Flora (Mythologie)
Göttin der Blüte in der römischen Mythologie
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Flora ist in der römischen Mythologie die Göttin der Blüte, sowie der Jugend, die zugleich als Frühlingsgöttin gilt. Die Göttin ist zudem Namensgeberin für die Pflanzenwelt (Flora).[2]


Augustinus von Hippo zitiert in De civitate Dei ein Fragment von Varro, wonach Flora zudem als Gottheit der Getreideblüte gilt.[3]
Erzählung


Flora und Zephyr, 1875
Bei Ovid wird sie mit der ansonsten nicht belegten griechischen Nymphe Chloris gleichgesetzt:
„Und während sie sprach, hauchte sie Frühlingsrosen aus ihrem Munde: Chloris war ich, die ich Flora genannt werde.“
Sie wird im Frühling von der Verkörperung des Westwindes Zephyr verfolgt und zu seiner Frau gemacht.[5]
Sie gehört in den Kreis der Vegetationsgötter, der Götter der Erde und des Landbaus, und wird in Beziehung zu Ceres, Demeter und Tellus gesetzt. Ihre Verehrung lässt sich bei den Oskern und sabellischen Stämmen des mittleren Apennins nachweisen. Flora war außerdem die Göttin der Jugend und des fröhlichen Lebensgenusses, schließlich auch die der Schwangerschaft, deren Symbol die Blüte ist.[6]
Ihre Verehrung soll durch den Sabinerkönig Titus Tatius in Rom eingeführt worden sein; nach anderen soll Numa Pompilius für sie einen Flamen Floralis eingesetzt haben. An ihrem Fest (Floralia) schmückte man die Wohnungen und sich selbst mit Blumen, die Frauen kleideten sich entgegen der üblichen Sitte in bunte Farben, und Gesang, Tanz und Tafelfreuden füllten die Festzeit. Nach dem Ersten Punischen Krieg kamen auch eigene Spiele der Flora im Zirkus auf, die vom 28. April bis 3. Mai gefeierten ludi florales, bei denen statt der wilden Raubtiere sogenanntes Niederwild, d. h. Hasen, Rehe etc., getötet wurde.[6] Hetären entkleideten sich zudem als Verkörperung der Göttin und ihrer Gefolgschaft vor dem anwesenden Publikum.[7]
Flora hatte in Rom zwei Tempel, einen auf dem Quirinal, den anderen am Circus Maximus. Die Künstler stellten die Flora einer griechischen Frühlingshore ähnlich dar, als junge, blumengeschmückte Frau. Unter den plastischen Darstellungen ist die so genannte Farnesische Flora (Teil der Farnesischen Sammlungen) am berühmtesten, eine überlebensgroße Marmorfigur, die sich heute im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel befindet.[6]
Flora in Kunst und Musik



In den allegorischen Darstellungen der vier Jahreszeiten verkörpert Flora den Frühling.[2]
Eine erwähnenswerte literarische Darstellung der Flora verfasste Giovanni Boccaccio zwischen 1361 und 1375 und veröffentlichte sie in De mulieribus claris (dt. Von berühmten Frauen), einer Sammlung von rund 100 Frauenbiografien, die auch fiktive und mythologische Figuren einschließt.[8]
Zu den bekanntesten der zahlreichen malerischen Darstellungen der Flora zählen das Gemälde Flora des italienischen Renaissancemalers Tizian[1] sowie Der Triumphzug der Flora des französischen Barockmalers Nicolas Poussin.[4][2]
Die Wachsbüste der Flora galt weithin als eines der berühmtesten plastischen Werke aus dem Umkreise des Leonardo da Vinci, wurde jedoch inzwischen zweifelsfrei als Schöpfung des 19. Jahrhunderts enttarnt.[9]
Das Ballett Le Réveil de Flore (1894) von Riccardo Drigo und Marius Petipa handelt von der Liebesbeziehung zwischen Flora und Zephyr.
Siehe auch
Literatur
- Lorenzo Fabbri: Mater Florum. Flora e il suo culto a Roma (= Biblioteca dell’Archivum Romanicum). Leo S. Olschki, Florenz 2019.
- Fritz Graf: Flora. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01474-6, Sp. 561–562.
- V. Hošek: Flora. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band IV, Zürich/München 1988, S. 137–139.
- Steuding: Flora 1. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,2, Leipzig 1890, Sp. 1483–1486 (Digitalisat).
- Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer. 2. Auflage. 1912, S. 197f.
- Georg Wissowa: Flora 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI,2, Stuttgart 1909, Sp. 2747–2749.
- Julius S. Held, Ulrich Rehm: Flora. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band 9, 2001, Sp. 1306–1348.