Feuer und Schierling
Buch von Diana Wynne Jones
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Feuer und Schierling ist ein Fantasy-Roman der britischen Autorin Diana Wynne Jones, der 1985 in den Vereinigten Staaten durch den Verlag Greenwillow Books publiziert wurde. 1992 erschien er auf Deutsch bei Beltz & Gelberg und wurde von Wolf Harranth übersetzt. Die Erzählung basiert größtenteils auf den angel-schottischen Balladen Tam Lin und Thomas der Reimer, vermischt allerdings Phantasie mit Wirklichkeit.
Inhalt
Während Polly Whittacker ihre Sachen für das College packt, erblickt sie in ihrem Schlafzimmer wieder ein altes Bild. Ihr fällt entgeistert auf, dass sie zwei unterschiedliche Erinnerungsstränge haben muss, in denen das Bild einmal sehr wichtig und einmal unwichtig gewesen ist. Doch diese ersten, aufregenderen Erinnerungen muss sie vor vier Jahren auf wundersame Weise vergessen haben.
Polly denkt zurück und bemerkt, dass alles vor zehn Jahren begann, als sie zum ersten Mal beim Spielen mit ihrer Freundin in das alte „Hunsdon Haus“ geriet. Damals lernte sie einen Mann namens Thomas Lynn kennen, der dort einer Testamentsvollstreckung beigewohnt hatte und ihr Freund wurde. Sie laufen durch den Garten, unterhalten sich und schließlich führt er sie wieder in die Villa, damit sie für ihn sechs Bilder aus einem Stapel aussucht, von dem laut Testament jeder Verbliebene ein paar mit nach Hause nehmen darf; eines davon ist eine Fotografie, unter der die Worte „Feuer und Schierling“ geschrieben stehen und auf der Menschen in einem Brand dargestellt werden. Polly darf es als Andenken behalten. Zum Abend hin führt Tom sie zurück zu ihrem Haus, in dem Pollys Großmutter lebt.
Über die folgenden Jahre werden Tom und Polly sehr gute, fast unzertrennliche Freunde und besuchen sich oft gegenseitig. Tom sendet Polly Bücher und Briefe mit Geschichten darin, die fast alle eine Bedeutung für sein weiterführendes Leben haben. Zusammen denken sich die zwei Abenteuer eines Helden namens Tan Coul und seines Assistenten Hero aus, die Mr. Lynns und Pollys Alter Egos darstellen. Allerdings werden die Geschichten alle früher oder später wahr: Die Freunde treffen ein wildes Pferd im Straßenverkehr von London an, nachdem sie über Tan Couls Reittier diskutiert haben.
Eine ausgedachte Stadt und ein dazugehöriger Eisenwaren-Laden werden im Verlauf der Geschichte echt, jedoch sind alle Bewohner das Gegenteil ihrer erfundenen Äquivalente. Erst viel später sollte Polly herausfinden, dass das eine zweifelhafte Gabe ist, die Mr. Lynn von seiner Ex-Frau Laurel erhalten hatte: Alles, was er sich ausdenkt, wird wahr und soll sich gegen ihn wenden. Tom gründet ein Streichquartett und die Musikanten werden in den Kreis der Helden aufgenommen als Tan Audel, Tan Thare und Tan Hanivar.
Währenddessen findet Polly mehr und mehr über die Familienmitglieder von Toms Ex-Frau Laurel heraus, die versuchen, sie zu bedrohen und von Tom fernzuhalten. Sie vermutet, Laurel würde eine Art Macht über die anderen ausüben; Tom aber will nicht darüber reden.
Polly wird langsam älter und der Zusammenhalt ihrer eigenen Familie gerät ins Wanken: Ihr Vater Reg verlässt sie, ein neuer Mitbewohner zieht ein und beginnt eine Beziehung mit Pollys Mutter Ivy. Als Ivy ihre Tochter zu Reg nach Bristol schickt, bemerkt sie schnell, dass sie auch dort nicht gewünscht ist. Hilflos stromert sie durch Bristol, ohne eine Unterkunft und ohne Geld, bis sie auf Toms Streichquartett trifft, das ihr eine Rückfahrkarte schenkt. Daheim in Middleton zieht sie bei ihrer Großmutter ein, die fortan einen starken Anker in ihrem Leben bildet.
