneller als ein Gerücht.“
Fama post cineres maior venit.
„Der Ruhm wird nach der Asche größer“ oder[5] „Wächst doch der Ruhm, wenn wir Asche geworden.“ – Ovid, Epistulae ex Ponto 4,16,3.
Familia
Familia supra omnia
„die Familie über alles“ – oft gebrauchtes Familienmotto
Fas
Fas est et ab hoste doceri.
„Auch sich vom Feind belehren zu lassen ist richtig.“ – Ovid, Metamorphosen 4,428.
Favete
Feci/Fecisti
Feci quod potui, faciant meliora potentes.
„Ich habe gemacht, was ich konnte, mögen die es besser machen, die dazu imstande sind.“
Fecisti patriam diversis de gentibus unam.
„Du hast aus verschiedenen Völkern ein einziges Vaterland gemacht.“ – Rutilius Claudius Namatianus im Lob des Kaisers Augustus.
Fele
Fele comprehensa, saltant mures in mensa.
„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ – wörtlich: „Nachdem die Katze gefangen worden ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“
Felicior
Felicior Augusto, melior Traiano.
„[Sei] glücklicher als Augustus [und] besser als Trajan.“ – Rituelle Akklamation der spätrömischen Kaiser.
Felix
Felix Austria
„glückliches Österreich“
Die Wendung wird heute verwendet, um auszudrücken, dass Österreicher eine Neigung zu heiterer Lebensart haben. Sie stammt aus einem Hexameter, mit dem man seit dem 17. Jahrhundert die Heiratspolitik der Habsburger charakterisiert: „Bella gerant alii, tu felix Austria nube.“ („Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate.“)
Felix culpa
„Glückliche Schuld“ – Gedanke, wonach der Sünder sich durch den Tod Jesu und damit durch die Erlösung in einem glücklicheren Zustand befindet als vor der Sünde. Der ganze Satz lautet:
„Felix culpa, quae talem ac tantum meruit habere Redemptorem.“ („Glückliche Schuld, die einen solchen und so großen Erlöser verdient hat.“)
Der Satz stammt aus dem Exsultet, einem Lobgesang in der Osternacht der Kirchen des römischen Ritus.
Felix et faustum sit lumen.
„Glück und Heil sei dir das Licht.“

Felix, heu, nimium felix!
„Glücklich, ach überglücklich!“ – Mit diesen Worten beklagt sich Dido in der Aeneis (4,657),[4] sie wäre glücklich gewesen, wäre sie Aeneas nie begegnet.
Felix, qui potuit rerum cognoscere causas.
„Glücklich, wer den Dingen auf den Grund sehen konnte.“ – Vergil, Georgica 2,490, dort möglicherweise bezogen auf Lukrez und dessen Werk „De rerum natura“.
Felo
Felo de se
„Übeltäter gegen sich selbst“ – Selbstmörder
Femina
Femina est mas occasionatus.
„Die Frau ist ein missglückter Mann.“ – Misogyne Bezeichnung für die Frau.
Thomas von Aquin referiert Aristoteles (Summa theologica Ia 92,1) und stimmt ihm zu:
„Es sagt der Philosoph in der Schrift de generatione animalium, dass die Frau ein missglückter Mann sei. Aber bei der ersten Einrichtung der Welt durfte es nichts Missglücktes und Defizitäres geben. Also durfte bei jener ersten Einrichtung der Welt die Frau nicht erschaffen werden.“
Femina sexu, ingenio vir.
„Eine Frau von Geschlecht, an Geisteskraft ein Mann.“
Feras/Fero
Feras, non culpes, quod mutare non potes.
„Ertrage, nicht beklage, was du nicht ändern kannst.“ – Zitat aus den Sententiae des Dichters Publilius Syrus.
Fero relatum.
„Ich überbringe, was mir überbracht worden ist.“ – Oft verwendet, um die Verantwortung von sich zu weisen.
Vergleiche Relata refero.
Ferro/Ferrum
Ferro ignique
„Mit Feuer und Eisen“ – Mit Feuer und Schwert.
Ferrum natare doces.
„Du lehrst Eisen schwimmen.“
Ferrum tuum in igne est.
„Dein Eisen ist im Feuer.“
Fertilior
Festina
Festina lente.
„Eile mit Weile.“ – Gemäß Sueton Lieblingsausspruch des Kaisers Augustus, der diesen Satz aber vorzugsweise griechisch zitierte: Σπεῦδε βραδέως. (Speude bradeōs.)
Der ganze Satz lautet folgendermaßen: „Σπεῦδε βραδέως· ἀσφαλὴς γάρ ἐστ’ ἀμείνων ἢ θρασὺς στρατηλάτης.“ (Speũde bradéōs; asphalḗs gár est’ ameínōn ḗ thrasýs stratēlátēs. – „Eile langsam! Ein vorsichtiger ist besser als ein waghalsiger Heerführer.“)
Festinare
Festinare nocet, nocet et cunctatio saepe; / tempore quaeque suo qui facit, ille sapit.
„Eile schadet, auch Zögern schadet oft; / weise ist, wer alles zu seiner Zeit tut.“[6]
Festinare opus est.
„Eile tut not.“ – Wörtlich: „Eilen ist notwendig.“
Fiat
Fiat iustitia, et pereat mundus
„Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde.“
Erster Nachweis aus dem 16. Jahrhundert, Hadrian VI. zugeschrieben, der mit dieser Maxime das Verfahren gegen einen adeligen Mörder weiterzuführen befahl. Die ursprüngliche Bedeutung ist also: Gerechtigkeit muss verwirklicht werden, auch wenn die Welt (im Sinn von: „Große Welt, Hochmut, Überheblichkeit“) zugrunde geht. Das heute übliche Missverständnis des Satzes geht zurück auf die Übersetzung Luthers: „Es geschehe, was recht ist, und sollt die Welt drob vergehen.“[7][8]
Vergleiche mit dem folgenden Fiat iustitia, ruat caelum.

