Flávio Bolsonaro
brasilianischer Politiker
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Flávio Nantes Bolsonaro (* 30. April 1981 in Resende[1]) ist ein brasilianischer Geschäftsmann, Rechtsanwalt und Politiker. Er gehört der Liberalen Partei (PL) an und ist seit 2019 Senator der Republik des Bundesstaates Rio de Janeiro. Er ist der erstgeborene Sohn von Jair Bolsonaro und wird deshalb als „01“ (zero-um) bezeichnet.[2][3]

Leben
Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und Rogéria Nantes Nunes Braga. Sein Vater gab ihm den Namen „01“, was einer militaristischen Ansatzweise entspringt.[4] Er hat einen Abschluss in Öffentlicher Politik des Instituto Universitário de Pesquisas do Rio de Janeiro (IUPERJ) und in Betriebswirtschaft von der Fundação Getulio Vargas.[5]
Ab 2003 war er Abgeordneter des Bundesstaates Rio de Janeiro und wurde bei den Wahlen 2014 mit 160.359 Stimmen für seine vierte Amtszeit gewählt, die im Februar 2019 endete.[6] In seiner zweiten Amtszeit war er Vorsitzender des Sonderausschusses für Familienplanung.[7] 2018 wurde er mit 4.380.418 Stimmen zum Senator des Bundesstaates Rio de Janeiro gewählt. Seine Amtszeit begann im Februar 2019.[8]
Für die Präsidentschaftswahl 2026 wurde er von seinem Vater als Kandidat benannt.[9] Ende Juli 2026 zeigten sich Risse im Verhältnis zu der bei Evangelikalen beliebten Stiefmutter Michelle Bolsonaro, die sich in einem Video kritisch über ihn äußerte, während er selbst diese potentiell wahlentscheidende Wählergruppe nicht in gleichermaßen überzeugender Weise anzusprechen vermag, auch wenn er sich, deren Erwartungen entsprechend Anfang des Jahres 2026 im Jordan hatte taufen lassen und am 4. Juni 2026 in São Paulo am „Marsch für Jesus“ teilnahm.[3]
Politische Programmatik
Anfang Juli 2026 wurde er von Regierungsvertretern der USA in Washington empfangen. Dort geäußerte kritische Positionen zu China, die aus familiär tradiertem Antikommunismus resultieren, hat er wieder relativiert. Im März 2026 war Bolsonaro an der Amtseinführung des rechten bis rechtsextremen José Antonio Kast in Chile anwesend. Bei weiteren Aufenthalten in den USA 2026 sprach er an der Tagung Conservative Political Action Conference. In den USA machten er und sein Bruder Eduardo Bolsonaro unter anderem Druck zur Verhängung neuer Zölle gegen Brasilien, zwecks Freipressung ihres im Strafvollzug befindlichen Vaters. Für Zollerhöhungen der USA gegenüber Brasilien erbat er eine Gnadenfrist bis nach dem Ende des Wahlkampfs.[3]
Flávio Bolsonaro hat ein sicherheitspolitisches Programm namens „Brasilien ohne Angst“ vorgestellt. Die Strafmündigkeit soll auf 14 Jahre gesenkt werden, Megagefängnisse nach dem Vorbild von El Salvador sollen gebaut werden und Sexualstraftäter sollen chemisch kastriert werden. Allerdings sank die Mordrate in Brasilien zuletzt deutlich. Den politisch motivieren Gewalttätern, die am 8. Januar 2023 den Nationalkongress in Brasília erstürmt haben und verurteilt wurden, hat er im Falle eines Wahlsieges die Begnadigung versprochen. Er bezeichnet diese Personen als „politische Gefangene“.[3]
Wirtschaftspolitisch steht er der einflussreichen Agrarindustrie nahe, die einen marktradikalen Kurs verlangt und Privatisierungen anstrebt. Um deren Exporte in arabische Staaten nicht zu gefährden, kann er nicht so pro-israelisch auftreten, wie dies zur Gewinnung evangelikaler Wählerstimmen für ihn vorteilhaft wäre. Zugleich hat Flávio Bolsonaro, anders als sein Vater, keine persönliche Verankerung in der brasilianischen Armee, die ein langjähriger Rückhalt des Bolsonarismus ist. Tatsächlich gilt er vielen radikalen Bolsonaristas – den sogenannten bolsonaristas raíz – als zu moderat, da ihnen Verschwörungstheorien und Feindschaft gegen das Oberste Gericht Brasiliens wichtige Anliegen sind und sie sich teilweise stark radikalisiert haben.[3]
Ideologisch schöpft Flávio Bolsonaro auch aus dem Gedankengut des selbsternannten Philosophen Olavo de Carvalho, der ebenfalls dem empörten und verschwörungstheoretischen Spektrum zuzuordnen ist, zumal sein Bruder Eduardo Bolsonaro von den USA aus dieses mittels Online-Kursen – einer sogenannten „formação conservadora“ – in der lusophonen Gemeinschaft verbreitet. Kulturpolitisch geht es ihnen langfristig darum, bislang linke oder für links gehaltene Diskursräume rechts zu erobern. Dazu bedient sich seine Kampagne des Streamingdiensts Brasil Paralelo mit Sitz in Porto Alegre.[3]