Fiat 15
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Fiat 15 war ein leichter Lastkraftwagen, der von Fiat Veicoli Industriali in verschiedenen Varianten von 1911 bis 1922 hergestellt wurde. Er gehört zu den meistgebauten Lkw-Typen seiner Zeit.
| Fiat 15 | |
|---|---|
| Basisinformation | |
| Hersteller | Fiat Veicoli Industriali |
| Modell | Fiat 15 ter |
| Produktionszeit | 1911–1922 |
| Fahrzeugklasse | leichter LKW |
| Varianten | Fiat 15, Fiat 15 bis, Fiat 15 ter |
| Karosseriebauform | Pritsche, Kasten, Feuerwehr, Bus etc. |
| Vorgängermodell | keiner |
| Nachfolgemodell | SPA 25C |
| Technische Daten[1] | |
| Eigengewicht | 2120 kg |
| Nutzlast | 1500 kg |
| Gesamtgewicht | 3620 kg |
| Länge | 4750 mm |
| Breite | 1740 mm |
| Höhe | 2700 mm |
| Radstand | 3070 mm |
| Spurweite | vorne 1400, hinten 1420 mm |
| Wendekreis | 12 m |
| Motor | Vierzylinder-Ottomotor |
| Bohrung × Hub | 100 × 140 mm |
| Hubraum | 4398 cm³ |
| Drehmoment | 1600 |
| Leistung | 40 PS (zivil), 36 PS (mil.) |
| Geschwindigkeit | 30 km/h, kurzzeitig 50 km/h |
| Kraftstoffvorrat | 80 l |
| Getriebe | 4 Gänge + R |
| Antriebsformel | 4 × 2 |
| Reifengröße | 880 × 120 Vollgummi |
Geschichte
Fiat 15

Das Ausgangsmodell Fiat 15 ist im einschlägigen Schrifttum kaum erwähnt. Sein Konstrukteur soll Carlo Cavalli gewesen sein, der den Typ im Jahr 1911 als leichten Lkw mit einer Tonne Nutzlast konstruierte. Der Motor entstammte dem seit 1909 gebauten Pkw-Modell Brevetti Fiat 15/25 HP Tipo 2: Vierzylinder, Bohrung × Hub 90 × 120 mm, Hubraum 3052 cm³, 20–25 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des Fiat 15 lag bei 35 km/h. Als Besonderheit wird erwähnt, dass das Benzin aus dem Tank mittels Kraftstoffpumpe und nicht mehr mittels Schwerkraft (Fallbenzin) zum Vergaser befördert wurde. Möglicherweise blieb der Wagen ein Unikat.[A 1]
Fiat 15 bis
Im Italienisch-Türkischen Krieg stellte sich für die Italiener das Problem heraus, in Libyen, dessen Größe damals auf 1.100.000 km² mit 723.000 Einwohnern geschätzt wurde,[2][A 2] die dort eingesetzten Truppen mit Nachschub zu versorgen. Unmittelbar an der Küste war dies über zahlreiche (wenn auch meist kleinere) Häfen durchaus möglich, nicht indessen über hunderte Kilometer im Landesinnern ohne jegliche Eisenbahnlinien, zumal das Land vielfach noch völlig unerforscht war und kaum Karten vorlagen, aus denen geographische Hindernisse (Sand, Gebirge, Flussläufe) und deren Ausmaß ersichtlich waren. Um den Nachschub sicherzustellen, wurden vor allem leichte Lkw benötigt, die in der Lage waren, die bestenfalls vorhandenen Karawanenwege zu benutzen.
