Fort Pontisse
Fort im Festungsring Lüttich.
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Das Fort Pontisse, bon deutschen Truppen auch Teufelsfestung genannt, ist eines von zwölf Forts, aus denen die befestigten Stellungen der belgischen Stadt Lüttich des späten 19. Jahrhunderts bestand.
| Fort Pontisse | ||
|---|---|---|
Eingang zum Fort Pontisse | ||
| Daten | ||
| Ort | Vivegnis | |
| Architekt | Henri Alexis Brialmont | |
| Baustil | Fort | |
| Baujahr | 1881 – 1884 | |
| Koordinaten | 50° 41′ 34″ N, 5° 38′ 25″ O | |
Geschichte

Im Jahr 1881 begannen 7 km nordöstlich von Lüttich die Bauarbeiten an einem weiteren Fort für die Stadt. Dieses sollte die Stadt mit Blick über das Tal der Maas und den Albert-Kanal sichern und eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Pläne für den Bau stammten von General Henri Alexis Brialmont und war eine Besonderheit. Anders, als die französischen Festungen aus der gleichen Zeit, bestand das Fort Pontisse vollständig aus Beton und nicht aus Mauerwerk. Die Bauarbeiten dauerten bis ins Jahr 1884 an. Kurz nach der Fertigstellung wurde das Fort durch belgischen Truppen besetzt. Mit der Fertigstellung des Forts zählt es zu den größten in der Region um Lüttich.[1]
Aufbau
Das Fort Pontisse besteht vollständig aus Beton und liegt 7 km nordösltich des Stadtzentrums von Lüttich, nahe der Ortschaft Vivegnis. Das Fort sicherte das Tal der Maas und den Alber-Kanal flussabwärts nach Norden ab. Es hat die Form eines unregelmäßigen, trapezförmigen Rechtecks und weicht hier von den normalerweise dreieckigen Grundrissen der damaligen Zeit ab. Das Fort ist vollständig von einem 6 m tiefen und 8 m breiten Graben umgeben.[1]
Das Fort war so konstruiert worden, um den Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21-cm standhalten zu können.[2] Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton. Die Kasemattenwände, welche als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.[3]
In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen und die Küche. Eine Leichenhalle wurde, wie in nahezu allen anderen Forts, nicht errichtet. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.[1][4]
Eine weitere Besonderheit des Forts besteht auf dem Untergrund, auf dem es errichtet wurde. Der Boden besteht größtenteils aus Schieferfelsen, weshalb das Fort über keinen eigenen Brunnen verfügte.
Bewaffnung
Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten, bestand die Bewaffnung aus zwei Geschützturm der Grusonwerke, welche mit je einer 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet waren. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit einer 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Einer dritter Geschützturm stammte von Châtillon-Commentry und verfügte über zwei 12-cm-Kanonen von Krupp. An jeder der vier Ecken des Forts befand sich eine 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt in einem Geschützturm der Grusonwerke. Alle diese Geschütztürme konnten bei Bedarf eingefahren werden. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer schweren Maschinengewehren verteidigt, welche in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen dem benachbarten Fort Liers westlich und Fort Barchon südöstlich, fand mithilfe von Lichtsignalen statt.[1][5]
Alle Geschütze des Forts waren mit Schwarzpulver, anstatt mit rauchschwachem Pulver ausgestattet. Dadurch sollten sich in den Gräben erstickende Gase bilden und mögliche Angreifer dort bereits aufgehalten werden. Problematisch war jedoch, dass sich auch in den beengten Feuerräumen die Gase ausbreiteten und sich dann über das gesamte Fort verteilten.[5]
In den 1930er Jahren wurde das Fort Flémalle neu bewaffnet. Weiterhin gab es einen Geschützturm mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern. Die ursprünglichen Geschütztürme wurden durch vier 7,5-cm-Kanonen in Geschütztürmen und einem 10,5-cm-Geschützturm ersetzt. Zusätzlich wurde ein Geschützturm mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern verbaut. Da die Luftwaffe immer mehr an Bedeutung gewann, wurde eine Flugabwehrbatterie mit vier Geschützen verbaut. Die vier alten Geschütztürme mit den 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen wurden durch Maschinengewehre ausgetauscht.
