Flugobst
per Luftfracht gelieferte Früchte
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Als Flugobst werden im Lebensmittel-Fachhandel Früchte bezeichnet, die per Flugzeug (Luftfracht) aus der Anbauregion zum Verbraucher transportiert. Der CO2-Verbrauch ist wesentlich größer als beim Schiffstransport — bei der Ananas mit 15 kg pro Kilogramm Ananas 25-mal höher als bei Schiffstransport[1] — und wird daher im Hinblick auf den Klimaschutz oft kritisch gesehen. Meist sind es tropische Früchte, die aus Übersee stammen.
Verschiedenes
Der Vorteil der kurzen Transportzeiten durch den Lufttransport ist, dass die Früchte reif geerntet werden können und so ein intensiveres Geschmackserlebnis ermöglichen und zügiger in den Handel gelangen, also frischer sind,[2] während andere exotische Früchte noch unreif geerntet, gekühlt per Schiff transportiert werden und dann im Vertriebsland nachreifen (gegebenenfalls unterstützt durch die Zugabe von Ethen in die Luft des Lagerraums).[3][4]
Da Flugobst bei den Fliegern „Nebenfracht“ ist, kann das Angebot je nach Kontingent und Saison erheblich variieren.
Für manche Anbauregionen in Entwicklungsländern bietet der Transport per Flugfracht die einzige Möglichkeit, mit den Anbaugebieten in den Industrieländern zu konkurrieren.[5] Aufgrund des saisonalen Vorteils liegen die Herkunftsgebiete für Obst, das auch in den Verbraucherregionen angebaut wird, wie Äpfel, generell in der Südhemisphäre.
Betroffene Früchte
Als Flugobst werden insbesondere solche Obstsorten transportiert, die schneller verderben oder bei denen durch den schnellen Transport die Qualität deutlich erhöht werden kann. Hierzu zählen insbesondere[2][6]:
- Litschis
- Ananas (Flugananas)
- Bananen (Babybananen)
- Mango
- Avocado
- Papaya
- Kiwi
- Karambole (Sternfrucht)
- Pithaya
- aus Übersee stammende Erdbeeren, Himbeeren, Äpfel, Birnen usw.
Flugobst besitzt nur einen geringen Marktanteil und wurde wegen seines höheren Preises zumeist nur im Feinkosthandel angeboten,[6] ist mittlerweile jedoch in gut sortierten Supermärkten und bei Discountern zu finden.
Energieaufwand
Der Energieaufwand für Flugobst, auch erkennbar im höheren Preis für den Flugtransport, wird in Zeiten globaler Erwärmung durch menschengemachten Klimawandel kritisch gesehen. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) hat dazu 2020 einige Berechnungen angestellt. So werden 15,1 kg CO2 pro kg Flugananas durch den Flug gegenüber dem Seeweg zusätzlich produziert. Eine 600 g schwere Ananas erhöht ihren CO2-Fußabdruck also etwa um den Faktor 25.[7] Aber auch der Seeweg sollte in Bezug auf die Klimaerwärmung vermieden werden, soweit regionale Angebote bestehen: Für Äpfel aus Neuseeland fand das ifeu eine Emission von 800 g CO2 pro kg Äpfel per Seeweg gegenüber 400 g für regional angebaute Äpfel, die bis zum Verzehr im April gekühlt gelagert wurden.[7]
Umfang
Flugobstverzicht
Zwei Discounter verzichten aus Image- oder Nachhaltigkeitsgründen auf Flugobst[9][10]:
- Lidl in den Ländern: Schweiz seit 2009, Österreich seit 2020, Schweden 2022, Niederlande und Deutschland 2023.
- Aldi in Deutschland: Nord, ohne Jahresangabe, laut eigener Darstellung "schon immer"[9]. In der Schweiz ab 2023.
Deklaration
Im Einzelhandel gibt es bisher keine Pflicht, aber gelegentlich eine freiwillige Deklaration von Flugobst und Fluggemüse.[2][11][12][13]