Franz Osborn
deutsch-britischer Pianist
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Leben
Osborn war der Sohn des jüdischen Journalisten und Kunstkritikers Max Osborn (* 1870 in Köln; † 1946 in New York City) und der Martha Osborn, geb. Boas (* 1873 in Schwerin an der Warthe; † 1951 in New York City). Nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums in Charlottenburg studierte er in Berlin Klavier zunächst bei Alice Ehlers (1914), dann von 1919 bis 1922 bei Artur Schnabel sowie in Stuttgart bei Max von Pauer. An der Berliner Hochschule für Musik schloss er von 1922 bis 1926 seine Ausbildung bei Franz Schreker (Komposition), Leonid Kreutzer (Klavier), Curt Sachs und Georg Schünemann ab. Er erhielt den Blüthner-Preis seiner Hochschule sowie 1926 den Mendelssohn-Preis für ausübende Künstler.[2] Osborn lebte dann als Konzertpianist in seiner Heimatstadt und unternahm Tourneen durch Frankreich, Italien, Norwegen, Polen, Russland, Spanien, die Niederlande, die Schweiz, die Tschechoslowakei und das Baltikum.[3]
Als Jude und Mitglied der Kommunistischen Partei floh er mit Unterstützung des Philanthropen Sir Robert Mayer 1934 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Großbritannien,[4] wo er seine Konzerttätigkeit fortsetzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er u. a. mit dem BBC Symphony Orchestra unter Basil Cameron und Malcolm Sargent auf. Im Januar 1955 spielte er in Berlin mit den Berliner Philharmonikern unter Leopold Ludwig Beethovens 4. Klavierkonzert G-Dur.[5]
Osborn war von 1927 bis 1938 mit Tamara Amiredjibi (* 1904 in Tiflis; † 1984 in London) verheiratet.[6] Mit ihr hatte er den Sohn Thom (* 1931 in Berlin; † 2016 in London). Anfang 1948 heiratete er June Mary Chapel (* 1920 in London; † 2006 ebendort). Mit ihr hatte er den Sohn Christopher (* 1948).[7]
Osborn starb im Alter von 51 Jahren im Bürgerspital Basel. Er wurde auf dem Cimitero di Morcote im Schweizer Kanton Tessin begraben.[8]
Kompositionen
- 2 Streichquartette
- Orgelvariationen
- Klavierstücke
- Lieder
Tondokumente
Zwischen 1928 und 1933 nahm Osborn eine Reihe von Titeln für das Label Electrola auf. Veröffentlicht wurden kürzere Klavierstücke von J. S. Bach, Beethoven, Grieg, Mozart und Tschaikowsky, eine größere Anzahl von Titeln blieb unveröffentlicht.[9]
Im Januar 1933 nahm er für Telefunken zusammen mit Georg Bertram, Bruno Eisner und Leonid Kreutzer sowie den Berliner Philharmonikern unter Heinz Unger Bachs Konzert a-Moll für vier Cembali BWV 1065 auf.
Zusammen mit Max Rostal spielte er zwischen 1945 und 1952 für Decca Records die Violin-Sonaten 1–2 und 4–10 von Beethoven ein, dazu einen Sonatensatz von Brahms (1948), sowie zeitgenössische Stücke von Benjamin Frankel und Robin Orr (1944).[10]
Literatur
- Osborn, Franz. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. Limpert, Dresden 1929, Sp. 1018 (Online). (Einträge beruhen auf Eigenauskunft der Künstler.)
- Franz Osborn. In: Wolfgang Rathert und Dietmar Schenk (Hrsg.): Pianisten in Berlin. Hochschule der Künste, Berlin 1999, ISBN 3-89462-068-4, S. 87 f.
- Osborn, Franz. In: Bruno Jahn (Bearb.): Deutsche biographische Enzyklopädie der Musik. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11586-5, S. 622 f.
Weblinks
- Kurzeintrag, Stand Februar 2018 im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)
- Franz Osborn bei AllMusic (englisch)
- Franz Osborn bei Discogs