Dementsprechend entwickelte Fiat 1911 eine als Fiat 15 bis bezeichnete Variante speziell für Militärdienst, die sich hauptsächlich durch eine höhere Nutzlast (bis 1,5 Tonnen) und ein dementsprechend erhöhtes Gewicht eines robusteren Fahrgestells von ihrem Vorgänger unterschied. Der Dreiliter-Motor mit 20 PS wurde beibehalten. Landläufig wurde diese Variante in der italienischen Armee auch als „Tipo Libya“ bezeichnet. Für die italienische Armee wurden folgende Mengen bestellt, wobei das Fahrzeug nicht als „Fiat 15 bis“, sondern als „Fiat XV ter modello 1911“ bzw. „modello 1912“ bezeichnet wird:
- September 1911: 6 Fiat XV ter 1911
- Februar 1912: 60 Fiat XV ter 1911
- Februar – November 1912: 237 Fiat XV ter 1912
- Zusammen also 303 Stück.[3] Diese Stückzahlen erscheinen uns heute als recht unbedeutende Mengen, waren zur damaligen Zeit jedoch (als das Militär Kraftfahrzeuge in Einzelstücken, bestenfalls in ein oder zwei Dutzend Exemplaren zu Testzwecken bestellte) ganz enorme und in keinem anderen Staat der Erde beschaffte Mengen und zeigen, welchen Aufwand Italien betrieb, um seine neu erworbene Kolonie Libyen unter seine Kontrolle zu bringen und den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu ersticken.
Fiat 15 ter
Um die Jahreswende 1913/14 wurde der Fiat 15 bis durch den Fiat 15 ter[A 3] in der Produktion abgelöst. Diese Variante erhielt einen stärkeren Motor des Typs 53A: 4 Zylinder, Bohrung × Hub 100 × 140 mm, 4398 cm³ Hubraum, 40 PS, in der Militärversion auf 36 PS gedrosselt.
Das Fahrgestell des zivilen Lastkraftwagens wurde neben den unzähligen Sonderausstattungen der zahlreichen Karosseriewerkstätten auch für den Bau von Bussen und Löschfahrzeugen für die Bürgerfeuerwehr verwendet.
Üblicherweise waren die an das Militär ausgelieferten Fiat 15 ter solche mit Pritsche und Plane. Daneben gab es folgende Aufbau-Varianten:
- Sanitätskraftwagen: Schon vom Fiat 15 bis gab es Sanitätskraftwagen mit hölzernem Kastenaufbau statt offener Ladefläche.[4] Die auf Fahrgestell des Fiat 15 ter hatten den üblichen Radstand von 3,07 m, waren jedoch aufgrund des längeren Kastenaufbaues fast 5 m lang.[5] Die an das italienische Rote Kreuz gelieferten Fahrzeuge hatten statt des Kastenaufbaus eine Pritsche mit besonders hoch aufgezogener Plane, sodass vier liegende Verwundete transportiert werden konnten.[6]
- Scheinwerfer-Kraftwagen („stazione fotoelettriche“): Auf dem verlängerten Fahrgestell (Radstand 3,315 m)wurde ein Scheinwerfer mit 90 cm Durchmesser montiert, der Motor diente auch als Generator für den benötigten Strom. Das Fahrgestell, normalerweise 4,545 m lang, maß jetzt 4,69 m, der Platzbedarf auf der Ladefläche betrug 4,89 × 1,78 × 2,70 m. 1915 entstanden von dieser Variante 105 Stück.[7]
- Werkstattwagen („autofficina“): Auf der Ladepritsche waren zahlreiche Werkmaschinen montiert, um andere Fahrzeuge bei Bedarf instandsetzen zu können.[8]
- Einige Fahrzeuge erhielten einen Aufbau, mit dem Seilbahnen betrieben werden konnten.[9]
- Weitere waren als Löschfahrzeuge mit großem Wassertank oder einer Drehleiter ausgerüstet.[9]
- Funkwagen: Diese Fahrzeuge erhielten einen hölzernen Kofferaufbau und waren mit diversen Funkgeräten und -antennen ausgerüstet.[10]
- Als „autotipolitografico“ hatten die Fahrzeuge einen Kofferaufbau mit großen Fenstern und Druckmaschinen[11].
