Franziskanerkloster Regensburg

Ehemaliges Franziskanerkloster in Regensburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Franziskanerkloster St. Salvator Regensburg ist ein ehemaliges Kloster der Franziskaner (ordo fratrum minorum, „Minderbrüder“ oder „Minoriten“) in Regensburg im Bistum Regensburg.

Die Minoritenkirche, Teil des Historischen Museums (rechts)
Blick in die Apsis

Geschichte

Das St. Salvator geweihte Kloster wurde 1221 durch Konrad IV. von Frontenhausen, Bischof von Regensburg, zusammen mit Pfalzgraf Otto VIII. von Bayern, König Heinrich (VII.) u. a. als eines der ersten Franziskanerklöster in Deutschland gegründet. Die Brüder des 1210 in Italien gegründeten Franziskanerordens erreichten in diesem Jahr Deutschland und ließen sich zunächst in Augsburg und bald auch in Würzburg nieder.

An Stelle der ehemaligen Salvatorkapelle erbauten die Minderbrüder etwa zwischen 1255 und 1275 die Minoritenkirche als Klosterkirche. Der Chor wurde um 1350 erneuert. Die dreischiffige gotische Pfeilerbasilika ist das größte Gotteshaus des Ordens in Süddeutschland und nach der Regensburger Dominikanerkirche die größte Bettelordenskirche in dem Gebiet.

Um 1350/60 entstanden die wertvollen Glasfenster und Ende des 15. Jahrhunderts die Fresken im Langhaus und im Chor. In der Mitte des Chores befindet sich die Grabplatte des Predigers Berthold von Regensburg, der von 1226 bis zu seinem Tod 1272 dem Regensburger Minoritenkonvent angehörte.

Das Kloster gehörte zur Oberdeutschen oder Straßburger Ordensprovinz (Provincia Argentina) und ab 1625 zur aus dieser hervorgegangenen Bayerischen Franziskanerprovinz (Bavaria). 1799 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst und die Kirche profaniert. Das Kirchengebäude und große Teile des Klosters wie der Kreuzgang mit spätgotischem Klosterbrunnen sind erhalten. Die Kirche diente als Zoll- und Mauthalle, Exerzierhalle, Bauspeicher und Hotelspeicher. Die Konventgebäude des Klosters wurden als Wohnhaus und als Kaserne der Bayerischen Armee genutzt.

Die Grabplatten an den Kirchenwänden kommen von aufgelassenen Regensburger Friedhöfen. Sie wurden in den 1930er-Jahren hier aufgestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Minoritenkirche durch Bomben stark beschädigt.[1]

Orgeln

Steinmeyer-Orgel

Steinmeyer-Orgel mit ergänztem Chorwerk (Eule 2020)
Eberhard Kraus am Spieltisch der modifizierten Steinmeyer-Orgel (vor 2003)

In der Kirche steht eine geschichtsträchtige Orgel: Kurz vor dem Anschluss Österreichs plante die NSDAP im Juni 1937 im Rahmen eines Staatsaktes die Büste Anton Bruckners in der Walhalla aufzustellen. Auf der Suche nach einem angemessen großen Raum für den Festakt fiel die Wahl auf die Minoritenkirche; die NSDAP-Gauleitung ließ den Innenraum zuvor renovieren. Für die weihevolle Gestaltung der Feierstunde wurde eine Orgel bei der Firma Steinmeyer in Auftrag gegeben, aber ohne das geplante Positiv und Fernwerk verwirklicht. Die Mittel für die Orgel und den Ausbau der Kirche hatte Adolf Hitler persönlich bewilligt. Das unvollendete Instrument erklang zum ersten Mal am 6. Juni 1937 bei einem Konzert in Anwesenheit von Hitler, Siebert und anderer hochrangiger Parteigenossen. Es wurde vom Reichssender Berlin deutschlandweit live übertragen.[2]

Die Kirche wurde ab 1952 in den Sommermonaten im Rahmen der Sonntäglichen Orgelstunden von Eberhard Kraus wieder belebt. Dabei wurde die Orgel über 50 Jahre bei etwa 1.100 Konzerten genutzt.[3]

Das Instrument wurde 1936 als Opus 1627 nach einem Dispositionsentwurf von Carl Thiel erbaut. 1964 erfolgte eine Erweiterung mit zwei neuen Registern im Schwellwerk durch Eduard Hirnschrodt, 1979 die Ergänzung um ein sich an der Disposition des bislang nicht realisierten II. Manuales orientierendes Rückpositiv durch Weise, jeweils nach Entwürfen von Eberhard Kraus. Kraus Planungen sahen auch noch ein Fernwerk/Hornwerk mit Starktonregistern und ein neobarockes Teilwerk im vorderen Bereich vor.[4] Im heißen Sommer 2003 wurde die Orgel durch die intensive Sonneneinstrahlung beschädigt. Eine Restaurierung und Ergänzung durch die Orgelbaufirma Hermann Eule (fachlich begleitet von Norbert Düchtel) in Anlehnung an das originale Konzept Steinmeyers (vgl. geplante und frühere Disposition unten) wurde im Oktober 2020 vollendet; dabei wurde das Rückpositiv von 1979 außer Funktion gesetzt.[5] Im November 2022 wurde bekannt, dass das Instrument nicht spielbar ist und eine Expertenkommission zur Untersuchung der Probleme eingesetzt wurde.[6]

