Festung Ozama

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Die Festung Ozama (spanisch Fortaleza de Santo Domingo oder Fortaleza Ozama) ist das älteste erhaltene militärische Bauwerk europäischer Herkunft auf dem amerikanischen Kontinent. Sie liegt am Eingang der Kolonialstadt Santo Domingo (Dominikanische Republik) an der Mündung des Río Ozama. Nach der Verlegung der von Bartolomeo Kolumbus gegründeten Siedlung auf die Westseite des Flusses stellte Gouverneur Nicolás de Ovando 1502 einen schachbrettartigen Stadtplan auf und ließ die Stadt durch Mauern und eine Burg sichern. Die Festung wurde zwischen 1502 und 1508 aus Korallenstein errichtet und 1990 zusammen mit der kolonialen Altstadt zum UNESCO‑Weltkulturerbe erklärt.[1] Heute beherbergt sie ein Museum und zählt zu den wichtigsten Touristenattraktionen der Dominikanischen Republik.

Hauptgebäude der Festung Ozama

Bau und Geschichte

Modell der gesamten Stadtmauern im Jahr 1785. Die Festung Ozama ist einer der erhaltenen Abschnitte.

Im Auftrag des spanischen Königs bauten Ovando und der Meisterbauer Gómez García de Varela ab 1502 eine Befestigung am rechten Ufer des Río Ozama, um die junge Kolonialstadt gegen Piraten zu sichern. Für den Bau wurden sorgfältig behauene Korallenblöcke verwendet, die von Taino und afrikanischen Sklaven an Land gebracht wurden. Die dicken Mauern, drei Meter an Land und ein Meter zum Fluss hin, sollten bei einer Explosion die Druckwelle nach außen ableiten. Nach der Fertigstellung 1508 galt die Festung als „Achse der Eroberung“, denn von hier brachen zahlreiche Expeditionen zur Erkundung Amerikas auf.[2]

Die Festung diente nicht nur militärischen Zwecken: Vizekönige wie Diego Kolumbus bewohnten die Anlage und auch Gefangene wurden zeitweise hier inhaftiert.[2] Später wechselte das Bauwerk mehrfach den Besitzer: Nach dem Abzug Spaniens 1795 übernahmen nacheinander Frankreich, Haiti und die Vereinigten Staaten das Kommando. Während der Diktatur Rafael Trujillos im 20. Jahrhundert wurde die Festung als zentrales Gefängnis genutzt, in dem Oppositionelle einsaßen und gefoltert wurden. Erst Ende der 1960er Jahre wurde der Militärbetrieb eingestellt, die Anlage restauriert und 1970 für die Öffentlichkeit freigegeben.[3]

Der Status als UNESCO‑Welterbe verpflichtet zu umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen. 2024 wurde die Festung im Rahmen des Revitalisierungsprogramms für die alte Kolonialstadt umfassend erneuert. Das dominikanische Kulturministerium installierte neue Energie‑ und Klimasysteme, gestaltete die Ausstellungen neu und konzipierte das Museum neu, sodass es die Rolle des Turms in der Landesgeschichte stärker hervorhebt. Präsident Luis Abinader betonte bei der Wiedereröffnung die Bedeutung für das nationale Kulturerbe.[4]

Anlage

Luftblick auf die Anlage

Die rechteckige Festung ist über das Tor Puerta de Carlos III zu betreten, dessen Türen 1787 aus importiertem afrikanischen Ebenholz gefertigt wurden. An ihnen zeugen Einschusslöcher vom US‑Militäreinsatz während des Dominikanischen Bürgerkriegs von 1965. Im Innenhof steht seit 1977 eine Bronzestatue des Chronisten Gonzalo Fernández de Oviedo der die Festung von 1533 bis 1557 als Gouverneur verwaltete.[5]

Das beherrschende Bauwerk ist die Torre del Homenaje („Turm des Huldigung“). Dieser 18 Meter hohe Turm wurde 1503 vollendet, hat zwei Meter dicke Wände und war im 16. Jahrhundert das höchste Gebäude der Neuen Welt. Von seiner Plattform aus überwachten Wachen den Schiffsverkehr auf dem Río Ozama. Im Inneren befinden sich ein kleiner Hof, ein Verlies für politische Gefangene und auf zwei Ebenen Wohnräume, die zeitweise der Familie Kolumbus als Residenz dienten. Die schmalen Ojos mágicos („magische Augen“) erlauben den Verteidigern, nach außen zu sehen, ohne selbst erkannt zu werden.[5]

Weitere Bauten sind das Polvorín de Santa Bárbara, ein 1787 errichtetes rechteckiges Arsenal mit drei Meter dicken Mauern und nur einem Türportal, das mit einer Figur der heiligen Barbara und dem Wappen des Ordens vom Goldenen Vlies geschmückt ist. Westlich davon liegen zwei Schießplattformen (1570 und 1650) für Kanonen, die das Hafengelände mit unterschiedlich hohen Feuerlinien deckten. Reste des Fuerte de Santiago von 1567 und das 1505 erbaute Wohnhaus Casa de Bastidas mit römischen Säulen und großem Patio geben Einblick in das Alltagsleben der kolonialen Besatzung.[5]

Die Festungsmauern bestehen aus Korallenstein und sind im Landesinneren drei Meter stark; die zum Fluss gerichtete Mauer ist nur ein Meter dick, damit Sprengstoffexplosionen nach außen abgeleitet werden. Während der Trujillo-Diktatur ließ Félix Benito eine höhere Außenmauer errichten, um die Festung vom neu angelegten Hafen zu trennen. Von den Wehrgängen bietet sich ein weiter Blick über den Río Ozama und die Kolonialstadt. Über die Straße Calle Las Damas ist das Bauwerk leicht zugänglich; seit der Restaurierung 2024 gewähren modern gestaltete Ausstellungsräume und audiovisuelle Installationen einen Einblick in mehr als 500 Jahre Geschichte der Festung.[5]

Galerie

Commons: Festung Ozama – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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