Technik
Der Lkw war auf beiden Achsen mit Holzspeichenrädern ausgestattet, wobei die Hinterachse doppelt bereift war. Beim Fiat 15 ter waren die Räder aus Stahlblech. In den 1930er Jahren wurden die Vollgummireifen meist durch pneumatische ersetzt. Der wassergekühlte Motor lag bei allen Varianten vorne. Beim Fiat 15 ter lag die maximale Steigfähigkeit bei 16 %. Die Bodenfreiheit betrug 27 cm.[12] Für die übrigen technischen Daten wird auf die Infobox verwiesen.
Militärische Nutzung
Der Fiat 15 und seine Derivate wurden insbesondere von der italienischen Armee eingesetzt. Daneben wurden vom Fiat 15 ter etliche Fahrzeuge an die französischen, englischen und russischen Streitkräfte sowie an die USA geliefert; im Rahmen der Zwölften Isonzoschlacht dürften auch etliche Fahrzeuge von den österreichisch-ungarischen Streitkräften erbeutet worden sein. In Russland wurden die gelieferten Einzelteile im AMO-Werk in Moskau montiert. Später diente dieser Lkw als Basis für das Modell AMO-F-15.[13][14]
Italien
Das mit Deutschland und Österreich verbündete Italien blieb bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst neutral und trat erst im Mai 1915 – jetzt auf alliierter Seite – in den Krieg ein. Diese Zeit nutzten die Italiener: Sie erkannten, dass der Krieg lange dauern werde, und das Kraftfahrzeug eine bedeutende Rolle spielen werde. Infolgedessen musste der Ausstoß vor allem an Lastkraftwagen deutlich erhöht werden, und es durften die Arbeiter in den Kraftfahrzeugfabriken nicht zum Militär einberufen werden. So lieferte Fiat an das italienische Heer von August 1914 bis Mai 1915 insgesamt 360 Fiat 15 ter, davon 106 Sanitätsfahrzeuge und 30 Scheinwerferwagen[15]. Der Fiat 15 ter wurde während des ganzen Krieges weiter für das italienische Heer (und die alliierten Streitkräfte) produziert. Vor allem im Gebirgskrieg, aber auch im Kampf gegen Aufständische in Libyen bewährte sich das relativ leichte Fahrzeug. Am 1. Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, verfügte die italienische Armee über 8206 Stück, davon 710 Sanitätswagen.[16]
Als 1919 die italienische Armee auf Friedensfuß reduziert wurde, dürften etliche nicht mehr benötigte Fiat 15 ter versteigert worden sein: Ein Verfahren, dass seit Jahrhunderten nach Friedensschluss allenthalben üblich war. Insbesondere aber in den italienischen Kolonien (in erster Linie Libyen, aber auch Eritrea und Italienisch-Somaliland) blieben die Fiat 15 ter weiterhin im Dienst des Militärs für allgemeine Transportaufgaben. Daneben wurde der Lkw bis 1922 weitergebaut, jetzt vor allem für den zivilen Markt. Im Mutterland wurde der Fiat 15 ter ab 1925 durch den moderneren SPA 25C in der italienischen Armee abgelöst, in den Kolonien blieb das offenbar als unverwüstlich geltende Fahrzeug aber weiterhin bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges im Dienst der italienischen Armee[17]. In den 1930er Jahren wurden allerdings allenthalben die Vollgummireifen durch neue Druckluftbereifung ersetzt.
