Fort Lantin
Fort im Festungsring Lüttich.
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Das Fort Lantin ist eines von zwölf Forts, aus denen der Festungsring um die belgische Stadt Lüttich des späten 19. Jahrhunderts bestand.
| Fort Lantin | ||
|---|---|---|
Eingang zum Fort Lantin | ||
| Daten | ||
| Ort | Lantin | |
| Architekt | Henri Alexis Brialmont | |
| Baustil | Fort | |
| Baujahr | 1888 | |
| Koordinaten | 50° 41′ 40″ N, 5° 31′ 28″ O | |
Geschichte

Im Jahr 1888 wurden 7 km nordwestlich von Lüttich die Bauarbeiten an einem weiteren Fort für die Stadt abgeschlossen. Dieses sollte die Stadt mit Blick nach Nordwesten sichern und eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Pläne für den Bau stammten von General Henri Alexis Brialmont und waren eine Besonderheit. Anders, als die französischen Festungen aus der gleichen Zeit, bestand das Fort Lantin vollständig aus Beton und nicht aus Mauerwerk. Die Bauarbeiten dauerten bis ins Jahr 1884 an. Kurz nach der Fertigstellung wurde das Fort durch belgischen Truppen besetzt. Mit der Fertigstellung des Forts zählt es zu den kleineren in der Region um Lüttich.[1]
Aufbau
Das Fort Lantin besteht vollständig aus Beton und liegt 7 km nordwestlich des Stadtzentrums von Lüttich, bei der Ortschaft Lantin. Es hat die Form eines gleichschenkeligen Dreiecks mit einer Grundseite von 200 m und zwei Seitenschenkeln mit 225 m Länge. Das Fort ist vollständig von einem 6 m tiefen und 8 m breiten Graben umgeben.[1]
Das Fort war so konstruiert worden, um den Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21-cm standhalten zu können.[2] Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton. Die Kasemattenwände, welche als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.[3]
In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.[1]
Bewaffnung
Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten, bestand die Bewaffnung aus einem Geschützturm der Grusonwerke, welcher mit einer 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet war. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Zwei weitere Geschütztürme stammten von Châtillon-Commentry und verfügten je über eine 12-cm-Kanonen von Krupp. An jeder der drei Ecken des Forts befand sich eine 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt in einem Geschützturm der Grusonwerke. Alle diese Geschütztürme konnten bei Bedarf eingefahren werden. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer von schweren Maschinengewehren verteidigt, welche in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen dem benachbarten Fort Liers nordöstlich und Fort Loncin südwestlich, fand mithilfe von Lichtsignalen statt.[1][4]
Alle Geschütze des Forts waren mit Schwarzpulver, anstatt mit rauchschwachem Pulver ausgestattet. Dadurch sollten sich in den Gräben erstickende Gase bilden und mögliche Angreifer dort bereits aufgehalten werden. Problematisch war jedoch, dass sich auch in den beengten Feuerräumen die Gase ausbreiteten und sich dann über das gesamte Fort verteilten.[4]
Erster Weltkrieg
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 6. August 1914 erreichten die ersten deutschen Truppen Lüttich und begannen mit dem Angriff auf die Stadt. Dabei trafen die deutschen Truppen auf unerwartet heftigen Widerstand durch die Forts. Aus diesem Grund brachten sie schwerste Belagerungsartillerie an die Front, welcher die Forts nicht standhalten konnten.[5]
Das Fort Lantin war am 10. August 1914 das Ziel schwerer deutscher Angriffe. Die Besatzung wehrte sich mit allen Mitteln, konnte das Fort aufgrund der schlechten Belüftung und der sich weiter ausbreitenden Gase nicht mehr halten und kapitulierte bereits am 11. August 1914.[5]
Zwischenkriegszeit
Während der umfassenden Umbau- und Aufwertungsarbeiten an den Forts um Lüttich, wurde das Fort Lantin nicht betrachtet und lag brach dar.[6]
Zweiter Weltkrieg
Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Da das Fort Lantin nicht besetzt war, fiel es der Wehrmacht ohne Kampfhandlungen in die Hände, wurde jedoch nicht weiter genutzt.
Nachkriegszeit bis heute
Im Jahr 1983 wurde das Fort von der Denkmalschutzorganisation Les Amis du Fort de Lantin (deutsch: Freunde vom Fort Lantin) vom Verteidigungsministerium erworben und zu einem Museum umgebaut. Heutzutage kann es mit einer Führung öffentlich besichtigt werden.
Literatur
- Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
- J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.
