Franz Nolde
deutscher Maler (1909-1989)
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Leben und Werk
Nolde war der Sohn eines Eisenbahners. Von 1926 bis 1929 machte er eine Lehre als Dekorationsmaler. Danach arbeitete er in seinem Beruf, ab 1932 selbständig. Von 1932 bis 1934 studierte er unter anderem Landschaftsmalerei bei Alfred Partikel an der Kunstakademie Königsberg. Er trat 1933 in die SS ein, wo er zum SS-Rottenführer befördert wurde. Am 7. August 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.753.676).[1] Von 1939 bis 1945 war er während des Zweiten Weltkrieges im Kriegseinsatz.[2]
Aus der Kriegsgefangenschaft ging Nolde 1946 nach Meißen und arbeitete als freischaffender Künstler. 1948 schloss er sich der Dresdner Künstlergruppe Das Ufer an.
Er wurde Mitglied der SED. Von 1950 bis 1951 besuchte er die Landesschule des Kulturbundes zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands in Ostrau. Später arbeitete er in verschiedenen Funktionen des Verband Bildender Künstler der DDR (VBK), unter anderem als Vorsitzender des Bezirksverbandes Dresden und bis 1963 als Mitglied der zentralen Leitung des Verbands in Berlin. 1952 besuchte er im Auftrag des VBK mit Willy Wolf mehrere Künstler-Ateliers, unter anderem in Hamburg, Lübeck, Oldenburg und Bremen.[3] 1959 hatte er mit weiteren Künstlern einen Studienaufenthalt in der Volksrepublik China.
Ab 1963 lebte und arbeitete Nolde als freier Künstler in Schwedt, wo er entsprechend der Vorgabe, unter die schaffenden Menschen zu gehen, eine vertragliche Bindung mit dem Erdölverarbeitungswerks Schwedt einging und unter anderem 1964 einen Zirkel für Malerei und Grafik gründete, der seit 1992 als Malkreis „Franz Nolde“ weiter mit einem eigenen Atelier aktiv ist.[4]
Noldes Bilder sind prototypisch für den sowjetisch orientierten Sozialistischen Realismus dieser Zeit. Dieter Goltzsche nannte ihn „unbegabt“.[5] Karl Hermann Roehricht schrieb über ihn: „Er war ein perfekter, aber gehaltloser Redner, ein Lebenskünstler … ein sehr schwacher Maler.“[6]
Franz Nolde war befreundet mit Ewald Schönberg.[7]
Familie
Franz Nolde heiratete am 10. Februar 1934 in Tilsit die Friseurgehilfin Maria Martha. Sie starb am 18. Juni 1939 in der Privatklinik Rosenstraße 6. In zweiter Ehe heiratete er 1942 Ingeborg Kelch. Ihre Ehe ging später auseinander.
Ehrungen
- 1960: Verdienstmedaille der DDR
- 1974: Ehrenmitglied des VBK
- 1966: Kunstpreis des Erdölverarbeitungswerks Schwedt
- 1966: Ernst-Moritz-Arndt-Medaille
- 1969: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze
- 1969: Kunstpreis des Rates des Bezirks Frankfurt
- 1971: Johannes-R.-Becher-Medaille
Darstellung Noldes in der bildenden Kunst
- Rudolf Bergander: Bildnis Franz Nolde (Lithografie, 1953)[8]
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Noldes (unvollständig)
- Dresden: Kupferstichkabinett[9]
- Dresden: Kunstfonds des Freistaats Sachsen[10]
- Frankfurt (Oder): Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst
Weitere Werkbeispiele
Malerei und Zeichenkunst
- Umbau im Strohzellstoffwerk Philipp Müller (Öl, 165 × 135 cm); auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung
- Auf dem Jangtse bei Wuhan (1959, Mischtechnik)[11]
- In einer Volkskommune bei Kanton (1959, Aquarell)[11]
Wandbilder
- Meißen-Keramik (1949; Auftragswerk für die 2. Deutsche Kunstausstellung; mit Rudolf Bergander und Walter Meinig)[12]
- Mansfelder Kupferschieferbergbau (Zyklus für die damalige Landesparteischule in Ballenstedt; mit Bergander, Rene Graetz und Horst Strempel; zerstört Anfang der 1950er Jahre)
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
- 1948 Meißen, Stadtmuseum (mit Bergander und Walter Nikusch)
- 1969 und 1979: Schwedt
- 1969: Frankfurt und Dresden
Teilnahme Ausstellungen in der SBZ und in der Zeit der DDR
- 1948: Meißen, Stadtmuseum („2. Jahresausstellung Meissner Künstler“)
- 1949 und 1951: Meißen, Stadtmuseum („3. und 5. Jahresausstellung der Künstler des Kreises Meissen“)
- 1950: Meißen, Stadtmuseum („Kunstausstellung 1950“)
- 1949, 1953, 1958/59, 1962/63, 1972/73 und 1982/83: Dresden, 2., Dritte, Vierte und Fünfte Deutsche Kunstausstellung und VII. und IX. Kunstausstellung der DDR
- 1959: Shanghai, Kunstausstellung der DDR
- 1964 bis 1985: Frankfurt/Oder, fünf Bezirkskunstausstellungen
- 1968: Halle/Saale, Staatliche Galerie Moritzburg („Sieger der Geschichte. Die Arbeiterpersönlichkeit in der bildenden Kunst der Deutschen Demokratischen Republik“)
- 1970: Berlin, Altes Museum („Im Geiste Lenins“)
- 1971: Berlin, Altes Museum („Das Antlitz der Arbeiterklasse in der bildenden Kunst der DDR“)
- 1974: Frankfurt/Oder („Aquarelle – Gouachen – Tempera – Pastell“)
- postum 1984: Dresden, Pretiosensaal des Schlosses („Das Ufer. Gruppe 1947 Dresdner Künstler. Malerei, Grafik, Plastik 1947 – 1952“)
Literatur (Auswahl)
- Traugott Stephanowitz: Ein Künstler unserer Zeit. Zum Schaffen des Malers Franz Nolde. In: Bildende Kunst, Berlin. 1970, S. 12–15
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 673