Forever Living Products

Unternehmen in Arizona, USA From Wikipedia, the free encyclopedia

Forever Living Products (FLP) wurde 1978 in Scottsdale, Arizona von Rex Maughan gegründet. Mittels Multi-Level-Marketing und circa 10 Millionen Distributoren in 150 Ländern erwirtschaftet das Unternehmen jährlich einen Umsatz von fast 3 Milliarden US-Dollar.

Schnelle Fakten
Forever Living Products
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Rechtsform
Gründung 1978
Sitz Scottsdale, Arizona, USA
Leitung Rex G. Maughan, Gründer, Vorstandsvorsitzender und CEO
Mitarbeiterzahl 4.100 (2006)
Umsatz 2,8 Milliarden US-Dollar (2016)
Branche Netzwerk-Marketing
Website www.flp.de/
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Die Produkte stehen aufgrund rechtlicher Verstöße und qualitativer Mängel in der Kritik.

Die Vertriebswege von Forever Living Products werden regelmäßig von Verbraucherschützern kritisiert und als Schneeballsystem bezeichnet. Diese Einordnung wurde von Schweizer Gerichten bestätigt.

In der Vergangenheit fiel FLP wiederholt durch unzulässige Angaben in der Werbung auf.

Produkte und Werbung

Ein Kosmetikprodukt von Forever Living Products

Die Produkte umfassen unter anderem Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika und Getränke. Viele Produkte werden auf Basis der Echten Aloe (Aloe vera) produziert.[1]

2002 und 2004 wurden die Verzehrempfehlungen für Aloe-Vera-Saft von FLP von Verbraucherschützern kritisiert.[2][3]

2004 verhängte die ungarische Wettbewerbsbehörde aufgrund der Täuschung von Verbrauchern und unerlaubter Werbung beim Verkauf von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln eine Strafe von 60 Millionen Forint gegen FLP. Als erschwerenden Umstand legte die Wettbewerbsbehörde den Umstand aus, dass das Unternehmen trotz Kritik diese Praxis über mehrere Jahre betrieb.[4][5][6][7]

2015 verwarnte die Advertising Standards Authority das Tochterunternehmen Forever Living Products (UK) Ltd aufgrund unzulässiger Werbung. Forever Living Products hatte in einer Werbung für Lebensmittel eine Gewichtsreduktion versprochen sowie vorschriftswidrige Gesundheitsaussagen getroffen.[8][9]

2016 verwarnte die Advertising Standards Authority einen Facebook-Nutzer und „Vertriebspartner“ von FLP, da dieser einem Nahrungsergänzungsmittel fruchtbarkeitssteigernde Eigenschaften zugeschrieben hatte. FLP wies auf eigene Richtlinien für „Vertriebspartner“ zum Werben in sozialen Netzwerken hin.[10]

2016 unterzog sich die schwedische Journalistin Anna Bäsén in einer Investigativrecherche dem zur Gewichtsreduktion beworbenen Produkt „C9“ von FLP. Im Zuge des Versuches verschlechterten sich ihre Leberwerte, was mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden konnte. Claude Marcus, ein schwedischer Arzt und Experte für Übergewicht, und die Ärztin Mai-Lis Hellenius rieten von der Anwendung des Produktes ab.[11][12] Nachdem FLP anfangs eine Veränderung der Leberwerte durch das Produkt bestritten hatte, bestätigte das Unternehmen später diese Möglichkeit, behauptete aber, es handele sich dabei um einen vorübergehenden und unbedenklichen Effekt. Claude Marcus und die Toxikologin Ulla Beckman-Sundh wiesen diese Darstellung des Unternehmens zurück.[13] Auch das Portal healthline riet aufgrund des nicht nachgewiesenen medizinischen Nutzens von der Anwendung von „C9“ ab.[14]

2024 kritisierte die Verbraucherzentrale Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln von FLP. Ein Produkt enthielt einen seit 2022 verbotenen Inhaltsstoff. Für ein weiteres war ein Dosierungshinweis angegeben, der toxische Wirkungen verursachen könnte. Weiterhin wurden wissenschaftlich nicht nachgewiesene medizinische Wirkungen behauptet und die rechtlich erforderliche Angabe der Nährwerte fehlte bei einigen Produkten.[15]

2025 wurde bekannt, dass die ehemalige walisische Politikerin Laura Anne Jones von 2013 bis 2016 als „Vertriebspartner“ von FLP arbeitete. Beim Bewerben der Produkte machte sie falsche Angaben zu den Ursachen von Brustkrebs und Verdienstmöglichkeiten für „Vertriebspartner“.[16]