Frankreich
Nach einer nicht genannten Quelle soll Frankreich 500 Fiat 15 ter im Dezember 1914 und weitere 600 Stück im Januar 1915 bestellt haben. Am 30. Juni 1915 seien 635 Stück im Dienst der französischen Streitkräfte gewesen, am 31. Mai 1918 habe die Zahl 839 Stück im Dienst der französischen Fliegerstreitkräfte betragen. Nach einer anderen Quelle erfolgte die erste französische Bestellung von Fiat 15 ter (über 304 Chassis) im Jahr 1915, bis 1918 wurden über 1000 Stück geliefert. Die Lieferungen blieben aber immer hinter dem Bedarf der französischen Streitkräfte zurück, was insbesondere für das Jahr 1918 galt, als die USA bei Fiat 4000 Stück bestellten, die vorrangig zu liefern waren.[18]
Großbritannien
Zu Ende des Ersten Weltkrieges dienten 386 Fiat 15 ter in britischen Streitkräften: 294 in Italien, 54 in Saloniki/Balkan, 37 in Mesopotamien und einer in Russland.[19] Andere Quellen erwähnen nur die 294 in Italien eingesetzten Fahrzeuge.[20] Auffällig ist, dass ihr Einsatz ausschließlich an Nebenkriegsschauplätzen erfolgte und nicht am Hauptkriegsschauplatz in Frankreich. Offenbar setzte man in Frankreich die vertrauten britischen und amerikanischen Typen ein, während man im Bereich des Mittelmeeres und des Nahen Ostens wegen der kürzeren Transportwege auch italienisches Material nicht verschmähte. Das eine Exemplar auf dem russischen Kriegsschauplatz dürfte aus einer Lieferung an Russland stammen, das die Engländer bzw. die Nördliche Armee in Nordrussland 1918 erbeuteten.
Russland
An Frankreich, Großbritannien und Russland zusammen sollen 20.000 Fiat 15 ter geliefert worden sein[21]: Britische Truppen hatten Ende 1918 knapp 400 Fiat 15 ter im Dienst. Die Franzosen erhielten etwa 1100 Stück, demnach bleiben für Russland 18.400 Stück übrig. Diese Zahl dürfte allerdings erheblich zu hoch gegriffen sein. Fiat 15 ter eigneten sich für die russischen Straßenverhältnisse (ähnlich wie für Libyen) besonders, weil es leichte Lkw waren.
Von den an Rußland geieferten Fiat 15 ter erfolgten etliche in Teilen; das AMO-Werk in Moskau montierte daraus 432 Stück 1917, 779 Stück 1918 und 108 Stück 1919, zusammen also 1319 Stück. Weitere mögen komplett zusammengebaut geliefert worden sein, wobei als Ausladeorte lediglich Murmansk und (in den Sommermonaten) Archangelsk in Betracht kommen – die Ostsee- und Schwarzmeerhäfen waren durch Deutschland bzw. die Türkei für Schiffe der Entente versperrt, und Wladiwostok war zu weit entfernt. Als die Briten zur Bekämpfung der russischen Revolutionstruppen 1918 in Murmansk und Archangelsk landeten, fanden sie etliche von der Entente gelieferte Flugzeuge und sonstiges Kriegsmaterial vor, das bislang von den Russen noch nicht über die nur eingleisigen Bahnen abtransportiert worden war: Ob sich hierunter auch Fiat 15 ter befanden, ist nicht überliefert.
Das AMO-Werk war ab 1919/20 vor allem mit der Reparatur der noch zahlreich vorhandenen Fiat 15 ter beschäftigt, um ab 1924 bis 1931 den Typ unter der Bezeichnung AMO-F-15 in über 6000 Stück nachzubauen.
USA
Die USA bestellten 4000 Fiat 15 ter nach ihrem Kriegseintritt im April 1917[18], von denen bis Kriegsende 200 geliefert wurden.[21] Interessanterweise wird jedoch dieses Typs in der einschlägigen US-amerikanischen Literatur[22] nirgends Erwähnung getan, sodass zu schließen ist: Diese 200 Stück wurden entweder zwar gefertigt und zur Abnahme bereitgestellt, aber wegen des mittlerweile erfolgten Kriegsendes nicht mehr abgenommen, oder sie wurden von den zuständigen US-amerikanischen Dienststellen zwar abgenommen, aber nicht mehr an die Truppe ausgegeben. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die 200 Stück erst im Dezember 1918 geliefert wurden[21], als der Erste Weltkrieg bereits beendet war und die Amerikaner unter Zurücklassung (bzw. teilweiser Vernichtung) etlichen Kriegsmaterials Europa wieder verließen.
