Flugunfall der Bombardier E-11A 11-9358 der USAF
Flugunfall am 27. Januar 2020
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Der Flugunfall der Bombardier E-11A 11-9358 der USAF ereignete sich am 27. Januar 2020. An diesem Tag ereignete sich an einer auf dem Flughafen Kandahar gestarteten Bombardier E-11A (Global 6000) der USAF im Flug ein schwerer Triebwerkschaden. Die Piloten stellten in der Folge das falsche Triebwerk ab, wodurch die Maschine nicht mehr genug Schub hatte, um den Zielflughafen zu erreichen. Es wurde schließlich eine Notlandung im Gelände notwendig, das sich als dermaßen schroff erwies, dass die Maschine bei der Notlandung zerstört wurde und beide Piloten ums Leben kamen.
| Flugunfall der Bombardier E-11A 11-9358 der USAF | |
|---|---|
Die verunglückte Maschine am 21. März 2011 | |
| Unfallzusammenfassung | |
| Unfallart | Notlandung im Gelände |
| Ort | 39 km nordnordwestlich der FOB Sharana, |
| Datum | 27. Januar 2020 |
| Todesopfer | 2 |
| Überlebende | 0 |
| Luftfahrzeug | |
| Luftfahrzeugtyp | |
| Betreiber | |
| Kennzeichen | |
| Abflughafen | Flughafen Kandahar, |
| Zielflughafen | Flughafen Kandahar, |
| Passagiere | 0 |
| Besatzung | 2 |
| → Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen | |
Maschine
Bei der betroffenen Maschine handelte es sich um eine 2009 gebaute Bombardier E-11A (Global 6000) mit der Werknummer 9358. Es handelte sich um eine von vier Maschinen dieses Typs die bei der USAF im Einsatz waren. Die Maschine war mit dem militärischen Luftfahrzeugkennzeichen 11-9358 auf die United States Air Force zugelassen. Das zweistrahlige Geschäftsreiseflugzeug in militärischer Ausführung war mit zwei Turbofantriebwerken des Typs Rolls-Royce BR710A2-20 ausgestattet.
Besatzung
An Bord der Maschine befand sich lediglich eine zweiköpfige Besatzung. Der 46-jährige Oberstleutnant (Lieutenant Colonel) Paul K. Voss aus Yigo, Guam war der Pilot flying. Voss verfügte über 4.736 Stunden Flugerfahrung, wovon 1.053 auf die Bombardier E-11A entfielen. Der 30-jährige Hauptmann Ryan aus Hudson, New Hampshire war der Pilot Not Flying. Er verfügte über 1.343 Stunden Flugerfahrung, wovon 27 Stunden auf die Bombardier E-11A entfielen.
Verlauf
Am 27. Januar 2020 gegen 13:09 Uhr Ortszeit (L) wurde eine E-11A mit dem Kennzeichen (T/N) 11-9358 zerstört, nachdem sie infolge eines katastrophalen Ausfalls des linken Triebwerks auf einem Feld in der afghanischen Provinz Ghanzi notgelandet war. Die Besatzung war im Rahmen eines Einsatzes der 430th Expeditionary Electronic Combat Squadron (EECS) auf dem Flugplatz Kandahar (KAF) in Afghanistan stationiert. Bei dem Flug handelte es sich sowohl um einen Ausbildungsflug der Stufe „Mission Qualification Training – 3“ (MQT-3) für MP2 als auch um einen Kampfeinsatz zur Unterstützung der Operation FREEDOM’S SENTINEL.
Um 11:05 Uhr Ortszeit war das Luftfahrzeug vom Flugplatz Kandahar gestartet. Der Flug verlief zunächst ohne Zwischenfälle, bis es eine Stunde und 45 Minuten nach Flugbeginn zu einem katastrophalen Ausfall des linken Triebwerks kam. Konkret löste sich ein Turbinenschaufelblatt, was zum Ausfall des linken Triebwerks führte. Die Piloten nahmen fälschlicherweise an, das voll funktionsfähige rechte Triebwerk sei ausgefallen, und leiteten dessen Abstellen ein, wodurch eine Notlage mit beidseitigem Triebwerksausfall entstand. Anschließend versuchten sie, das Luftfahrzeug zum etwa 230 Seemeilen entfernten Flugplatz KAF zurückzufliegen. Leider gelang es der Besatzung nicht, eines der beiden Triebwerke im Flug wieder zu starten, um nutzbaren Schub zu erzeugen. Infolgedessen konnte das Luftfahrzeug die verbleibende Strecke bis KAF nicht im Gleitflug zurücklegen. Da kaum noch Handlungsoptionen bestanden, steuerte die Besatzung das Luftfahrzeug in Richtung der Forward Operating Base (FOB) Sharana, verfügte jedoch nicht über die nötige Höhe und Fluggeschwindigkeit, um die verbleibende Distanz im Gleitflug zu bewältigen. Der Versuch einer Landung auf einem Feld etwa 21 NM vor der FOB Sharana schlug fehl. Das Flugzeug wurde um 13:10 Uhr Ortszeit (08:40 Uhr UTC) im Distrikt Dih Yak in der afghanischen Provinz Ghazni auf dem Boden aufgesetzt. Das Gelände erwies sich als zerklüfteter als gedacht und so wurde die Maschine bei der Bruchlandung zusammengestaucht und geriet in Brand, wodurch die beiden Piloten getötet wurden. Die Unfallstelle befand sich 130 Kilometer (70 Seemeilen) südwestlich von Kabul, nahe dem Dorf Sado Khelo. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte letztlich zwei an der Absturzstelle geborgene Todesopfer.
Der Unfall ereignete sich in einem von den Taliban kontrollierten Gebiet. Ein Taliban-Sprecher teilte Al-Arabiyah mit, Taliban-Milizen hätten das Flugzeug abgeschossen und dabei alle Insassen, darunter hochrangige Amtsträger, getötet. Diese Berichte blieben jedoch unbestätigt. Von staatlich nahestehenden Medien aus dem Iran und Russland verbreitete Meldungen legten nahe, dass Michael D’Andrea, der Leiter der Iran-Abteilung der CIA, bei dem Absturz ums Leben gekommen sei. Diese Berichte blieben unbestätigt; die CIA bestätigte weder die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter an Bord der abgestürzten Maschine noch dementierte sie diese.
Ursache
Die Untersuchung ergab, dass der Unfall durch ein gebrochenes Turbinenschaufelblatt am linken Triebwerk verursacht und durch einen Pilotenfehler verschlimmert wurde. Die Besatzung hatte das ausgefallene Triebwerk falsch identifiziert. Infolgedessen stellten die Piloten irrtümlich das rechte Triebwerk ab, da sie annahmen, das linke sei noch intakt. Das Versäumnis, das korrekte Triebwerk im Flug wieder zu starten, sowie der Versuch, zur Luftwaffenbasis Kandahar zurückzukehren, trugen maßgeblich zu dem Unfall bei. Ohne funktionierende Triebwerke fehlten dem Flugzeug die nötige Höhe und Fluggeschwindigkeit, um zur nächstgelegenen Basis zu gleiten; dies zwang die Besatzung zu einer Notlandung in verschneitem Gelände, das sich als zu uneben für eine sichere Landung erwies.
Quellen
- Flugunfall Bombardier E-11A, 11-9358, Aviation Safety Network
- Brian W. Everstine: DOD Identifies Airmen Killed in E-11 Crash, Air & Space Forces Magazine
- Unfallbericht, 15. November 2020.
