Franz Weiling

deutscher Biologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz Weiling (* 20. September 1909 in Dülmen; † 27. Juni 1999 in Bonn) war ein deutscher Botaniker und Biometriker. Er lehrte als Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Franz Weiling, vor 1994

Leben

Franz Weiling wurde als Sohn von Franziska Weiling, geborener Wewers, und des Postbeamten Bernard Weiling im westfälischen Dülmen geboren. Nach dem naturwissenschaftlichen Abitur (1928) mit den Schwerpunkten Mathematik, Physik und Biologie studierte er ab 1929 Philosophie und Theologie in Brasilien. Nach einem darauf folgenden Studium der Botanik, Zoologie, Physik und Mathematik an der Universität Münster wurde er 1940 in Münster zum Dr. rer. nat. promoviert.

Als er 1941–1945 als Sanitäter in Lappland Kriegsdienst leistete, machte er sich mit der subarktischen Flora vertraut, deren Erforschung er sich auch zwischen 1978 und 1985 bei Studienaufenthalten in einem finnischen Forschungszentrum widmete. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Assistent am Botanischen Institut der Universität Münster, um sich 1949 am Institut für Landwirtschaftliche Botanik der Universität Bonn zu habilitieren. Zunächst als Privatdozent und ab 1957 als außerplanmäßiger Professor hielt er Vorlesungen in Botanik und war ab 1963 als Wissenschaftlicher Rat und Professor tätig. Er bearbeitete die Forschungsfelder Hybridisierungen bei Kürbisarten, In-vitro-Kultur und Gentechnologie. Dabei gelang es ihm bereits 1959, mit Hilfe künstlicher Embryonenkulturen bei bislang miteinander nicht kreuzbaren Arten fertile Nachkommen zu erzielen. 1963 wurde er Wissenschaftlicher Rat am Institut für Landwirtschaftliche Botanik.

Ein Forschungsauftrag über den Einfluss verschiedener Kulturmaßnahmen auf die quantitativen und qualitativen Ertragseigenschaften der Kulturrebe entwickelte sich zu einer umfangreichen und für den Weinbau erfolgreichen Versuchs- und Forschungstätigkeit. Als einer der führenden Biometriker wies Franz Weiling dem weinbaulichen und kellerwirtschaftlichen Versuchswesen neue Wege auf und bot spezielle Vorlesungen und Seminare an. Vorrangige Arbeitsgebiete waren die Klonen- und Sortenforschung, die Güte-Menge-Beziehung sowie weinsensorische Fragestellungen. Um das Versuchswesen wirtschaftlicher zu gestalten, begann er, rechnergesteuerte Statistik-Programme zu entwickeln. Dadurch wurde es möglich, mehrere Reb- und Weinmerkmale sowie Wirkursachen (Kulturbehandlungen, Jahre, Standorte) in die Rechenanalysen einzubeziehen.[1]

Das besondere Interesse von Franz Weiling galt der Erforschung des Lebens und des Werks von Johann Gregor Mendel (1822–1884). So veröffentlichte er 1970 einen Kommentar der Versuche J. G. Mendels. Seinen fast 300 Publikationen in den Bereichen Botanik, Genetik, Pflanzenzüchtung, Biometrie und Wissenschaftsgeschichte in über 50 wissenschaftlichen Zeitschriften des In- und Auslandes fügte er vor seinem Lebensende sechs wichtige Abhandlungen über „Gregor Mendel als Mensch und Forscher“ hinzu und galt deshalb als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Mendel-Experten. Er konnte u. a. neue Einblicke in die Forschungsmethodik Mendels geben und die von verschiedenen Kritikern erhobenen Vorwürfe der wissenschaftlichen Unredlichkeit Mendels zurückzuweisen.[2][3][4][5][6][7]

Weiling war unter anderem Mitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft, der International Biometric Society und der Gesellschaft für Wissenschaftsgesellschaft. 1987 wurde dem Emeritus für seine Verdienste um die Erforschung von Persönlichkeit und Werk Gregor Mendels von der Sankt Thomas Universität der amerikanischen Augustiner in Villanova (USA) die Ehrendoktorwürde verliehen. Im Jahr 1992 erhielt er die Goldene Mendel-Medaille für Verdienste in den biologischen Wissenschaften der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften in Prag.

Franz Weiling war katholisch, verheiratet ab 1945 mit Elisabeth Weiling, geborener Jungewelter, die Mutter von zwei Töchtern (Irmgard und Margret) und zwei Söhnen (Jürgen und Günter) wurde, und lebte in Bonn-Lengsdorf. Er starb am 27. Juni 1999 in Bonn.

Literatur

Einzelnachweise

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