Feuerschlucker (Buch)

Buch von David Almond From Wikipedia, the free encyclopedia

Feuerschlucker (englischer Originaltitel The Fire-Eaters) ist ein Jugendroman des britischen Schriftstellers David Almond, der im Jahr 2003 beim Verlag Hodder Children's Books veröffentlicht wurde.[1] Die deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Ulli und Herbert Günther erschien 2005 beim Carl Hanser Verlag.[2]

Inhalt

Der elfjährige Bobby Burns wohnt im Jahr 1962 mit seinen Eltern in einem nordenglischen Kaff namens Keely Bay direkt am Meer. Der Vater ist Werftarbeiter, die Mutter Hausfrau. Der Sommer ist fast vorüber und der Junge steht kurz davor, an eine höhere Schule in der Stadt zu wechseln.

Doch noch sind Ferien, und so fährt Bobby mit seiner Mutter an einem Sonntag mit dem Bus in das nahegelegene Newcastle, wo sie inmitten einer Menschenmenge auf einen kleinen Mann mit wirrem Blick und nacktem Oberkörper mit jeder Menge Tätowierungen treffen. Der Mann heißt McNulty, ist Feuerschlucker und Entfesselungskünstler und wählt Bobby als seinen Assistenten für ein Kunststück mit einem Spieß, den er quer durch seine Wangen sticht. Wie sich zu Hause herausstellt, kennt Bobbys Vater McNulty von seiner Zeit als Soldat im Krieg in Burma. Laut seinem Vater sei diesem damals der Krieg zu viel geworden und McNulty sei bei der gemeinsamen Heimreise vom Krieg bereits ein menschliches Wrack gewesen.

Zu Bobbys Freunden zählen Joseph Conner, ein etwas älterer Junge, und Ailsa Spink, die Tochter eines Kohlenhändlers, der zusammen mit seinen Söhnen von nahegelegenen Zechen angeschwemmte Kohle aus dem Meer holt. Und auch mit Daniel Gower, einem Jungen, der eben erst mit seinen Eltern nach Keely Bay gezogen ist und der zusammen mit Bobby auf die neue Schule geht, freundet er sich bald darauf an. In der Schule wird jedes kleinste Vergehen sofort mit Riemenschlägen geahndet. Insbesondere ein Lehrer namens Mr. Todd tut sich dabei mit brutaler Härte hervor.

Doch mehr Sorgen bereitet Bobby die plötzliche Erkrankung seines Vaters, der von starken Hustenanfällen geplagt wird und immer wieder nach Atem ringt. Gemeinsam mit Ailsa betet Bobby zu Gott und bittet ihn, seinen Vater wieder gesund zu machen. Außerdem fügt er sich mit einer Stecknadel Schmerzen zu, in der Meinung, seinem Vater mit dieser Geste helfen zu können.

Daniels Vater, der für die Universität in Newcastle an einem Bildband arbeitet und daher ständig mit einer Kamera unterwegs ist, fotografiert Mr. Todd, als dieser gerade mit seinem Riemen ausholt, um einen Schüler zu züchtigen. Daniel verbreitet daraufhin heimlich Abzüge des Fotos in der ganzen Schule. Bobby schließt sich ihm an und zuletzt verheimlichen sie ihre Verteilaktionen nicht mehr und werden auf frischer Tat ertappt. Die beiden werden von der Schule suspendiert.

Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass sich Bobbys Vater lediglich einen harmlosen Bazillus eingefangen hat. Diese eine Sorge ist Bobby also los, doch dann ist da noch die Kubakrise, die sich gerade zuspitzt und die Welt an den Rand einer nuklearen Katastrophe bringt. Niemand weiß, ob es noch einen nächsten Tag geben wird, und so versammeln sich die Leute von Keely Bay am Strand, um dort gemeinsam einen vielleicht letzten Abend mit Lagerfeuer und Essen zu verbringen. Auch McNulty, der in der Zwischenzeit in eine leerstehende Hütte inmitten der Sanddünen gezogen ist, wird zu dem gemeinsamen Picknick eingeladen. Kurz darauf gibt er nochmals eine letzte Vorstellung als Feuerschlucker, bei der er allerdings verstirbt.

Die Katastrophe zwischen den USA und der Sowjetunion konnte bekanntlich in letzter Minute noch abgewendet werden. Für Bobby kommt es einem Wunder gleich, dass niemand auf den Knopf zum Abschuss der Raketen gedrückt hat. Und noch ein kleines Wunder erleben Bobby und Ailsa ein paar Tage später: Ein von dem Mädchen aufgezogenes Hirschkalb ist mittlerweile so zu Kräften gekommen, dass es sich einem in der Nähe äsenden Hirschpaar anschließen kann.

Rezeption

Nicholas Tucker schreibt in seiner Buchrezension: „Almond ist ein visionärer Schriftsteller und kann sich an seine eigene Kindheit noch sehr gut erinnern. Der Autor preisgekrönter Romane wie Zeit des Mondes und Zwischen gestern und morgen schreibt häufig über die am Rande Stehenden, die Kranken und Verlorenen. All seine Figuren tragen unverkennbar realistische Züge, sogar der rätselhafte McNulty, der Almonds Erinnerungen an einen Entfesselungskünstler auf dem Jahrmarkt nachempfunden ist. Feuerschlucker geht der Natur von Klassenunterschieden und den Ängsten eines Jugendlichen auf empfindsame Weise nach. Ein wunderbarer Roman, mal poetisch, mal nüchtern-sachlich.“[1] In der Jurybegründung für die Nominierung zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 heißt es: „Der Abschied von der Kindheit konfrontiert den reflektierenden Ich-Erzähler mit ganz neuen Gefühlswelten, die seinen Blick auf das Leben, auf seine Eltern und Freunde verändern. David Almond erzählt davon ruhig, doch spannungsgeladen in einer poetisch dichten, von Ulli und Herbert Günther feinfühlig übertragenen Sprache, modulierend, expressiv, verzögernd.“[3] Die britische Tageszeitung The Times urteilt: „Ein wunderschöner und brillanter Roman. Es gibt wirklich niemanden, der Almond das Wasser reichen kann.“[4]

Auszeichnungen

Der Roman wurde 2003 mit einem Whitbread Award sowie dem Smarties Gold Award ausgezeichnet.[2][5] 2006 erhielt Almond für Feuerschlucker den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.[6]

Referenzen

Feuerschlucker ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.[1]

Ausgaben

  • The Fire-Eaters. Hodder Children's Books, UK 2003 (englisch).
  • Feuerschlucker. Carl Hanser Verlag, München / Wien 2005, ISBN 3-446-20601-9.

Einzelnachweise

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