Frances Ridley Havergal

englische Dichterin und Komponistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Frances Ridley Havergal (* 14. Dezember 1836 in Astley, Malvern Hills District, Worcestershire, England; † 3. Juni 1879 in Caswell Bay, Swansea, Wales) war eine englische christliche Dichterin und Komponistin.[1]

Frances Ridley Havergal

Leben

Frances Ridley Havergal war das sechste und jüngste Kind des anglikanischen Geistlichen William Henry Havergal (1793–1870) und seiner Frau Jane Head Havergal (1794–1848). Der Vater war als Dichter und Komponist tätig und schrieb ungefähr 100 Kirchenlieder. Frances’ zweiter Vorname Ridley ist eine Reverenz an den evangelischen Märtyrer Nicholas Ridley. Namentlich bekannt ist noch eine Schwester, Maria Vernon Graham Havergal (1821–1887).[2] 1842, als Frances sechs Jahre alt war, wurde der Vater von Astley nach Worcester versetzt, wo seine Frau Jane sechs Jahre später im Juli 1848 starb.

Frances Havergal erwies sich früh als hochbegabt. Mit drei Jahren konnte sie lesen, mit vier las sie in der Bibel, mit sieben begann sie, selbst Gedichte zu schreiben, und mit neun erteilte sie Sonntagsschulunterricht. Bis zu ihrem Eintritt in eine private Mädchenschule in London 1850 hatte sie bereits sechs Fremdsprachen gelernt. In der Schule in London lernte sie Französisch, Italienisch und Musik. Im Februar 1851 erlebte sie unter dem Einfluss ihrer Lehrerin Caroline Ann Cooke – die fünf Monate später Frances’ Vater heiratete – eine Bekehrung zum christlichen Glauben.

Von 1852 bis Dezember 1853 hielt sich die Familie Havergal in Düsseldorf auf, wo der seit Jahren stark sehbehinderte Vater einen Spezialisten für Augenkrankheiten konsultierte. Frances besuchte während dieser Zeit die Düsseldorfer Luisenschule und nahm Privatunterricht bei einem Pastor in Oberkassel; sie lernte Deutsch, Hebräisch, Griechisch und Latein. 1860 zog die Familie nach Shareshill bei Wolverhampton. Frances lebte bei ihrer Schwester Miriam in Oakhampton in Astley und erzog als Gouvernante deren zwei jüngste Nichten. 1867 ging sie nach Leamington Spa, um ihren Vater und ihre Stiefmutter zu unterstützen.[3]

Nach Abschluss ihrer Schulausbildung widmete sich Frances Havergal privaten theologischen, sprachlichen und musikalischen Studien, vor allem aber begann sie zu dichten und zu komponieren. 1860 wurden erstmals Verse von ihr in einer Zeitschrift gedruckt. Während eines zweiten Deutschlandaufenthalts 1865/66 legte sie Ferdinand Hiller in Köln einige Lieder zur Begutachtung vor. Hiller fand sehr anerkennende Worte über sie, besonders über ihre Harmonik, riet aber zu weiteren Studien, z. B. bei George Alexander Macfarren. Da Frances Havergal diesen Komponisten für zweitklassig hielt, kam sie Hillers Rat nicht nach, besorgte sich aber ein von ihm empfohlenes harmonisches Lehrbuch und studierte es intensiv. 1869 erschien ihr erster Gedichtband, The Ministry of Song. Wegen ihrer schönen Gesangsstimme wurde sie in den 1860er Jahren auch Solistin der Kidderminster Philharmonic Society.

In den 1870er Jahren erlebte Frances Havergal mehrere persönliche Krisen, die sie zu einigen ihrer bekanntesten Lieder inspirierten. Im April 1870 starb ihr Vater; Anfang 1874 ging ihr amerikanischer Verleger in Konkurs; im Herbst desselben Jahres erkrankte sie selbst schwer an Typhus; 1876 wurde das Manuskript einer Liedanthologie, an der sie monatelang gearbeitet hatte, mitsamt den Stereotypplatten bei einem Brand zerstört. Als im Mai 1878 auch ihre Stiefmutter starb, zog Frances Havergal mit ihrer (ebenfalls unverheirateten) Schwester Maria nach Wales. Hier erlag sie 1879 im Alter von 42 Jahren einer Bauchfellentzündung.

Sie wurde auf dem Friedhof der Priory Church of St. Peter in Astley, ihrem Geburtsort, beigesetzt. Auf ihrem Grabstein wurde ihr Lieblingsvers 1 Joh 1,7 eingraviert (The blood of Jesus Christ cleanseth us from all sinDas Blut Jesu Chisti reinigt uns von aller Sünde).[4]

Ihre Großnichte war die Gärtnerin Beatrix Havergal (1901–1980).

Werke

Von Frances Havergal erschienen insgesamt sechs Gedichtbände:

  • The Ministry of Song, 1869.
  • Under the Surface, 1874.
  • Loyal Responses, 1879.
  • Life Mosaics, 1879.
  • Life Chords, 1880.
  • Life Echoes, 1883.

Havergal dichtete etwa 200 geistliche Lieder, die weit über ihren Tod hinaus weltweit gesungen wurden. Um 1920 waren zwei Millionen Exemplare ihrer gesammelten Kirchenlieder im Umlauf.[5] Teilweise wurden die Lieder in andere Sprachen übersetzt, so ins Arabische, Cheyenne, Chinesische, Dakota, Dänische, Deutsche, Französische, Hawaiianische Koreanische, Madagassische, Malaiische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Portugiesische, Schwedische, Spanische, Suaheli, Ungarische, Tagalog, Tamil und Yoruba.[6] Im deutschen Sprachraum sind bekannt:[7]

  • Take my life and let it be, 1874, Melodie 1735 von Alan Wilson und Wolfgang Amadeus Mozart (deutsch von Dora Rappard unter dem Titel: Nimm mein Leben, Jesu, dir, in etwa 40 deutschen und 10 englischen Liederbüchern enthalten; englisch aktualisiert 2003 von Louie Giglio und Chris Tomlin).
  • I am trusting Thee, Lord Jesus, 1874, Melodie von Ethelbert William Bullinger (deutsch von Dora Rappard unter dem Titel: Ich vertraue dir, Herr Jesu, in neun deutschen und zwei englischen Liederbüchern enthalten).
  • Like a river glorious, 1876 (deutsch von Anni von Viebahn unter dem Titel: Wie ein Strom von oben).
  • Light after darkness, 1879 (deutsch von Johanna Meyer unter dem Titel: Licht nach dem Dunkel).
  • Who is on the Lord’s side?, 1877, Melodie von John Goss (deutsch: Wer dient unserem König, N° 451 in Singt von Jesus, 2016, und in zwei englischen Liederbüchern enthalten).

Literatur

Commons: Frances Ridley Havergal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI