Finn Job
deutscher Schriftsteller
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Finn Job (geboren am 8. Mai 1995 in Hannover) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben
Finn Job wurde in Hannover geboren und wuchs in einer evangelikalen Familie auf. 2014 zog er nach Berlin, arbeitete als Barkeeper in verschiedenen Techno-Clubs und später als Kellner in der Joseph-Roth-Diele.[1] Nachdem er ohne Abschluss Deutsche Literatur, Philosophie, Komparatistik und Kunstgeschichte studierte, schrieb er Essays und Kurzgeschichten für deutschsprachige Zeitungen und Magazine.[2]
Seine Romane Hinterher (2022) und Damenschach (2024) erschienen im Verlag Klaus Wagenbach[3] und wurden mit der Alfred-Döblin-Medaille ausgezeichnet.[4] 2026 wurde er als junges Mitglied in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur aufgenommen.[5] Jobs dritter Roman Schädel erscheint im MÄRZ Verlag.[6]
In Interviews sprach Job mehrfach über das Verhältnis von Fiktion und Autofiktion und kritisierte die Autoren Annie Ernaux und Édouard Louis.[7][8] „Ich glaube, wenn man behauptet, die Figur zu sein, über die man gerade schreibt, gehört viel Charakterstärke dazu, diese Figur nicht in ein positiveres Licht zu rücken. Ich würde den meisten Leuten attestieren, dass sie ein bisschen borniert werden, wenn sie über sich schreiben.“[9]
Romane
Jobs erster Roman Hinterher wurde 2022 veröffentlicht und handelt von zwei jungen Männern, die von Berlin aus in die Normandie reisen, um dort an einem Kunstprojekt zu arbeiten. Neben eher kritischen Einlassungen zu Kultur und Gegenwart, werden die Themen Erinnerung, verlorene Liebe und Religion verhandelt.[10] Hinterher wurde positiv besprochen, unter anderem von der Zeit[11], der Presse[12] und im Deutschlandfunk[13]. Für die taz schrieb Michael Wolf: „Dieses Debüt gibt sich nicht mit der Schilderung einer jugendlichen Verlorenheit zufrieden, sondern spürt dessen Ursprüngen in der Geschichte nach.“[14]
Auch der zweite Roman, der 2024 unter dem Titel Damenschach erschien, wurde größtenteils positiv besprochen.[15][16][17][18][19] Das Figurenensemble streitet im Rahmen einer ausartenden Geburtstagsfeier über gesellschaftliche Reizthemen, darunter Varianten des Feminismus, aber auch Geopolitik, Postkolonialismus und die Frage nach der deutschen Schuld. Job gab an, dass ihn formal sowohl die antike Dramentheorie, als auch die Commedia-del-arte und Elemente der Screwball-Komödie inspiriert hätten.[20] In einem Essay für The German Quarterly deutete Russell Berman Damenschach als Fortschreibung von Shakespeares Komödie Was ihr wollt, deren Verwechslungsmotiv, Zwillingsstruktur und Spiel mit Geschlechtsidentitäten Job in eine identitätspolitisch aufgeladene Konstellation überführe.[21] Tobias Lentzler schrieb dazu in der Zeit: „Finn Job sprüht vor Einfällen in einem Roman, der die Gegenwart entlarvt.“[22] Anne-Catherine Simon urteilte in der Presse: „Damenschach lässt keinen Zweifel daran, dass hier einer der vielversprechendsten jungen Autoren deutscher Sprache am Werk ist.“[23]
Werke
Romane
- Hinterher. Roman. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2022, ISBN 978-3-8031-3348-9.
- Damenschach. Roman. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2024, ISBN 978-3-8031-3371-7.
- Schädel. Roman. MÄRZ Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-7550-0071-6.
Weitere Werke
- Der Ton und die Musik. Kurzgeschichte. In: Volltext 4/2023.[24]
- Graubrot. Essay. In: Neue Rundschau 2/2026.[25]
Auszeichnungen
- 2022: Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds[26] für ein Romanprojekt
- 2023: Arbeitsstipendium des Berliner Senats[27] für ein Romanprojekt
- 2023: Aufenthaltsstipendium Q21 des BMEIA[28] für ein Romanprojekt in Wien für Januar und Februar 2024
- 2024: Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds[29] für ein Romanprojekt
- 2025: Alfred-Döblin-Medaille[30] für Hinterher und Damenschach
Literatur
- Vojin Saša Vukadinović: Fluchtlinien aus Berlin – Finn Job: Hinterher. In: Schweizer Monat Nr. 1101, Zürich 2022, ISSN 0036-7400.
- Kolja Zydatiss, Mark Feldon: Sozialkonservatismus. In: Interregnum – Was kommt nach der liberalen Demokratie? Langen Müller Verlag, München 2024, ISBN 978-3-7844-3706-4.
- Russell Berman: New Right. Post-Left. Adorno in Neukölln: Finn Job’s Novel "Hinterher". In: Telos Press, Stanford 2024.
- Sebastian Guggolz: Ausbruch aus dem Hamsterrad. Was die Romane von Finn Job so bemerkenswert macht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Mai 2025. Online verfügbar (abgerufen am 21. Mai 2025).
- Russell Berman: Rewriting Twelfth Night: Genre, Gender and Identity in Finn Job's "Damenschach". In: The German Quarterly, Volume 99, Spring 2026, ISS N0016-8831, Online verfügbar.