Erster Weltkrieg
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 6. August 1914 erreichten die ersten deutschen Truppen Lüttich und begannen mit dem Angriff auf die Stadt. Dabei trafen die deutschen Truppen auf unerwartet heftigen Widerstand durch die Forts. Aus diesem Grund brachten sie schwerste Belagerungsartillerie an die Front, welcher die Forts nicht standhalten konnten. Das Fort Pontisse war ab dem 7. August 1914 das Ziel der deutschen Truppen. Das Fort hielt den deutschen Angriffen stand, selbst als eine schwere Kurze Marine-Kanone 12 L/16 (Gamma-Gerät) „Dicke Bertha“ das Feuer eröffnete.[6] Bis zum 13. August 1914 konnte die Besatzung Widerstand leisten. Gegen Mittag war jedoch die Munition verbraucht und der deutsche Angriff unverändert stark, weshalb die Besatzung kapitulierte.[5]
Deutsche Besetzung
Nach der Kapitulation der belgischen Besatzung übernahmen die deutschen Truppen das Fort Pontisse, welche sie durch den starken und langen Widerstand als Teufelsfestung bezeichneten. Dabei stießen sie auf mehrere Mängel, welche sie während der Besatzung behoben. Dadurch konnten sie das Fort als Infanteriestützpunkt nutzen.
Man stellte fest, dass es im Fort keine richtige Belüftung gab. So errichteten die Deutschen zwei Lufteinlässe auf dem Glacis, welche durch einen unterirdischen Gang mit der Festung verbunden waren. Ein Ventilator verteilte die Luft dann weiter in der Festung. Auch die sanitären Anlagen wurden verbessert und die beschädigten Teile des Forts durch Stahlbeton ersetzt. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Fort an Belgien zurückgegeben.[7]
Zwischenkriegszeit
Nachdem der Erste Weltkrieg beendet war, beschloss die belgische Armee die Forts entlang der Maas weiter zu nutzen und aufzurüsten. So begann eine Umfangreiche Wiederbewaffnung, welche auf das Fort Pontisse betraf. Neben einer neuen Bewaffnung wurde die vorhandene Belüftung durch einen neuen, westlich vom Fort gelegenen Belüftungsturm verbessert. Auch die Sanitäranlagen, die Kommunikationssysteme und die Elektrik wurden ebenfalls an den damaligen Stand der Dinge angepasst und verbessert. Unter dem Fort fanden ebenfalls Arbeiten statt, um tiefe Bunker für Soldaten und Munition zu schaffen. So grub man 22 m in die Tiefe und schuf so die tiefsten Bunker im Festungsring um Lüttich.
Zweiter Weltkrieg
Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Im Jahr 1940 umfasste die Garnison des Fort Pontisse, trotz der Größe, nur etwa 223 Soldaten unter dem Kommando von Hauptmann Fernand Pire. Nachdem die Wehrmacht das östlich gelegene Fort Eben-Emael im Handstreich übernommen hatte, leistete das Fort Pontisse in den folgenden Tagen Feuerunterstützung für die belgischen Truppen und benachbarte Forts.
Am 18. Mai 1940 wurde das Fort Pontisse selber Ziel eine Bombenangriffs durch die Luftwaffe. Dabei wurde der 10,5-cm-Geschützturm zerstört und alle vier 7,5-cm-Geschützrüem schwer beschädigt. Nachdem auch die Munition verbraucht war, kapitulierte das Fort am gleichen Tag um 13:45 Uhr. Nach der Eroberung des Forts, wurde es von der Wehrmacht nicht weiter genutzt.
Nachkriegszeit bis heute
Nach dem Krieg diente das Fort der Armee und später der staatlichen Munitionsfabrik als Munitionsdepot. In den 1950er Jahren wurde die Anlage von Schrotthändlern geplündert und leergeräumt. 1993 wurde es dann komplett aufgegeben und liegt heute ungenutzt da. Heute dient es in den Wintermonaten Fledermäusen als Winterquartier. Besichtigungen könnten im Sommer nur nach einer Anmeldung durchgeführt werden.
Weblinks
Literatur
- Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
- J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.