An Pollys sechzehntem Geburtstag wird ihr klar, wie wichtig Tom für ihr Leben war. Doch als sie von ihm zurückgewiesen wird (einerseits aufgrund des Altersunterschiedes und andererseits aufgrund ihrer Sicherheit, wie sie später herausfindet), zieht sie los, um schlussendlich das Geheimnis um Laurel zu lösen.
Laurel bemerkt, dass Polly ihr gefährlich wird und lässt sie und alle ihre Bekannten vergessen, wer Thomas Lynn ist. Ihre Familie gehört nämlich zu den Feen und sie benötigt alle neun Jahre einen Mann, den sie heiraten und danach umbringen kann. Erst als das Buch beginnt, bemerkt Polly, dass ihre Erinnerungen überschrieben wurden. Sie zieht los und kommt gerade rechtzeitig zur Ermordung Toms. Durch einen Trick und ihr Pferd wendet sie den Tod auf eine andere Fee ab und wandert schließlich mit Tom, dem Streichquartett und einer Figur aus ihrer Fantasie zurück nach Hause zu ihrer Großmutter.[1]
Hauptfiguren
- Polly Whittacker ist die Protagonistin aus Middleton, dessen Lebensgeschichte erzählt wird. Sie wird von anderen als träumerisch bezeichnet und wuchs mit zwei Eltern auf, die sich wenig um sie kümmerten.
- Thomas Lynn ist für lange Zeit eng mit Polly befreundet, bis sie ihn vergisst. Er wurde Laurels Opfer und sollte von ihr umgebracht werden.
- Oma ist Pollys leicht strenge Großmutter väterlicherseits, mit der Polly ab einem Alter von zehn Jahren zu wohnen beginnt. Später zieht sie tatsächlich bei ihr ein. Oma besitzt eine Katze namens Schokominz, die Menschen aus Hunsdon House riechen kann.
- Laurel is die Antagonistenfigur und eine Art „Feenkönigin“. Sie zieht Männer in ihren Bann, heiratet sie und tötet sie neun Jahre später. Alle 90 Jahre gibt sie sich selbst eine neue Identität.
- Ivy ist Pollys wankelmütige Mutter. Sie ist oft eisig und wünscht sich "nur ein kleines, stilles Glück". Sie denkt, alle ihre Freunde würden sie hintergehen.
- Nina ist Pollys Kindheitsfreundin. In Pollys „überarbeiteten“ Erinnerungen kennen sie sich nur noch flüchtig und haben den Kontakt abgebrochen.
- Fiona Perks wird Pollys beste Freundin und Mitbewohnerin. Sie wurde bei der Auslöschung der Erinnerungen vergessen und erinnerte sich als einzige Bekannte Pollys an Tom.
Hauptthema
Feminismus – Die ursprüngliche „Tam Lin“-Geschichte erzählt von einer mutigen, jungen Frau namens Janet, die ihren Freund von den Feen errettet. Als Jones die Neuerzählung schrieb, wusste sie, dass sie eine „narrative Struktur brauchte, die nicht einfach eine weibliche Person an die Stelle einer sonst meist männlichen Person stellte“. In den Geschichten, die Tom und Polly sich ausdenken, ist Polly eine Heldin namens „Hero“, Tom Lynns Assistentin, die sich als Junge ausgeben muss.
Anspielungen auf andere Bücher
Feuer und Schierling spiegelt deutlich die altenglische Sage „Tam Lin“ wider, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts existiert. Diana Wynne Jones schrieb dazu, ihr Ziel war, „ein Buch zu schreiben, in dem das moderne Leben und heroische, mythische Aventiuren miteinander so dicht verschmelzen, dass man sie fast unmöglich wieder trennen kann.“ Das „Hunsdon House“, in dem die Beerdigung stattfand, soll Carterhaugh darstellen. Thomas Lynn ist eine Mischung aus Tam Lin und Thomas der Reimer, seine Ex-Frau Laurel stellt die Königin der Feen dar. Polly identifiziert sich im Buch einmal direkt mit Janet, nachdem sie das Oxford Buch der Balladen gelesen hat, und hofft, dass „sie nur halb so viel davon schaffen könnte, was Janet geschafft hatte“.
