Fort-de-Possel
Siedlung in der Zentralafrikanischen Republik
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Fort-de-Possel, auch Kémo-Fort-de-Possel, war eine 1901 von Vertretern der Kolonialmacht Frankreich gegründete militärische Niederlassung in der heutigen Zentralafrikanischen Republik. Sie war ab dem Februar 1906 während sieben Monaten die Hauptstadt der projektierten Kolonie Ubangi-Schari, danach wurde das Vorhaben aufgegeben. Heute ist Possel ein Teil der Gemeinde Galafondo.

Geschichte

Der Ort mit seinen Ausliegern Kougonjé, Mono und Tambacco, unweit des damaligen Belgisch-Kongo, wurde am Kémo, einem kleinen Zufluss in den breiten Ubangi errichtet. Aus diesem Grund erstreckte sich der Ort nur auf einer Seite des Flusses. Fort-de-Possel erhielt seinen Namen in Gedenken an einen gewissen Marschall Possel-Deydier, der 1899 in Kouno (heutiger Tschad) in einer Auseinandersetzung mit Sklavenhändlern getötet worden war. Fort-de-Possel war ein Außenposten des 1889 gegrundeten Bangui, von dem es etwa 150 km entfernt war. Neben Flussschifffahrt bestand eine Landstraße nach Krébédjé.[1]
Franzosen der Dritten Republik versuchten ab den 1880er Jahren in die Region vorzudringen. Als Grund für den Eroberungsfeldzug in Zentralafrika gab die französische Kolonialpolitik das Agieren arabischer Sklavenhändler in der Region an, allerdings führten auch die Franzosen Überfälle auf die Dörfer durch, um sich Träger für ihre Expeditionen zu beschaffen und diese unter Vorhaltung einer angeblich erhobenen Naturalsteuer zwangszuverpflichten. Da Pferde im lokalen Klima zugrunde gingen und Straßen meist fehlten, mussten die Wege zufuss zurückgelegt werden. Wenn die Männer häufig beim Anrücken der Franzosen aus Fort-de-Possel die Flucht ergriffen, nahmen die Kolonisatoren die Frauen als Geiseln, indem sie ihnen einen Strick um den Hals banden, und erpressten so die Lastendienste der Männer. Über dieses Vorgehen der in Fort-de-Possel stationierten Militärs berichtete am 19. Juli 1912 ein Artikel der französischen Zeitung Le Journal.[1]
Die Franzosen erkannten jedoch die Aussichtslosigkeit des von Sümpfen umgebenen und schwer erreichbaren Ortes, in dem die sanitären Bedingungen schlecht waren. Im Dezember 1906 wurde Bangui deshalb zur Hauptstadt der Kolonialverwaltung bestimmt. Nach dem Bericht eines Journalisten der Zeitung L’Excelsior von 1911 gab es in Fort-de-Possel noch etwa zehn verbleibende Soldaten unter dem Kommando eines einfachen Sergent. Der deutsche Reisende Adolf Friedrich beschrieb der Ort als unbefestigten Platz mit einigen Erdhütten. Bei der Planung der Eisenbahnlinie ab 1914 war für das in schwer zugänglichem Gelände liegende Fort-de-Possel kein Anschluss vorgesehen und der Ort geriet bei den Europäern in Vergessenheit.[1]