Fiat iustitia, ruat caelum
„Der Gerechtigkeit soll Genüge geleistet werden und wenn der Himmel einstürzt.“
Die genaue Herkunft des Spruchs ist unklar und wird häufig im englischen Sprachraum mit einem Piso’s justice („Pisos Gerechtigkeit“) genannten Ereignis aus Senecas De Ira[9] über einen Konsul Piso (üblicherweise Gnaeus Calpurnius Piso, aber auch Lucius Calpurnius Piso Caesoninus) gleichgesetzt, in dem diese Phrase jedoch nicht auftaucht. Fiat iustitia, ruat caelum beschreibt in diesem Kontext eine den Worten nach gerechte, jedoch moralisch verwerfliche Tat:
Piso verurteilte einen Mann in einem Indizienprozess wegen Mordes zum Tode. Kurz vor seiner Hinrichtung tauchte das vermeintliche Opfer jedoch auf und der das Urteil vollstreckende Zenturio brachte beide zur Klärung erneut vor Piso. Dieser verurteilte daraufhin alle drei zum Tode: den vermeintlichen Mörder, weil er ein rechtsgültiges Todesurteil erhielt, den Zenturio, weil dieser nicht seiner Pflicht nachkam, und das vermeintliche Opfer, weil es für den Tod von zwei Unschuldigen verantwortlich war.[10]
Vergleiche mit Fiat iustitia, et pereat mundus.
Fiat lux (et facta est lux)
„Es werde Licht! (Und es ward Licht.)“ – Aus dem 1. Buch Mose (Genesis), wird auch als Motto an der UC Berkeley verwendet.

