Frances Melville

schottisch-britische Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Frances Helen Melville (* 11. Oktober 1873 in Merchiston, Edinburgh; † 7. März 1962 ebenda) war eine schottisch-britische Frauenrechtlerin und Verfechterin der Hochschulbildung für Frauen in Schottland und eine der ersten Frauen, die sich 1892 an der University of Edinburgh immatrikulierten. Sie war von 1935 bis 1942 Präsidentin der British Federation of University Women.

Frances Melville, 1904

Leben

Melville war die ältere Tochter von Francis Suther Melville, stellvertretender Kanzleischreiber (deputy clerk) am Court of Session, und Helen Alexandrina Kerr.[1] Melville war eines von sieben Kindern; fünf Brüder und zwei Schwestern. Sie verbrachte ihre Kindheit in Edinburgh, wo sie am George Watson’s Ladies’ College ausgebildet wurde. Später studierte sie ein Jahr lang in Deutschland Musik.[2]

Nach dem Universities (Scotland) Act 1889, der Frauen den Erwerb akademischer Grade an schottischen Universitäten ermöglichte, gehörte Melville 1892 zu den ersten Frauen, die sich an der University of Edinburgh immatrikulierten. Fünf Jahre später, 1897, schloss sie ihr Studium mit einem Master of Arts (Honours) erster Klasse in Philosophie ab. 1910 erhielt Melville von der University of St Andrews den Grad einer Bachelor of Divinity; sie war die erste Frau in Schottland, die diesen Abschluss erlangte.[1]

Nach ihrem Studienabschluss arbeitete Melville von 1896 bis 1899 als Tutorin an der University of Edinburgh, wo sie Kurse in Logik, Psychologie und Metaphysik unterrichtete, die von Andrew Seth Pringle‑Pattinson geleitet wurden.[2] Von 1899 bis 1909 bekleidete Melville das Amt der Warden of University Hall an der University of St Andrews.[1][3] Nach einer kurzen Tätigkeit als Dozentin für Mental and Moral Science am Cheltenham Ladies’ College,[4] folgte Melville 1909 Janet Anne Galloway als Mistress des Queen Margaret College an der University of Glasgow nach; dieses Amt, das de facto die Leitung der Frauenabteilung der Universität war, übte sie bis zur Schließung des College-Gebäudes im Jahr 1935 aus.

Marjorie Rackstraw, Warden von Masson House an der University of Edinburgh, beabsichtigte, von allen schottischen Universitäten Daten zur Unterstützung einer Argumentation für das Potenzial von Frauen im Staatsdienst zu sammeln, und bat Melville am Queen Margaret College um Angaben zu Absolventinnen aus Glasgow. Dies führte zu einem umfangreichen Briefwechsel zwischen den beiden Frauen.[5]

Auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn war Melville die ranghöchste Akademikerin Schottlands und zeichnete sich sowohl durch ihre wissenschaftlichen Leistungen als auch durch ihre administrativen Fähigkeiten aus.[1] 1927 erhielt sie von der University of Glasgow die Ehrendoktorwürde (LL.D.). Sie war die erste Wissenschaftlerin, der die Universität einen Ehrenabschluss verlieh.[4] In der King’s Birthday Honours List von 1935 wurde Melville zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt.[6]

Während ihres gesamten Lebens setzte sich Melville für die Förderung der Frauenbildung ein. 1902 hielt sie auf der Konferenz der National Union of Women Workers of Great Britain and Ireland in Edinburgh einen Vortrag mit dem Titel University Education for Women in Scotland: Its Effects on Social and Intellectual Life. 1911 steuerte sie den Beitrag The Education of Woman zum Essaysammelband The Position of Woman: Actual and Real bei. Melville vertrat die Auffassung, dass alle Frauen Zugang zu einer allgemeinen Bildung haben sollten, und argumentierte, dass die falsche Dichotomie zwischen weiblichen Idealen von Häuslichkeit und Professionalität einen schädlichen Einfluss auf die Einstellung zur Frauenbildung ausübe.[2] Während ihrer Zeit in St Andrews gründete sie die Association of University Women, von 1930 bis 1931 war sie Präsidentin des Soroptimists Club[1][7] und von 1935 bis 1942 amtierte sie als Präsidentin der British Federation of University Women.[8][9]

Melville war zudem eine aktive und prominente Unterstützerin des Frauenwahlrechts und Mitglied der Edinburgh National Society for Women’s Suffrage, der Scottish Universities Women’s Suffrage Union, der Glasgow Women Citizens’ Association sowie der Glasgow Society for Equal Citizenship.[10] 1906 strengte Melville gemeinsam mit Margaret Nairn, Chrystal Macmillan, Frances Simson und Elsie Inglis beim Court of Session eine Klage gegen die Universitäten von St Andrews und Edinburgh an, mit der Begründung, dass ihnen als Mitgliedern des General Council der jeweiligen Universität das Stimmrecht zustehe. Die University of Edinburgh räumte ein, dass „die Frauen in mehreren Fakultäten der Universitäten zur Graduierung zugelassen worden seien, ihre Namen in das Register des General Council eingetragen worden seien, sie an den Sitzungen des General Council teilgenommen und dort abgestimmt hätten und bislang alle den männlichen Absolventen zustehenden Rechte und Privilegien ausgeübt hätten.“[10] Dennoch wurde ihrem Antrag nicht stattgegeben. Nach der Niederlage im Jahr 1907 legten Melville und ihre Mitstreiterinnen 1908 Berufung beim House of Lords ein, aber auch diese blieb erfolglos.[2]

Während des Ersten Weltkriegs engagierte sich Melville in verschiedenen Formen der kriegsbezogenen Arbeit, insbesondere in der Ausbildung von Frauen; während des Zweiten Weltkriegs war sie als Fahrerin für die British Home Guard tätig.[1]

1937 kandidierte Melville nach dem Tod von Ramsay MacDonald bei der Nachwahl für die schottischen Universitäten (1938 Combined Scottish Universities by-election) als unabhängige Bewerberin. Es gewann John Anderson für die natinale Koalition mit 48,8 % der Stimmen. Melville belegte mit 5.618 (19,5 %) Stimmen den zweiten Platz, vor Andrew Dewar Gibb (SNP, 18,2 %) und dem Zoologen Peter Chalmers Mitchell (unabhängig, 13,5 %).[1][2]

Im Ruhestand lebte Melville zunächst in St John’s Town of Dalry, Kirkcudbrightshire, bevor sie nach Edinburgh zurückkehrte, wo sie 1962 in ihrem Haus starb. Sie wurde auf dem Warriston Cemetery in Edinburgh beigesetzt.[2]

Das Melville House an der University of Glasgow ist zu ihren Ehrenbenannt,[11] und die Universität vergibt jährlich die „Frances‑Melville‑Medaille“ an die herausragendste Absolventin bzw. den herausragendsten Absolventen im Hauptfach Mental Philosophy.[12]

Veröffentlichungen

  • mit James Donaldson: University Education for Women in Scotland: Its Effects on Social and Intellectual Life. A Paper Read at the Conference of the National Union of Women Workers of Great Britain and Ireland, Edinburgh. W.C. Henderson and Son, St Andrews 1902.
  • The Education of Women. In: Oliver Lodge (Hrsg.): The position of woman; actual and ideal. J. Nisbet, London 1911, S. 118–134 (archive.org).
  • The British Federation of University Women, a History. British Federation of University Women, London 1949 (alexanderstreet.com).
Commons: Frances Melville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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