Franz David (Politiker)

österreichischer Mediziner und Politiker (KPÖ) From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz David (* 18. Mai 1900 in Pöchlarn; † 2. April 1992 in Wien) war ein österreichischer Chirurg und kommunistischer Politiker. Er entstammte einer Arbeiterfamilie und schloss sich früh der kommunistischen Bewegung an. Nach Jahren in der Sowjetunion, politischer Verfolgung und aktivem Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde er 1945 von der KPÖ als Unterstaatssekretär für soziale Verwaltung in die Provisorische Staatsregierung Karl Renners nominiert. Nach seiner politischen Tätigkeit wirkte er als Chefarzt der Wiener Gebietskrankenkasse und Leiter des Hanusch-Krankenhauses.[1][2]

Leben

Herkunft und Jugend

Franz David wurde am 18. Mai 1900 in Pöchlarn als Sohn eines Lokomotivführers geboren. Sein Vater war überzeugter Sozialdemokrat und Mitgründer der Gewerkschaft des Lokpersonals. Die Familie zog nach Wien, wo David zunächst die Volksschule in der Hackinger Au und anschließend das Gymnasium in der Astgasse besuchte. Als diese Schule im Ersten Weltkrieg in ein Kriegslazarett umgewandelt wurde, wechselten die Schüler in die Fichtnergasse, wo David seine Matura ablegte. Er war stets ein guter Schüler und erhielt eine Schulgeldbefreiung.

Das politisch engagierte Elternhaus prägte David nachhaltig. Vom Vater zu Versammlungen mitgenommen, erlebte er den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie hautnah. Am 12. November 1918 war er auf der Ringstraße dabei, als die Erste Republik ausgerufen wurde. In seiner Schulklasse saß auch Egon Hilbert, der spätere Direktor der Wiener Staatsoper.[2]

Jahre in der Sowjetunion (1928–1944)

Da David in Wien als bekannter Kommunist keine bezahlte Anstellung als Arzt finden konnte, ging er 1928 gemeinsam mit seiner russischen Frau – einer ehemaligen Sekretärin des sowjetischen Volkskommissars für Äußeres Georgi Tschitscherin – nach Moskau. In der Sowjetunion wurden Ärzte dringend gesucht; er erhielt sofort eine Stelle an einer chirurgischen Klinik.

In den folgenden Jahren wurde er an verschiedene Einrichtungen versetzt: ein Rayonsspital mit 150 Betten in Molotschanks (Ukraine), das Zentralspital in Archangelsk, eine Klinik in Wologda und schließlich wieder nach Moskau. Er bewährte sich besonders beim organisatorischen Aufbau funktionsfähiger Krankenhäuser.

Nach den Februarkämpfen 1934 im nunmehr ständestaatlichen Österreich half David bei der Integration der geflüchteten Schutzbündler in der Sowjetunion. Er unterstützte die etwa 600 bis 700 Mann sprachlich und psychologisch, die über die Tschechoslowakei ins sowjetische Exil geflüchtet waren.[3]

Illegale Tätigkeit in Österreich und Verhaftung (1935)

Anfang 1935 kehrte David auf Befehl Moskaus illegal nach Österreich zurück, um die lokale KPÖ-Führung auszutauschen und die illegale Gewerkschaftsbewegung neu zu organisieren. Er warnte die Partei ausdrücklich vor jeder Annäherung an die Nationalsozialisten.

Bereits im Mai 1935 wurde er verhaftet und ein halbes Jahr im Polizeigefängnis festgehalten. Anschließend kam er ins Anhaltelager Wöllersdorf. 1937 durfte er wieder in die Sowjetunion ausreisen, wo er erneut als Arzt an einer Klinik in Moskau tätig war.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus (1944–1945)

Im Oktober 1944 wurde David gemeinsam mit führenden KPÖ-Funktionären wie Friedl Fürnberg mit dem Fallschirm bei Tschernembl in der Krain abgesetzt. Dort übernahm er die medizinische Betreuung des 1. Österreichischen Freiheitsbataillons, einer Einheit deutschösterreichischer Überläufer, im Verband der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee des Josip Broz Tito. Gleichzeitig gestaltete er von Oktober 1944 bis April 1945 täglich eine 15-minütige Radiosendung des „Österreichischen Freiheitssenders“ in Tschernbembl, die nach Österreich übertragen wurde. Er war auch an der Anwerbung österreichischer Kriegsgefangener für das Freiheitsbataillon beteiligt.[4]

Politische Tätigkeit 1945

Nach Kriegsende kehrte David sofort nach Wien zurück. Die KPÖ nominierte ihn für die Provisorische Staatsregierung unter Karl Renner, die am 27. April 1945 gebildet wurde und eine drittelparitätische Zusammensetzung aus SPÖ, ÖVP und KPÖ aufwies. Als Unterstaatssekretär für soziale Verwaltung bemühte er sich um die Bereitstellung von Medikamenten und den Wiederaufbau des kriegszerstörten Apothekennetzes.[5]

Nach den Nationalratswahlen im November 1945 schied David aus der Regierung aus und kehrte den politischen Ämtern den Rücken, blieb der KPÖ aber treu und gehörte noch einige Jahre dem Zentralkomitee an.[6]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI