Frank Fischer (Psychologe)

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Frank Fischer (* 9. Dezember 1965) ist ein deutscher Psychologe und Bildungsforscher. Er ist Professor für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).[1] Seine Forschung befasst sich insbesondere mit digitalem Lernen, computerunterstütztem kollaborativem Lernen, wissenschaftlichem Denken und Argumentieren sowie der Förderung diagnostischer Kompetenzen in simulationsbasierten Lernumgebungen.[1][2]

Leben und akademischer Werdegang

Fischer studierte Psychologie in Trier und an der RWTH Aachen, wo er 1994 das Diplom in Psychologie erwarb.[3] 1997 wurde er an der LMU München zum Dr. phil. promoviert; 2002 habilitierte er sich dort.[3] Von 1997 bis 2001 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU München. Anschließend war er am Leibniz-Institut für Wissensmedien beziehungsweise Knowledge Media Research Center in Tübingen tätig. 2002/2003 vertrat er eine Professur für Allgemeine Psychologie und Instruktionspsychologie an der Universität Erfurt. Von 2004 bis 2006 war er Associate Professor für Lehr-/Lernforschung an der Universität Tübingen und am Knowledge Media Research Center.[1][3]

Seit 2006 ist Fischer Professor für Educational Science and Educational Psychology beziehungsweise Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der LMU München.[3] Von 2008 bis 2010 leitete er als Geschäftsführender Direktor das Department Psychologie der LMU; von 2011 bis 2013 war er Dekan der Fakultät für Psychologie und Pädagogik.[1] Seit 2009 ist er Direktor des Munich Center of the Learning Sciences (MCLS).[1]

Forschung

Fischers Arbeiten sind in der Pädagogischen Psychologie, den Learning Sciences und der empirischen Bildungsforschung verortet. Ein zentrales Thema ist die Frage, wie Lernprozesse durch digitale Medien, kooperative Arrangements und instruktionale Unterstützung gestaltet werden können. Dabei untersucht er unter anderem kollaboratives Lernen, digitale Lehr-Lern-Umgebungen, wissenschaftliches Denken und Argumentieren sowie Diagnosekompetenzen in der Lehrerbildung und in der medizinischen Ausbildung.[1][2]

Ein Schwerpunkt seiner neueren Forschung liegt auf simulationsbasiertem Lernen in der Hochschulbildung. In der DFG-Forschungsgruppe FOR 2385 Facilitation of Diagnostic Competences in Simulation-Based Learning Environments in Higher Education war Fischer Sprecher. Die Forschungsgruppe untersuchte, wie simulationsbasierte Lernumgebungen so gestaltet werden können, dass Studierende berufliche Diagnosekompetenzen erwerben, etwa in Lehramts- und Medizinstudiengängen.[4] Seit 2025 ist Fischer Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs/Transregio 419 SHARP – Simulation-based learning in higher education: advancing research on process diagnostics and personalized interventions.[5]

Im Bereich des digitalen Lernens beschäftigt sich Fischer mit Bedingungen, unter denen digitale Medien Lernaktivitäten unterstützen und zu fachlichen sowie überfachlichen Lernergebnissen beitragen. Diese Forschung verbindet pädagogisch-psychologische Theoriebildung mit Fragen der Gestaltung von Unterricht, Hochschullehre und professioneller Ausbildung.[6]

Wissenschaftliche Funktionen, Mitgliedschaften und Auszeichnungen

Fischer war Präsident der International Society of the Learning Sciences (ISLS) und wurde 2017 als Fellow der Gesellschaft ausgezeichnet.[3] Seit 2019 ist er ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften; dort gehört er u. a. dem Forum Technologie an.[2] Er ist außerdem Mitglied wissenschaftlicher Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung, der European Association for Research on Learning and Instruction, der American Educational Research Association und der International Society of the Learning Sciences.[1]

Schriften (Auswahl)

  • mit Ansgar Opitz (Hrsg.): Learning to Diagnose with Simulations. Examples from Teacher Education and Medical Education. Springer, Cham 2022. doi:10.1007/978-3-030-89147-3.
  • mit Elisabeth Bauer, Tina Seidel, Ralf Schmidmaier, Anika Radkowitsch, Birgit Jana Neuhaus, Sarah I. Hofer, Daniel Sommerhoff, Stefan Ufer, Jochen Kuhn, Stefan Küchemann, Michael Sailer, Jenna Koenen, Martin Gartmeier, Pascal Berberat, Anne Frenzel, Nicole Heitzmann, Doris Holzberger, Jürgen Pfeffer, Doris Lewalter, Frank Niklas, Bernhard Schmidt-Hertha, Mario Gollwitzer, Andreas Vorholzer, Olga Chernikova, Christian Schons, Amadeus J. Pickal, Maria Bannert, Tilman Michaeli, Matthias Stadler und Martin R. Fischer: Representational scaffolding in digital simulations: Learning professional practices in higher education. In: Information and Learning Sciences. Band 123, Nr. 11/12, 2022, S. 645–665. doi:10.1108/ILS-06-2022-0076.
  • mit Olga Chernikova, Nicole Heitzmann, Matthias Stadler, Doris Holzberger und Tina Seidel: Simulation-based learning in higher education: A meta-analysis. In: Review of Educational Research. Band 90, Nr. 4, 2020, S. 499–541. doi:10.3102/0034654320933544.
  • mit Clark A. Chinn, Katharina Engelmann und Jonathan Osborne (Hrsg.): Scientific Reasoning and Argumentation. The Roles of Domain-Specific and Domain-General Knowledge. Routledge, New York 2018.
  • mit Cindy E. Hmelo-Silver, Susan R. Goldman und Peter Reimann (Hrsg.): International Handbook of the Learning Sciences. Routledge, New York 2018.
  • mit Ingo Kollar, Karsten Stegmann und Christof Wecker: Toward a script theory of guidance in computer-supported collaborative learning. In: Educational Psychologist. Band 48, Nr. 1, 2013, S. 56–66. doi:10.1080/00461520.2012.748005.
  • mit Michael Sailer und Florian Schultz-Pernice: Contextual facilitators for learning activities involving technology in higher education: The C♭-model. In: Computers in Human Behavior. Band 121, 2021, Artikel 106794. doi:10.1016/j.chb.2021.106794.

Einzelnachweise

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