Fiat panis.
„Es werde Brot.“ – Motto der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO)
Fiat voluntas Tua.
„Dein Wille geschehe.“ – Bitte aus dem Vaterunser, die ergänzt wird um „sicut in caelo, et in terra“ („wie im Himmel so auf Erden“).
Fide
Fide, sed cui, vide.
„Trau, aber wem, schau.“ – „Trau, schau, wem.“
Ähnlich: Vide cui fidas.
Fidei/Fides
Fidei Defensor
„Verteidiger des Glaubens“ – Heinrich VIII. von England von Papst Leo X. am 17. Oktober 1521 gegebener Titel, als dieser noch Rom treu war. Bis heute Bestandteil der britischen Königstitulatur. Aufschrift aller britischen Münzen, in der Regel abgekürzt „Fid Def“, „F. D.“ oder „fd“.
Variante: Defensor fidei.
Fides Graeca
„griechische Treue“ – Unzuverlässigkeit
Siehe auch Fides Punica.
Fides obligat fidem.
„Vertrauen bewirkt Vertrauen.“
Fides Punica
„Punische Treue“ – seit den Kriegen mit Hannibal galten die Punier den Römern als unzuverlässige Bündnispartner.
Auch als Punica fides. Siehe auch Fides Graeca.
Fidus
Fili/Filia/Filii/Filio/Filius
Fili mi, si te iactaverint peccatores, ne adquiescas.
„Mein Sohn, wenn dich die Sünder drängen, pflichte nicht bei.“ – Sprüche Salomons 1,10.
Filia sub tilia nectit subtilia fila.
„Die Tochter verknüpft unter der Linde feine Fäden.“ – lateinischer Zungenbrecher.
Filii dei sumus.
„Wir sind Kinder Gottes.“ – 1. Johannesbrief (3,2 VUL).
Filioque
„Und dem Sohn“ – dieser Zusatz zum Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel von 381 ist eine Aussage im Absatz über den Heiligen Geist:
“Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, qui ex Patre Filioque procedit […]”
„Und [wir glauben] an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, […]“
Filius mantellatus
„Mantelkind“ – durch spätere Eheschließung legitimiertes Kind
Finem/Finis
Finem vitae specta.
„Schau auf das Ende des Lebens!“ – Diese Maxime leitet sich vom griechischen Ausspruch „ὅρα τέλος μακροῦ βίου“ (hóra télos makroũ bíou) des Weisen Solon her. Eine andere lateinische Version ist:
„Specta finem longae vitae.“ („Achte auf das Ende bei einem langen Leben.“)
Finis cantici
„Das Ende vom Lied“
Finis coronat opus.
„Das Ende krönt das Werk.“ – Dieses Zitat aus den Heroides (2, 85) des Dichters Ovid ist heute das Motto vieler US-amerikanischen Schulen und des Inselstaates der Seychellen.
Finis Germaniae
„Das Ende Deutschlands“ – Mit diesen Worten kommentierte im Ersten Weltkrieg Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg den unbeschränkten U-Boot-Krieg, der seiner Ansicht nach den sicheren Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika und das Ende Deutschlands bedeutete.

Finis Poloniae
„das Ende Polens“
Dieser Ausspruch wurde dem polnischen Feldherrn Tadeusz Kościuszko in den Mund gelegt, der 1794 auf der Flucht in einem Sandhügel stecken blieb; dort hätten ihm die Kosaken das Pferd unter dem Leibe erschossen und ihn am Hinterkopf verwundet. Als er ins Lager gebracht worden war, habe er seinen Säbel abgeliefert und dabei gerufen:
„Finis regni Poloniae.“ („Ende des Königreichs Polen.“)
Später leugnete Kościuszko dies allerdings.
Fiscus
(Fiscus bedeutete ursprünglich „geflochtener Korb“.)
Fiscus non erubescit.
„Der Fiskus errötet nicht.“ – Der Fiskus treibt nämlich überall seine Steuern ein. Steuern aus anrüchigen Einnahmen sind ihm laut Cicero nicht weniger willkommen. Auch die sittenwidrige Prostitution und strafbare Einkünfte werden besteuert.
Vergleiche auch Pecunia non olet.
Fiscus semper solvendo est.
„Der Fiskus ist immer zahlungsfähig“ – Dieser Satz ist eine Maxime des Römischen Rechts. Bedeutung: Der Staat muss keine Sicherheit leisten, er kann keinem Konkurs anheimfallen.
Fixa
fixa vincta
„Niet- und nagelfest“ – alles, was an einem Gebäude vom Schlosser mit Eisen befestigt ist, ausgenommen dem, was der Hauswirt selbst befestigt hat.
Flagellum

Flagellum dei
„Geißel Gottes“ – Bezeichnung für Attila den Hunnen
Flagror
Flagror, non consumor.
„Ich werde gebrannt, aber ich verbrenne nicht.“ – Devise der Hugenotten
Flectere
Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo.
„Wenn ich die Oberen [sc. die Götter des Himmels] nicht beugen kann, werde ich [die Götter] der Unterwelt bewegen.“ – Zitat aus der Aeneis des Dichters Vergil (7,312).
- „Rühr ich die Himmlischen nicht, will Acherons Flut ich empören.“ (Übersetzung nach Wilhelm Hertzberg, 1859, bearbeitet von E. Gottwein.)[11]
- „Bleiben die Oberen mir unbewegt, in den Acheron stürm’ ich!“ (Johann Heinrich Voß, 1875.)[12]
- „Wenn ich die Himmlischen nicht bewegen kann, dann versetze ich die Unterwelt in Aufruhr!“ (Gerhard Fink, 2005)
Bei Vergil sucht die Göttin Juno, ebenso rachsüchtige wie ohnmächtige Widersacherin des Aeneas, in ihrer Klagerede Beistand bei den Mächten der Unterwelt und ruft die Furie Allecto an. Acheron ist eigentlich der Name eines Flusses in der Unterwelt und steht metonymisch für diese.
Sigmund Freud setzte dieses Zitat als Motto vor seine 1899 erschienene Traumdeutung. Der Acheron steht in Freuds Zitierung für das Unbewusstsein, das sozusagen unter dem Ich „liegt“.
Flectus
Flectus, non fractus
„gebeugt, nicht gebrochen“ – häufig als Grabinschrift verwendeter Spruch
Flet
Flet victus, victor interiit.
„Der Besiegte weint, [aber] der Sieger ist zu Grunde gegangen.“
Ein in diesem Wortlaut von Erasmus von Rotterdam ins Lateinische übersetzter griechischer Vers.
Floreat
Floreat.
„Es möge blühen!“
Vollständig: Vivat, crescat, floreat!
Flos
flos campi
„Blume des Feldes“ – In der Vulgata (siehe Hoheslied 2,1 VUL) Bezeichnung für die in Dichtung und Musik häufig erwähnte Rose von Scharon.
Fluctuat

Fluctuat nec mergitur.
„Sie schwankt, aber geht nicht unter.“
Seit dem 24. November 1853 Wappenspruch der Stadt Paris, ursprünglich der Pariser Handelsschiffer.[13]
Ebenso ist diese Sentenz das Motto von Albert Messiahs Lehrbuch über Quantenmechanik.
Fluctus
Fluctus ad litora urgent.
„Die Flut drängt an die Küsten.“
Fluctus excitare in simpulo
„eine Flut in einem Tongefäß erregen“
Vergleiche die deutsche Redewendung „Sturm im Wasserglas“.
Foetor
foetor ex ore
„Übelgeruch aus dem Mund“ – medizinischer Fachterminus für Mundgeruch
Folia/Folio

Folia ficus
„Feigenblatt“ – das Blatt des Feigenbaums dient in der Vorstellungswelt des Alten Testaments der Überwindung des Schamgefühls, indem es die eigene Blöße bedeckt.[14]
Folio
„Auf dem Blatt“ – Abkürzung „f.“, bei alten Texten noch heute üblich anstelle einer Seitenangabe: f. 26r (sprich: folio 26 recto) meint „Blatt 26, Vorderseite“, f. 26v (folio 26 verso) meint „Blatt 26, Rückseite“.
Bezeichnet auch ein altes Buchformat.
Fons/Fontes
Fons et origo
„Quelle und Ursprung“
Fontes ipsi sitiunt.
„Selbst die Quellen dürsten.“
Bei einer großen Dürre. In diesem Fall aber schreibt Marcus Tullius Cicero an seinen Bruder (Ad Quintum fratrem 3,1,11), dass gerade auch seine eigene schriftstellerische Ader vertrocknet sei.
Formica/Formicae
Formica vobis exemplo sit.
„Die Ameise soll euch ein Vorbild sein.“
Formicae semitam canere
„den Weg der Ameise beschreiben“ – Etwas bis ins kleinste Detail schildern
Formosa
Formosa facies muta commendatio est.
„Ein schönes Gesicht ist eine stumme Empfehlung.“ – Zitat aus den Werken des Dichters Publilius Syrus.
Forsan
Fortes/Fortis/Fortiter
Fortes fortuna adiuvat.
„Den Tüchtigen hilft das Glück.“ – „Das Glück ist mit den Tüchtigen.“
Dieses lateinische Sprichwort wird der altlateinischen Form „Fortis fortuna adiuvat“ von Terenz in der Komödie Phormio (1,4,203) verwendet, später ebenso zweimal von Livius, und von Cicero in Tusculanae disputationes (2,4,11) als altes Sprichwort bezeichnet.
Zurückgehen soll es auf den griechischen Dichter Simonides von Keos, wie Claudianus in seiner Epistola ad Probinum (4,9) anführt.
Für weitere Varianten siehe „Audentes fortuna iuvat“ und „Audaces fortuna iuvat.“
Fortis cadere, cedere non potest.
„Der Tapfere kann fallen, weichen nicht.“ – Römisches Sprichwort.