Der hohe Preis der Produkte wurde mehrfach kritisiert.[1][14][17]

Vertriebsmodell

Einige Verbraucherschützer bezeichnen das Vertriebsmodell von FLP als Schneeballsystem.[18][19][20][21][22] Schweizer Gerichte haben die Richtigkeit der Bezeichnung bestätigt.[23] Susanne Schaaf von der Fachstelle für Sektenfragen InfoSekta bezeichnet das Geschäftsmodell als „sektenähnlich“.[24][25]

Begriffliche Einordnung

Schema eines Schneeballsystems. Bei Forever Living Products ist diese Einordnung umstritten, wird aber von diversen Verbraucherschützern und Schweizer Gerichten vertreten.
Verteilung der Gewinne in einem Schneeballsystem:
  • Die Gewinne konzentrieren sich an der Spitze.
  • Die Mehrzahl der Teilnehmer realisiert Verluste.
  • Solche Systeme sind auf die ständige Zunahme der Teilnehmer angewiesen. Die Anzahl der verfügbaren Personen ist in der Realität aber immer begrenzt.

    Multilevel-Marketing (MLM) ist eine umstrittene Variante des Direktvertriebs, bei der die Verkäufer selbstständig sind (sog. „Vertriebspartner“). Ihre Aufgabe ist nicht nur das Anwerben neuer Kunden, sondern auch neuer „Vertriebspartner“.[26][27]

    Von einem Schneeballsystem spricht man, wenn der Vertrieb der Produkte kaum eine Rolle spielt und nur das Anwerben neuer „Vertriebspartner“ im Fokus steht. Schneeballsysteme sind in Deutschland illegal.[27]

    Am Multilevel-Marketing wird der häufig in Aussicht gestellte schnelle finanzielle Erfolg kritisiert. In den meisten Fällen verlieren Menschen durch MLM jedoch Geld. Eine US-amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass 99 Prozent der „Vertriebspartner“ Verluste realisierten. Die beworbenen hohen Gewinne aus dem MLM erhält gewöhnlich nur ein kleiner Teil der Beteiligten.[26][28]

    Da die „Vertriebspartner“ auf Anraten der MLM-Unternehmen zumeist versuchen, Personen aus dem Familien- oder Bekanntenkreis anzuwerben, kann bei ausbleibendem Erfolg Kontaktabbruch und soziale Isolation folgen.[26]

    „Vertriebspartner“

    Die Produkte von FLP werden ausschließlich über sogenannte „Vertriebspartner“ vertrieben.[1] Diese sind selbstständige Erwerbstätige, sie stehen also in keinem Arbeitsverhältnis zu FLP und müssen selbst für Kranken- und Sozialversicherung sorgen.[24] Im Vereinigten Königreich sind die meisten „Vertriebspartner“ von FLP weiblich.[29] Die „Vertriebspartner“ kaufen Produkte von FLP und vertreiben diese. Zudem werben sie auch weitere „Vertriebspartner“ an, die sie anschließend betreuen und für deren Verkäufe sie eine Provision erhalten.[24]

    Susanne Schaaf von der Fachstelle für Sektenfragen InfoSekta spricht sowohl bei Werbenden als auch Geworbenen von „Opfern“ und „Tätern“, da sie gleichzeitig unter dem Vertriebssystem litten als auch zu dessen Fortbestehen beitrügen.[25] Claudia Groß, MLM-Forscherin an der Radboud-Universität Nijmegen, kritisiert das Mitverdienen an den Verkäufen anderer „Vertriebspartner“ bei FLP.[1]

    Die Anwerbung der „Vertriebspartner“ erfolgt beispielsweise über die sozialen Netzwerke.[11][30] Aussteiger berichten, von ihren Betreuern zum Anwerben von Familienmitgliedern und Freunden gedrängt worden zu sein. Außerdem sollen sie dazu angeleitet worden zu sein, gezielt Menschen in schwierigen Lebensphasen anzuwerben.[1][29][31] In der Schweiz wurden planmäßig junge Auszubildende mit dem Versprechen hoher Einkommen angeworben.[32]

    Um neue „Vertriebspartner“ zu gewinnen, nutzte FLP in der Vergangenheit wiederholt unzulässige Versprechen hoher Einkommen bis zu mehreren Millionen Euro oder Dollar pro Monat bei wenigen Stunden Arbeit pro Woche.[1][33] FLP stellt die Arbeit als „Vertriebspartner“ als Alternative zu einer regulären Beschäftigung dar.[33] 2021 wies die Federal Trade Commission FLP auf Verstöße beim Bewerben von Verdienstmöglichkeiten gegenüber potentiellen „Vertriebspartnern“ hin.[34] 2024 verlangte der Direct Selling Self-Regulatory Council (DSSRC), eine US-amerikanische Organisation zur Selbstorganisation im Direktvertrieb, von FLP die Entfernung von 13 Beiträgen in den sozialen Netzwerken. Zur Rekrutierung neuer „Vertriebspartner“ hatte das Unternehmen mit Einkommen bis zu einer Million Dollar pro Monat und „finanzieller Freiheit“ geworben. Das Verfahren wurde vor der BBB National Programs, einer US-amerikanischen NGO zur Überwachung von Initiativen zur Selbstorganisation in der Industrie, eröffnet und nach der Entfernung der Beiträge eingestellt.[33]

    Die „Vertriebspartner“ absolvieren Webinare und andere Kurse zur Vorbereitung auf den Verkauf der Produkte.[1] In einer Investigativrecherche der schwedischen Zeitung Expressen gaben externe Experten den „Vertriebspartnern“ Tipps zum Umgehen von gesetzlichen Grenzen für Behauptungen, die medizinische Wirkungen der Produkte betreffen.[11]

    „Vertriebspartner“ müssen zunächst ein „Starterpaket“ mit FLP-Produkten für mehrere Hundert oder Tausend Euro erwerben, das sie anschließend verkaufen sollen.[1][29] Mehr als 90 Prozent der „Vertriebspartner“ gelingt es jedoch nicht, die Produkte aus dem „Starterpaket“ abzusetzen.[19] Die „Vertriebspartner“ müssen zudem einen Mindestumsatz pro Monat generieren, um sich für Provisionen zu qualifizieren. Diese werden in einer eigenen „Währung“, den sogenannten „Case Credits“ berechnet.[29][17] In einer Reportage des Hessischen Rundfunks berichtete eine ehemalige „Vertriebspartnerin“ von FLP, von ihrem Betreuer dazu gedrängt worden zu sein, Teile ihres persönlichen Besitzes zu verkaufen, um weitere FLP-Produkte zu erwerben und sich so für eine Provision zu qualifizieren.[1]

    „Vertriebspartner“ realisieren beim Ausstieg meist Verluste oder geraten sogar in Verschuldung.[1][19][35] Einige berichten auch von erheblicher psychischer und emotionaler Belastung durch ihre Tätigkeit.[36][29][35]

    Bezeichnung als „schneeball-artig“

    2014 berichtete der SRF investigativ über Forever Living Products und bezeichnete das Vertriebssystem als „schneeball-artig“. FLP klagte gegen die Berichterstattung des SRF. Das Bezirksgericht Frauenfeld und das Obergericht Thurgau lehnten die Klage ab und bestätigten die Ähnlichkeit des Geschäftsmodells mit einem Schneeballsystem. Das Bundesgericht prüfte den Fall aufgrund formeller Fehler in der Beschwerdeschrift nicht.[23][37]

    Klage der Federal Trade Commission

    Im Frühjahr 2022 meldete die NGO Truth in Advertising 5500 unzulässige Angaben zu Verdiensten seitens FLP an die Federal Trade Commission (FTC). Nach einer dreijährigen Ermittlung reichte die FTC am 13. April 2026 Klage gegen Forever Living Products sowie gegen die beiden Manager Gregg Maughan und Aidan O’Hare ein.[19][38][39][40]

    In der Anklageschrift wirft die FTC dem Unternehmen unter anderem langjährige falsche Angaben zum Verdienst, Behauptung eines unbegrenzten Einkommens, irreführende Bilder von Luxusgütern oder das Vorzeigen scheinbarer Gewinner vor. Die FTC gibt an, der überwiegende Teil der „Vertriebspartner“ realisiere Verluste bei der Tätigkeit. Die FTC verlangte ein dauerhaftes Verbot für FLP, irreführende Angaben zum Verdienst zu machen.[38][39][40]

    Am darauffolgenden Tag gab die FTC eine Einigung auf einen Vergleich mit dem Unternehmen bekannt. Dieser sieht umfassende Einschränkungen für die Vermarktung des Unternehmens vor.[19]

    Commons: Forever Living Products – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise

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