Frank Gotthardt (Unternehmer)

deutscher Informatiker und Unternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Frank Rudolf Gotthardt (* 28. August 1950 in Siegen) ist ein deutscher Informatiker und Unternehmer. Er ist Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender des Software-Unternehmens CompuGroup Medical (CGM), das zu den größten IT-Unternehmen im Gesundheitsbereich gehört.

Gotthardt betreibt die rechtspopulistischen Medienportale Nius (Deutschland) und exxpress (Österreich) sowie die Fernsehsender DRF1, TV Mittelrhein und WWTV, die er mitfinanziert. Zudem ist er der Hauptinvestor des Eishockey-Erstligisten Kölner Haie und Eigentümer des Restaurants Gotthardt's by Yannick Noack in Koblenz.

Jugend und Ausbildung

Gotthardt wuchs in Wülfrath-Düssel auf. Er besuchte das Gymnasium Wuppertal-Vohwinkel und war dort zwischenzeitlich Vorsitzender des Schülerparlaments.[1] Als Stadtschülersprecher organisierte er Sitzstreiks.[1] Nach einem Studium der Informatik in Bonn[2] machte Gotthardt sich selbstständig.

Berufsleben

Gotthard entwickelte zunächst Software für die Fleischwarenindustrie. Durch seine Frau, die Zahnärztin Brigitte Gotthardt, kam er in Kontakt mit der Medizinbranche und gründete 1987 gemeinsam mit vier Zahnärzten das Unternehmen Dentev, aus dem sich später die CompuGroup Medical (CGM) entwickelte. Im Laufe der Jahre kaufte Gotthardt andere Arztsoftwareunternehmen wie Arcos, Dorsymed, Sysmed-KDV, Data Vital und die Hauptkonkurrenten TurboMed und Medistar hinzu, die in die CompuGroup Medical integriert wurden.

Als die Kassenärztliche Bundesvereinigung 2000 einen eigenen Onlinedienst gründen wollte, klagte Gotthardt wegen des Eingriffs in den Wettbewerb durch eine öffentlich-rechtliche Körperschaft und bekam vor Gericht Recht.[2] Im Mai 2007 brachte Gotthardt CGM an die Börse, unter anderem um Kapital für eine internationale Expansion zu beschaffen.[3] Insgesamt betrug das Emissionsvolumen 300 Millionen Euro.[4] Die CGM entwickelte sich nach zahlreichen weiteren Übernahmen zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Informationstechnologie in der Gesundheitsversorgung. Anfang 2021 wechselte Gotthardt in den Verwaltungsrat des Unternehmens.[5]

Gotthardt ist Eigentümer des Restaurants Gotthardt's by Yannick Noack in Koblenz, das 2025 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde.[6] Für angrenzende Luxuswohnanlagen wurde seinem Unternehmen durch den Koblenzer Stadtrat die in Koblenz seit 2020 verpflichtende Sozialwohnungsquote von 30 % erlassen.[7][8][9] Gotthardt ist parteilos und Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Lobbyorganisation Wirtschaftsrat der CDU,[10] bei dem er lange Jahre Landesvorsitzender und damit auch Mitglied des Bundesvorstands war.[11][12]

Medienunternehmer

Seit 2015 ist Gotthardt Eigentümer der DRF-Mediengruppe mit den Marken TV Mittelrhein (lineares Regionalfernsehen und online), Wwtv und DRF1.[13] Er unterstützt seit 2022 den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt:[14] So vermietet er CompuGroup Medical Räume an Reichelts Rome Medien GmbH, die sich ihren Sitz mit der Vius Management SE und Vius SE teilt und ihre IT-Dienstleistungen nutzt.[15][16] Gotthardt ist Mehrheitsgesellschafter der Vius Management SE, bei der Julian Reichelt und Christian Opitz geschäftsführende Direktoren sind. Die Firma startete 2022 das rechtspopulistische Nachrichtenportal Nius.[17]

Kölner Haie

2010 stieg Gotthardt als einer von mehreren Gesellschaftern beim finanziell angeschlagenen Eishockeyclub Kölner Haie ein. Er übernahm 96 Prozent der Anteile des Clubs von dem Immobilienunternehmer Heinz-Hermann Göttsch. Der Kölner Stadt-Anzeiger bezeichnete die Investoren um Gotthardt in diesem Zusammenhang als „Glücksfall“ und schrieb 2013, ohne sie würde es den Traditionsverein wahrscheinlich nicht mehr geben.[18] Im Laufe der Jahre unterstützte Gotthardt die Haie mit 25 Millionen Euro, da diese, wie auch viele andere Profi-Clubs in Deutschland, defizitär arbeiten.[19]

Privates

Frank Gotthardt ist verheiratet und hat einen Sohn, der als Medizin-Professor an der Universität Heidelberg lehrte[20] und 2015 die Gotthardt Healthgroup AG gründete.[21]

Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn hielt Frank Gotthardt 2020 etwas weniger als die Hälfte der Anteile der CompuGroup Medical. Laut Manager Magazin schrumpfte sein Vermögen von 1,4 Milliarden (Stand 2020)[22] auf 500 Millionen Euro (Stand 2024).[23]

Positionen

In einem Interview mit der Rhein-Zeitung kritisierte Gotthardt 2021, dass die Politik zu wenig gegen einen Fachkräftemangel in der IT-Branche unternehme. Die Politik kümmere sich zu sehr um konkrete Projekte, für die sie nicht aufgestellt sei. Als Beispiel nannte Gotthardt die europäische Cloud Gaia-X, die grundsätzlich etwas Gutes sei. Sinnvoller sei es aber, wenn sich die Politik um geeignete Rahmenbedingungen kümmere und in die Ausbildung von Fachkräften an Universitäten investiere.[24]

Einzelnachweise

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