I Hauptwerk C–g3[A 1]
1.Bourdun16′
2.Prinzipal8′
3.Dulciana8′
4.Harmonieflöte8′
5.Rohrflöte8′
6.Oktav4′
7.Kleingedackt4′
8.Quinte223
9.Oktav2′
10.Sifflöte1′
11.Kornett III–V8′
12.Mixtur IV–VI113
13.Trompete8′
I Fernwerk C–g3[A 2]
1.Zartgedackt16′
2.Gemshorn8′
3.Gemshorn celeste8′
4.Echobourdun8′
5.Russisch Horn4′
6.Salizet4′
7.Vox humana8′
Tremulant
II Chororgel C–g3[A 3]
1.Gedacktbass (P)16′
2.Prinzipal8′
3.Gedeckt8′
4.Quintatön8′
5.Spitzflöte8′
6.Oktav4′
7.Nachthorn4′
8.Quintflöte223
9.Blockflöte2′
10.Terz135
11.Nasat113
12.Zimbel III1′
13.Rankett16′
14.Krummhorn8′
15.Geigenregal4′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3[A 4]
1.Quintade16′
2.Prinzipal8′
3.Gambe8′
4.Salicional8′
5.Vox coelestis8′
6.Jubalflöte8′
7.Prinzipal4′
8.Traversflöte4′
9.Sesquialter223
10.Waldflöte2′
11.Plein jeu V2′
12.Basson16′
13.Trompette harmonique8′
14.Oboe8′
Tremulant
Pedal C–f1[A 5]
1.Principal16′
2.Subbaß16′
3.Zartbaß16′
4.Quintbaß1023
5.Oktavbaß8′
6.Baßflöte8′
7.Choralbaß4′
8.Flachflöte2′
9.Rauschpfeife IV223
10.Posaune16′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln (als Tritte und Drücker unter dem I. Manual): I an P, II an P, III an P, II an I, III an I, III an II
    • Oktavkoppeln: Super I, Sub III an I, Super III an I, Sub III, Super III, Super III an P, Sub FW, Super FW
  • Spielhilfen: Setzeranlage (2020), 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Walze, Fernwerk an, Schwelltritt III, Schwelltritt FW
  • Anmerkungen:
  1. Westempore.
  2. Dachboden, Nord-Lettner links.
  3. Nord-Lettner, links.
  4. Unter der Westempore links.
  5. Westempore.
Die ursprünglich geplante Disposition[7]
I Hauptwerk C–g3
1.Bourdun16′
2.Prinzipal8′
3.Dulciana8′
4.Harmonieflöte8′
5.Rohrflöte8′
6.Oktav4′
7.Kleingedackt4′
8.Quinte223
9.Oktav2′
10.Sifflöte1′
11.Kornett V
12.Mixtur IV–VI113
13.Trompete8′
II Positiv C–g3
14.Prinzipal8′
15.Gedackt8′
16.Quintatön8′
17.Spitzflöte8′
18.Oktav4′
19. Nachthorn[8]
20.Blockflöte2′
21.Nasard113
22.Cymbel12
23.Rankett16′
24.Krummhorn8′
25.Geigendregal4′
III Schwellwerk C–g3
26.Quintade16′
27.Prinzipal8′
28.Gambe8′
29.Salicional8′
30.Vox coelestis8′
31.Jubalflöte8′
32.Prinzipal4′
33.Traversflöte4′
34.Sesquialter223′ + 113
35.Waldflöte2′
36.Plein jeu V2′
37.Basson16′
38.Trompette harmonique8′
39.Klarine4′
Tremulant
III Fernwerk C–g3
40.Gedecktbaß16′
41.Gemshorn8′
42.Gemshorn celeste8′
43.Echobourdun8′
44.Russisch Horn4′[9]
45.Salizet4′
46.Waldflöte2′
47.Terzian135
48.Vox humana8′
Tremulant
Pedal C–f1
49.Principal16′
50.Subbaß16′
Zartbaß16′
51.Quintbaß1023
52.Oktavbaß8′
53.Baßflöte8′
54.Choralbaß4′
55.Flachflöte2′
56.Rauschpfeife IV223
57.Posaune16′
Die Disposition von 1979–2017:[10]
I Hauptwerk C–g3
1.Bourdun16′
2.Prinzipal8′
3.Dulciana8′
4.Harmonieflöte8′
5.Rohrflöte8′
6.Oktav4′
7.Kleingedackt4′
8.Quinte223
9.Oktav2′
10.Sifflöte1′
11.Kornett V
12.Mixtur IV–VI113
13.Trompete8′
II Rückpositiv C–g3
14.Gedackt8′
15.Quintatön8′
16.Prinzipal4′
17.Nachthorn4′
18.Schwiegel2′
19.Carillon IV113
20.Terzzimbel III12
21.Krummhorn8′
22.Geigendregal4′
III Schwellwerk C–g3
23.Quintade16′
24.Prinzipal8′
25.Gambe8′
26.Salicional8′
27.Vox coelestis8′
28.Jubalflöte8′
29.Prinzipal4′
30.Traversflöte4′
31.Sesquialter II223′ + 113
32.Waldflöte2′
33.Plein jeu V2′
34.Scharff IV1′
35.Hölzern Glächter III211
36.Basson16′
37.Trompette harmonique8′
38.Klarine4′
Tremulant
Pedal C–f1
39.Principal16′
40.Subbaß16′
Zartbaß16′
41.Quintbaß1023
42.Oktavbaß8′
43.Baßflöte8′
44.Choralbaß4′
45.Flachflöte2′
46.Rauschpfeife IV223
47.Posaune16′

Schwalbennestorgel

Schwalbennestorgel

Bei der Restaurierung der Kirche wurden an der Nordwand Spuren wie Aussparungen, Türdurchlass, Spuren der Blasebalghalterungen, im Putz die Schwalbennestkontur sowie auf den spätgotischen und manieristischen Wandmalereien entdeckt, was auf das frühere Vorhandensein einer Schwalbennestorgel hindeutete. 1989 wurde daher unter finanzieller Hilfe des Siemens Kunst Fonds von Orgelbau Bernhardt Edskes ein Instrument rekonstruiert, welches auf einen Dispositionsentwurf von Caspar Sturm aus dem Jahr 1583 basiert.[11] Die Orgel kann über drei handgezogene Keilbälge, aber auch alternativ mit einem elektrischen Schleudergebläse betrieben werden. Die Disposition lautet:[12]

I (Manual) CD–c3
1.Gedeckter Coppel(bass)8′
2.Principal4′
3.Quinta223
4.Octava2′
5.Terza135
6.Duodecima113
7.Mixtur III
II (Oberpositiv) CD–c3
8.Regal8′
9.Flautten4′
10.Gemshorn2′
Pedal CDEFGA–a0
11.Posaune8′

Cuntz-Orgel

Cuntz-Positiv

Nicht stationär gebunden steht im Raum ein Positiv von Stephan Cuntz aus dem Jahr 1627. Ursprünglich wurde es erbaut für ein Nürnberger Patrizierhaus und ist die älteste erhaltene Orgel der Oberpfalz. Das Werk ist im Oberteil des zweiteiligen Renaissance-Gehäuses untergebracht und ist bekrönt von einer Volutenkartusche. Die Tastatur mit gebrochener Oktave und den Subsemitonien (Fis, Gis, dis0, dis1, dis2) und die Prospektpfeifen, die von reich geschnitzten und vergoldeten Schleierbrettern eingerahmt sind, befinden sich hinter einer Flügeltür. Das Instrument wurde 2015 von der Orgelbaufirma Hermann Eule umfassend restauriert.[13][14] Dabei wurde vor allem die historische Balganlage rekonstruiert.[15] Die Disposition der mechanischen Schleifladenorgel mit Stechermechanik lautet:[16]

Manual CDE–e3
1.Copula8′
2.Flauto4′
3.Copula4′
4.Prinzipal2′ (Prospekt)
5.Octav1′
6.Regal8′
  • Stimmtonhöhe bei 15 °C: a1 = 449 Hz
  • Temperatur: mitteltönig

Heutige Nutzung

Heute sind die Gebäude in das Historische Museum Regensburg integriert. Die Minoritenkirche wird auch für Konzerte und Ausstellungen genutzt, so beispielsweise im Jahr 2014 für die Bayerische Landesausstellung. Von 2010 bis 2020 war Norbert Düchtel Kustos der Orgeln.[17] Er begründete dort die Konzertserie Sonntägliche Orgelmatinee, in der die Orgeln regelmäßig bespielt werden.

Einmal im Jahr, am Gedenktag des seligen Franziskanerpredigers Berthold von Regensburg am 14. Dezember, findet ein Gottesdienst mit dem Bischof von Regensburg in der Minoritenkirche statt. Diese Messe muss mangels Technik ohne elektrisches Licht und Mikrofonanlagen gefeiert werden.

Literatur

  • Anneliese Hilz: Die Minderbrüder von St. Salvator in Regensburg 1226–1810. (= Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. 25). Regensburg 1991, DNB 920705561.
  • Wilhelm Weber: Regensburg. Minoritenkirche St. Salvator. Ehem. Klosterkirche. (= Kleine Kunstführer. Nr. 2819). Schnell & Steiner, Regensburg 2012, DNB 1036634493.
  • Michael Wackerbauer: Die Musikinstrumente im Historischen Museum der Stadt Regensburg. (= Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte 18). Universitätsverlag Regensburg, Regensburg 2009, DNB 997012633
Commons: Franziskanerkloster Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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