Verweise auf andere Bücher
Als Polly älter wird, schickt ihr Tom Lynn Bücher, von denen die meisten sie indirekt als geheime Botschaft über den Pakt mit Laurel aufklären sollen. An einem Punkt der Geschichte sagt Tom: „Nur bescheidene, schwache Denker können behaupten, dass Märchen Unsinn sind. Jede Geschichte hat ihre eigene, richtige Wahrheit, die du finden kannst, wenn du nach ihr suchst“.
Zu den Märchenbüchern gehören Der goldene Zweig[2], Östlich von der Sonne und westlich vom Mond[3] und Das Oxford Buch der Balladen[4] (in welchem Thomas der Reimer und Tam Lin beide enthalten sind). Weiterhin: Onkel Toms Hütte (Mr. Lynn wollte nicht Onkel Tom genannt werden und empfahl ihr das Buch)[5], Black Beauty (erinnert an Tom und Pollys Pferd, das sie an eine Farm verkaufen)[6], Sherlock Holmes (Polly empfand die Charaktere als unsymphatisch)[7], Der Krieg der Welten (erschien am Abend vor Halloween, dem Tag, an dem Laurels Männer umgebracht werden)[8], Die neununddreißig Stufen (eine Spionage-Geschichte)[9] und andere.
Nachdem Polly die Drei Musketiere von Alexandre Dumas gelesen hatte, nennt sie sich selbst in den Briefen an Tom Porthos, da das ihr Lieblingscharakter ist. Zwei weitere ihrer Pseudonyme sind "Pierrot" und "Polyphonic Hero-Assistance", beides Mischungen aus "Polly" und "Hero".
Publikation
Im Anschluss an die erste Publikation in den USA folgte 1985 die Veröffentlichung im Vereinigten Königreich durch Methuen Children's Books. Später wurde das Buch mehrere Male von verschiedenen Verlagen als Taschenbuch neu publiziert und auch ins Deutsche übersetzt.
Ausgaben (Auswahl):
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. Greenwillow, 1985. ISBN 978-0-688039424
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. Methuen, 1985. ISBN 0-416-50960-6.
- Diana Wynne Jones: Feuer und Schierling. Beltz, 2002. ISBN 978-3-407787422.
- Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock. (Taschenbuch) Firebird, 2012. ISBN 0-14242014X
Resonanz
Dave Langford rezensierte „Fire and Hemlock“ in White Dwarf und schrieb: „Dieses ambitionierte Buch ist fast schon zu kompliziert. Wenn die Handlung dann endlich richtig in Schwung kommt, wird der abrupte Wechsel von den vorherigen, gemächlichen Rätseln den Leser wahrscheinlich völlig überfordern und verwirren. Lesen Sie es mit Vorsicht.“[10]
Der Roman wurde bei der Verleihung des Phoenix Award im Jahr 2005 als Honor Book ausgezeichnet, während The Catalogue of the Universe von Margaret Mahy als Gewinner gekürt wurde.[11]
Literatur
- John Stephens, Robyn McCallum: Retelling Stories, Framing Culture: Traditional Story and Metanarratives in Children's Literature. Routledge, 1998. ISBN 978-0-815312987. S. 222, 224.
- Diana Wynne Jones: The heroic ideal – a personal Odyssey. In: The Lion and the Unicorn. Band 13, Nr. 1, Juni 1989, S. 129–140, doi:10.1353/uni.0.0435 (englisch).
Weblinks
- Jane: Introducing Two Sides BookBlogs: 1: Fire and Hemlock by Diana Wynne Jones. In: Two Sides BookBlog. 24. November 2007 (englisch).