Österreich-Ungarn
Soweit italienische Kraftfahrzeuge in den Heeren Österreich-Ungarns verwendet wurden, stammten sie aus Kriegsbeute. Der Krieg Österreich-Ungarns gegen Italien war bis Ende Oktober 1917 im Wesentlichen ein Stellungskrieg, bei dem kaum ohnehin nur im rückwärtigen Frontbereich eingesetzte Kraftfahrzeuge erbeutet wurden. Erst in der Zwölften Isonzoschlacht wurden nach Durchbruch durch die italienische Front auch zahlreiche Kraftfahrzeuge erbeutet; die Erfassung, Bergung und Sichtung/Reparatur des erbeuteten Materials zog sich allerdings bis zum Februar/März 1918 hin. Aus erbeuteten Kraftfahrzeugen wurden schließlich ab März 1918 insgesamt zwölf Kraftfahrkolonnen aufgestellt[23], wobei eine Kraftfahrkolonne 20 Lkw umfasste. Anhand der für Ende 1918 überlieferten Zahlen waren etwa 30 % der Lkw der italienischen Armee vom Typ Fiat 15 ter, etwa 30 % der im Oktober/November 1917 erbeuteten Fahrzeuge dürften daher ebenfalls dieses Typs gewesen sein. Weitere Fiat 15 ter könnten im Rahmen der Besetzung der Ukraine ab März 1918 erbeutet worden sein. Der Beuteumfang dort umfasste rund 2200 Lkw, die nach einer Vereinbarung zu drei Fünfteln an Österreich-Ungarn, zu zwei Fünfteln an die Ukraine gingen. Allerdings sollen bei dieser Gelegenheit vor allem US-amerikanische Lkw (also im Wesentlichen wohl White TBC und White TAD, vielleicht auch Jeffery Quad) erbeutet worden sein.[24]
Panzerwagen
Im Sommer 1912 entstanden auf dem Fahrgestell des Fiat 15 bis zwei überpanzerte Fahrzeuge: Der Aufbau wurde mit genieteten Panzerplatten versehen, auf dem Dach wurde ein um 360 Grad drehbarer Geschützturm aufgesetzt, in dem ein Maschinengewehr mit Kaliber 6,5 mm (damaliges Standard-Kaliber der italienischen Infanterie) untergebracht war. Die Besatzung bestand aus drei Mann, darunter der Kommandant des Fahrzeugs. Die Fahrzeuge wurden nach Libyen gebracht und standen dort auch nach Ende des Italienisch-Türkischen Krieges noch lange Zeit in Dienst, zumal die Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung in Libyen mit dem Frieden von Ouchy im Oktober 1912 nicht endeten, sondern bis Ende der 1920er Jahre andauerten. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde der Turm der Panzerwagen durch einen solchen mit schrägen Panzerplatten ersetzt. Unklar ist, ob hierbei die Bewaffnung verdoppelt wurde, wie eine Quelle behauptet.[25]
Ab Mitte 1918 wurde eine weitere kleine Anzahl Panzerwagen – jetzt auf dem Fahrgestell des Fiat 15 ter – ausgeliefert: Insgesamt handelte es sich um mindestens zwölf Stück. Sie hatten eine Besatzung von vier Mann: Kommandant, Fahrer, MG-Schütze und Mechaniker/Munitionsschütze. Auf dem Dach des zentralen Fahrerhauses war ein um 360 Grad drehbarer Turm installiert, in dem ein MG (jetzt vom Typ Fiat–Revelli Modello 1914) mit 8000 Schuss untergebracht war. Auch diese Fahrzeuge wurden nach Libyen verschifft, um im Kampf gegen Aufständische zu dienen. Sie bildeten dort zunächst eine Squadriglia zu 12 Fahrzeugen und taten in den Jahren 1920 bis 1940 ihren Dienst.