Franz Josef Graselli

österreichischer Schauspieler und Regisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz Josef Graselli, eigentlich Franz Josef Graßl (* 8. Mai 1853 in Wien; † 17. April 1929 in München), war ein österreichischer Theaterschauspieler und -regisseur. Er hatte als Oberspielleiter die Leitung der Operette am Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz inne.

Franz Josef Graselli (um 1890)

Leben

Franz Josef Graßl wurde in Wien als Sohn eines Kaufmanns geboren. Graselli war sein Künstlername. Im Alter von 10 bis 16 Jahren trat er im Ballett der Wiener Hofoper auf. Aufgrund seines dabei zu Tage tretenden schauspielerischen Talents wurde er an das Burgtheater übernommen und konnte dort kleinere Rollen spielen. Nach einigen Auftritten am Fürst Sulkowskischen Haustheater in Wien-Matzleinsdorf erhielt er sein erstes festes Engagement am Rudolfsheimer Volkstheater,[1] wo er den „Jugendlichen Liebhaber“ verkörperte.[2] Durch Vermittlung des Schauspielers Adolf Sonnenthals bekam er einen Zweijahresvertrag am Stadttheater Basel[1] (1877/78). Danach war er am Ringtheater in Wien tätig.[2]

Es folgte eine Zeit der Gastspiele, in denen Graselli sowohl an größeren österreichischen Provinzbühnen als auch in Deutschland (u. a. Hamburger Carl-Schultze-Theater, Residenz-Theater Hannover), Holland und der Schweiz zu sehen war. Immer wieder kehrte er auch nach Wien zurück, wo er am Strampfer-Theater, Theater in der Josefstadt und Theater an der Wien auftrat. 1884 war er in erster Stellung am Theater in der Josefstadt tätig. Dort spielte er in den Folgejahren beispielsweise Wilhelm in der Posse Kampl[3] und Konrad in Ernst Raupachs Volksdrama Der Müller und sein Kind.[4] Beliebt war er insbesondere in den RollenfächernBonvivant“ und „Jugendlicher Liebhaber“.[5]

Im Sommer 1891 unternahm Graselli mit anderen Mitgliedern des Theaters in der Josefstadt als „Wiener Ensemble“ eine Gastspieltournee durch Deutschland. Aufgrund des großen Erfolges[5] verließ er den Verband des Josefstadttheaters und setzte seine Tätigkeit als Leiter des Ensembles zwei Jahre fort. Zur Aufführung gelangten dabei österreichische Possen wie Josef Wimmers Die Gigerln von Wien.[6] Auch mit der amerikanischen „Palmerschen Negergesellschaft“ tourte Graselli durch Deutschland.[5] Unter dem neuen Direktor Ignaz Wild kehrte er 1894 wieder an das Theater in der Josefstadt zurück, wo er als zweiter Regisseur und Schauspieler für komische und Charakterrollen engagiert wurde.[7] Im Sommer 1894 leitete er das Karlsbader Stadttheater und 1896 das Stadttheater in St. Pölten.[5]

Im September 1899 wurde Graselli an das Gärtnerplatztheater in München berufen. Unter der Direktion von Ignaz Georg Stollberg und Cajetan Schmederer trat er dort noch gelegentlich als Schauspieler auf, übernahm jedoch bald als Oberspielleiter bzw. Oberregisseur die Leitung der Operette.[1] Diese Funktion übte er unter Intendant Hans Warnecke weiter aus, während er die Schauspielerei schließlich ganz aufgab. Er war als Regisseur bzw. Spielleiter an über 100 Operetten beteiligt, unter anderem an der Münchener Premiere von Die lustige Witwe (1906) sowie den Uraufführungen von Bertrand Sängers Der Pfiffikus (1906), Philipp Silbers Die Paradiesvögel (1908), Charles Cuvilliers Flora-Bella (1913) und Karl Sikoras Fräulein Rothaut (1916).[8] Im September 1925 ging er in den Ruhestand.[1]

Franz Josef Graselli war mit der Bühnensängerin Gisela Graselli-Magnus verheiratet, die zuletzt ebenfalls am Gärtnerplatztheater arbeitete. Auch zwei Schwestern von ihm widmeten sich der darstellenden Kunst: Emma Graselli wirkte als Balletttänzerin und Mimikerin an der Wiener Hofoper, während Ottilie Graßl den Komiker Ernst Gschmeidler heiratete und am Deutschen Theater in Milwaukee tätig war[2].

Literatur

Einzelnachweise

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