Flakartillerie
eine Waffengattung der Luftstreitkräfte
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Die Flakartillerie (Flugabwehrartillerie, auch Flak-Artillerie geschrieben) war eine Waffengattung, die erstmals im Ersten Weltkrieg aufgestellt wurde und deren Einheiten in der deutschen Wehrmacht der Luftwaffe unterstand. Ihre Waffenfarbe war hochrot. Zu den wichtigsten Waffen dieser Einheiten gehörten die Flugabwehrkanonen (kurz „Flak“). Daneben existierten im Heer der Wehrmacht Heeres-Flakartillerie und in der Kriegsmarine die Marine-Flak-Einheiten.


Geschichte
Die Flakartillerie zählte zu den Truppengattungen, die das Deutsche Reich nach dem Vertrag von Versailles nicht aufstellen durfte. Als man im Deutschen Reich (1933–1945) mit der Wiederaufrüstung begann, wurde die vorher als Fahrabteilung getarnte Abteilung des Reichswehrministeriums 1935 in der Luftwaffe etabliert.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Jugendliche als Flakhelfer eingesetzt.
Im Zweiten Weltkrieg lastete die deutsche Luftverteidigung hauptsächlich auf den Schultern der größten Flakarmee der Welt.[1] Mitte 1944 verfügte die 1,2 Millionen Mann starke deutsche Flaktruppe über das fünffache, der 7.873 Flakgeschütze aller Kaliber zu Kriegsbeginn. Die Flakmunitionsfertigung betrug 1944 20 % der gesamten Munitionsproduktion. Für einen einzigen Abschuss brauchte man 16.000 Schuss 8,8-cm- oder 3.000 12,8-cm-Granaten. Nach amerikanischen Berechnungen schoss die deutsche Flak im Zweiten Weltkrieg 5.400 amerikanische Flugzeuge ab. Aber als größten Faktor sah man die Beeinträchtigung der Zielgenauigkeit der Bomber an. 61,4 % der Bombenwürfe waren nicht zielgenau, wovon man 39,7 % den Ausweichbewegungen der Bomber und dem Nervenversagen der Piloten zuschrieb und 21,7 % der durch die Flak erzwungenen größeren Flughöhe. Bei den Engländern bekam man den durch Flak und Scheinwerfer ausgelösten vorzeitigen Abwurf der Bomben, dem „creeping back“, erst im März 1944 in den Griff.[2] Das Donnern der Kanonen vermittelte der Bevölkerung das Gefühl, nicht völlig wehrlos zu sein.[1]
Schule
Ab Frühjahr 1940 bestand der Höhere Kommandeur der Flak-Artillerieschulen, welcher im November 1944 mit dem Höheren Kommandeur der Feld-Artillerieschulen zur Flakschul-Division zusammengelegt wurde. Mitte April 1945 wurde die Division aufgelöst und bildete die Flak-Schul- und Ersatz-Division Nord.
Die größte Flakartillerieschule, die FAS I, befand sich in Rerik auf der Halbinsel Wustrow. Die Flakartillerieschule II befand sich ebenfalls an der Ostsee in Stolpmünde. Insgesamt waren insgesamt sechs Flakschulen unter dem Höheren Kommandeur der Flak-Artillerieschulen zusammengefasst. Unter dem Höheren Kommandeur der Feld-Artillerieschulen waren insgesamt 17. Schulen zusammengefasst.
General der Flakartillerie
Inspektion der Flakartillerie
1938 wurde die ursprünglich aufgestellte Inspektion der Flakartillerie und des Luftschutzes (In Flak/LS) in Inspektion der Flakartillerie (L In 4) umbenannt. Die Inspektion unterstand zunächst dem Generalinspekteur der Luftwaffe und ab Februar 1939 dem Chef des Ausbildungswesens (Chef AW). im gleichen Jahr folgte im Oktober 1939 die Zuordnung der Inspektion zum General z.b.V. beim Generalinspekteur der Luftwaffe. Ab April 1940 war die Inspektion der Flakartillerie dem General der Flakartillerie beim Reichsministerium der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe zugeteilt.
Einziger Inspekteur der Flakartillerie war Generalmajor/Generalleutnant/General der Flakartillerie/Generaloberst Günther Rüdel.
1941 erfolgte die Umbenennung in General der Flakwaffe.
General der Flakwaffe
Der General der Flakwaffe wurde im September 1941 aus der Inspektion der Flakartillerie gebildet. Die Unterstellung wechselte zum Oberkommando der Luftwaffe. Der General der Flakwaffe wurde Ende März 1945 zum Kommandierenden General der Flakausbildung.
Kommandierender General der Flakausbildung
Ab dem 28. April 1945 bestand der Kommandierenden General der Flakausbildung, welcher aus dem General der Flakwaffe gebildet worden war.
Bekannte Flaksoldaten
- Fritz Laicher, Kommandeur eines Flak-Regiments und Gründer des Luftwaffen-Sportvereins Hamburg
- Karl Carstens, späterer Bundespräsident
- Richard Kolb, Regimentskommandeur, Ritterkreuzträger, Alter Kämpfer der Nationalsozialisten
- Walter Kolb, späterer Oberbürgermeister von Frankfurt
- Ernst Kreuder, Schriftsteller
- Helmut Schmidt, Batteriechef, späterer Bundeskanzler
Denkmale
In Berlin-Steglitz existiert ein Ehrenmal für die Gefallenen der Flakartillerie beider Weltkriege (von 1933 und 1957 restauriert).
Siehe auch
Literatur
- Ludwig Schilffahrt, Guenther Sachs: Der Unterführer der Flakartillerie. 4. Auflage, Bernard & Graefe, Berlin 1937.
- Horst-Adalbert Koch: Flak. Die Geschichte der deutschen Flakartillerie 1935–1945. Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1982. ISBN 978-3-7909-0166-5 (Inhaltsverzeichnis).
- Karl-Heinz Hummel: Die deutsche Flakartillerie 1935–1945 – Ihre Großverbände und Regimenter. VDM Heinz Nickel, 2010. ISBN 978-3-86619-048-1.
- Hans Mehl: Feld-, Pak- und Flakartillerie. Heeresgeschütze aus 500 Jahren. Band 2: 1920 bis 2004. Mittler & Sohn, Hamburg 2004.
- Johannes Müller-Kissing: Flak. Die Stellungen der deutschen Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg (Handbücher zur Archäologie der Neuzeit). Nünnerich-Asmus, Oppenheim 2023, ISBN 978-3-96176-231-6.