Fortis est veritas
„Die Wahrheit ist stark.“ – Motto der Stadt Oxford.
Fortiter in re, suaviter in modo
„Stark in der Sache, mild in der Art der Ausführung“[15] – dieses Motto des Jesuiten Claudio Acquaviva[16] wird auch als Suaviter in modo, fortiter in re zitiert.
Fortuna
Fortuna iuvat audacem.
„Das Glück hilft dem Wagemutigen.“ – Das Glück ist mit dem Tapferen.
Siehe auch Fortes fortuna adiuvat.
Fortuna utaris et prudentia.
„Setze dein Glück und deinen Verstand ein.“ – Spielformel von Sebastian Peetz auf den Roulette-Jetons der Spielbanken Niedersachsen.
Fortuna vitrea est, tum cum splendet, frangitur.
„Glück ist gläsern, dann wenn es glänzt, bricht es.“ – Zitat aus den Werken des Dichters Publilius Syrus.
Fortunato
Fortunato omne solum patria est.
„Dem Glücklichen ist jeder Boden Vaterland.“
Fuimus/Fuit
Fullones

Fullones ululamque cano, non arma virumque
„Wäscher besing’ und die Eul’ ich, nicht Waffen und nicht den Helden.“ – Inschrift in Pompeji.
Dies ist eine Parodie auf den ersten Vers von Vergils Epos Aeneis („Arma virumque cano“). Sie ist an der Außenwand des Hauses des M. Fabius Ululitremulus[17] an der Via dell’Abbondanza zu lesen. Die Illustrationen beim Eingang passen aber besser zum Aeneisvers. Auf der einen Seite neben der Tür zeigt ein Fresko die Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja, der seinen Vater auf den Schultern trägt und den Sohn Ascanius an der Hand führt – ein zeitloses Flüchtlingsschicksal -; auf der anderen Seite ist Romulus mit Spolienbeute abgebildet. Beide Bilder bilden miteinander eine Zusammenfassung der Aeneis.
Es sieht allerdings nicht so aus, als sei der Fullones-Vers ein im Vorbeigehen hingekritzelter Graffito. Fabius Ululitremulus war Eigner einer Wäscherei und gehörte damit einem angesehenen und wohlhabenden Berufsstand an. Es kann sich also, genauso gut wie um einen spöttischen Kommentar, um Werbung und Propaganda handeln. Und die Eule (lateinisch „ulula“)? Sie ist der Vogel der Minerva und diese Göttin ist auch Patronin der Wäscher und Tuchwalker. Dann ist der Fullones-Hexameter der Hinweis eines sich seiner Bedeutung und sozialen Stellung bewussten Unternehmers und, um die Spekulation weiterzutreiben, vielleicht sogar eine Anspielung auf den Gleichklang des Namens Ululitremulus mit dem des Minervavogels ulula. Dann wird man besser nicht von einer Parodie, sondern von einer Palinodie sprechen können.
Fulmen
Fulmen est, ubi cum potestate habitat iracundia.
„Ein Blitz entsteht, wo Macht im Jähzorn wohnt.“ – Zitat aus den Werken des Dichters Publilius Syrus.
Fulmen in clausula
„Blitz am Schluss“ – am Ende einer Rede
Furor
Furor fit laesa saepius patientia.
„Öfter verletzte Geduld wird Wut.“
Furor poeticus
„dichterische Begeisterung“
Furor principum
„Wahn der Fürsten“ – Cäsarenwahn
Furor Teutonicus
„teutonischer Schrecken“
Der Ausdruck wird meist dem römischen Dichter Lucan zugerechnet, in dessen Werk Bellum civile (auch bekannt als Pharsalia) er erstmals auftaucht. Er nahm damit Bezug auf einen vermeintlichen Charakterzug des germanischen Volkstammes der Teutonen.
Fur
Fur enim semper moram facere videtur.
„Ein Dieb ist offenbar immer im Verzug.“ – Ein Dieb muss nicht erst gemahnt werden, um zur Rückgabe verpflichtet zu sein. Er haftet vom Augenblick des Diebstahls für die an sich genommenen Dinge.
Kurzform: Fur semper in mora.
Furtum
Furtum domesticum
„Gesindediebstahl“ – ein Diebstahl, welcher vom Gesinde an dem Brotherrn verübt wird.
Furtumque non facies.
„Und du sollst nicht stehlen.“ – Siebtes Gebot.