[26] Nach anderer Quelle soll der Turm drei MG des Typs Schwarzlose M7/12 aufgewiesen haben: Dies kann indessen nicht stimmen, da die österreichisch-ungarischen Schwarzlose-MG erst ab 1919 den Italienern zur Verfügung standen: Nachdem sich die österreichisch-ungarische Armree im Oktober 1918 quasi aufgelöst hatte, konnten die Italiener österreichische Waffen (darunter auch MG 07 Schwarzlose) im Winter 1918/19 an allen Fronten als Kriegsbeute kurzerhand einsammeln und anschließend eigenen Beständen hinzufügen: Eine Ausstattung mit Schwarzlose-MG war daher 1918 noch nicht möglich, sondern frühestens ab 1919 nach Sichtung und Erprobung der Beute. Außerdem zeigen vorhandene Abbildungen das Fahrzeug stets nur mit einem MG bewaffnet.[27]
Um ca. 1930 – mittlerweile wurden diese Panzerwagen inoffiziell im italienischen Heer als „Fiat tipo Libya“ bezeichnet – wurden die Formationen in Libyen umgegliedert und die Panzerwagen auf mehrere Squadriglie verteilt: Jede Squadriglia umfasste jetzt acht Offiziere, zehn Unteroffiziere und 100 Mannschaften und hatte an Kraftfahrzeugen drei Panzerwagen Fiat, vier gepanzerte Lkw und 23 (ungepanzerte) Transport-Lkw. Die Squadriglie wurden 1940 mit dem ungepanzerten, aber erheblich moderneren 2,5-Tonnern des Typs Fiat-SPA 38R ausgerüstet, einige Fahrzeuge bildeten jedoch noch eine Panzerauto-Schwadron in einer Panzerbrigade, die im Februar 1941 bei der britischen Offensive in Libyen vernichtet wurde.[26]
Folgende technischen Daten des Panzerfahrzeugs sind überliefert:[28]
- Motor und Getriebe des Fiat 15 ter
- Gewicht 1400–1450 kg, Zuladung 1,4 Tonnen
- Länge × Breite 4,545 × 1,70 m
- Radstand 3,07 m
- Bodenfreiheit 27 cm
- 4 Vollgummireifen 880 × 120 oder 6 Stück 935 × 135 (Hinterachse doppelt bereift)
- Höchstgeschwindigkeit 40–45 km/h
- Max. Steigfähigkeit 15 %
- Wenderadius 7 m
Zumindest was Gewicht und Zuladung betrifft, dürften sich die Angaben allerdings auf den Fiat 15ter ohne Panzeraufbau beziehen.
Literatur
- Wolfgang Schmarbeck: Alle Fiat-Automobile, Personen- und Rennwagen 1899-1981. 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-459-X.
- Sergio Puttino: Storia illustrata del Camion Italiano. Fondazione Negri, Brescia 2008, S. 42–43.
- Carlo F.Zampini Salazar: Ottant' anni di camion FIAT. Gruppo Editoriale Forma, Turin 1983.
- Nicola Pignato, Filippo Cappellano: Gli autoveicoli tattici e logistice del R. Esercito Italiano fino al 1943, Tomo primo. Officio Storico SME, Rom 2005, ISBN 88-87940-46-0.
- Nicola Pignato, Filippo Cappellano: Gli autoveicoli da combattimento dell' Esercito Italiano, Volume primo. Officio Storico SME, Rom 2002, ISBN 88-87940-28-2.
- Vanderveen, Bart H.: The Observer's Army Vehicle Directory to 1940. Olyslager, London 1974, ISBN 0-7232-1540-5.
- François Vauvillier: Les camionettes bachées de l' armée française, in: Guerre, Blindes et Matériel (GBM) No.91. Histoire & Collections 2010, 2010, ISSN 1956-2497, S. 85.
- Giulio Benussi: Autocannoni, Autoblinde e veicoli speciali del Regio Esercito Italiano nella prima guerra mondiale. Intergest, Mailand 1973.
- Tim Gosling: British Military Trucks of World War One. Tankograd Publishing Jochen Vollert, 2014, ISBN 978-3-936519-37-2, S. 110.
- I. von Juraschek, Hermann R.v. Schullern zu Schrattenhofen, Hrsg.: Otto Hübner's statistische Tabellen aller Länder der Erde, Ausgabe 1913. 1913. Auflage. Heinrich Keller, Frankfurt a. M. 1913, S. 31.
