Französisch-Marokko

französisches Protektorat (von 1912 bis 1956) From Wikipedia, the free encyclopedia

Französisch-Marokko (französisch Maroc français) war von 1912 bis 1956 ein französisches Protektorat in Marokko. Es umfasste das heutige Staatsgebiet von Marokko mit Ausnahme von Spanisch-Marokko und der Internationalen Zone von Tanger.

Protektorat Französisch-Marokko
Protektorat Spanisch-Marokko (mit dem Kap-Juby-Streifen)
Frankreich mit Kolonien
Spanien mit Kolonien
Internationale Zone von Tanger

Geschichte

Obligation über 500 Francs des französischen Protektorats Marokko vom 1. März 1918

Frankreich und der Sultan von Marokko einigten sich im Vertrag von Fès vom 30. März 1912 auf die Errichtung eines französischen Protektorates in Marokko mit Ausnahme von Tanger. Staatsoberhaupt blieb offiziell der Sultan. Spanien erhielt mit Abschluss des französisch-spanischen Vertrags vom 27. November 1912 von Frankreich eine eigene Einflusszone im Norden Marokkos (Zone d’influence espagnole) zugesprochen, Tanger wurde Zentrum eines internationalen entmilitarisierten Gebietes.

Hauptstadt von Französisch-Marokko wurde Rabat, wohin der bislang in Marrakesch residierende Sultan verlegt wurde.[1] Erster französischer Generalresident war von 1912 bis 1925 Louis-Hubert Lyautey, der 1921 zum Marschall von Frankreich ernannt wurde.[2] Die Protektoratsverwaltung beließ den Sultan und den Machzen formal im Amt, während die tatsächliche Macht bei der Residentur lag (Form der indirekten Herrschaft).[1]

Unter der französischen Verwaltung wurden Eisenbahnen, Straßen, Häfen, Bergwerke sowie Schulen und Krankenhäuser errichtet; der Ausbau war vorrangig auf die koloniale Wirtschaft und die Bedürfnisse der europäischen Siedler ausgerichtet, so dass eine duale Wirtschaft mit ungleicher Teilhabe der marokkanischen Bevölkerung entstand.[3] Nach den von Lyautey vorgegebenen und maßgeblich von Henri Prost geplanten Stadtkonzepten entstanden neben den bestehenden Medinas (Altstädten) getrennte europäische Neustädte (villes nouvelles). Die Altstädte blieben weitgehend der marokkanischen Bevölkerung vorbehalten, was eine räumliche Trennung von Europäern und Marokkanern festschrieb.[1][3] Am Rand der wachsenden Städte bildeten sich Elendsviertel (bidonvilles).[3]

1930 erließ die Protektoratsmacht den sogenannten Berber-Dahir, der die berbersprachige Bevölkerung einem eigenen Gewohnheitsrecht unterstellte und so von den arabischsprachigen Marokkanern abzugrenzen suchte. Die Maßnahme stieß auf breiten Widerstand und gilt als ein Auslöser der marokkanischen Nationalbewegung.[1]

Die militärische Durchdringung des Landesinneren stieß auf bewaffneten Widerstand und war erst 1934 abgeschlossen.[4] 1921 brach im spanischen Protektorat unter der Führung von Abd el-Krim der Aufstand der Rifkabylen aus, der sich zum Rifkrieg ausweitete und auch auf Französisch-Marokko übergriff. Erst 1926 gelang es französischen und spanischen Truppen gemeinsam, den Aufstand niederzuschlagen.[4]

Sultan Mohammed V., der seinem Vater 1927 nachgefolgt war, näherte sich im Laufe der Zeit der Unabhängigkeitsbewegung an.[5] 1943 wurde die Istiqlal-Partei gegründet,[6] die im Januar 1944 in einem Manifest die Unabhängigkeit Marokkos forderte.[7] 1953 setzten die französischen Behörden Mohammed V. ab und schickten ihn ins Exil – zunächst nach Korsika, dann nach Madagaskar – und setzten Mohammed Ben Arafa als Sultan ein. Die Absetzung verstärkte den Widerstand; im November 1955 durfte Mohammed V. nach Marokko zurückkehren.[5]

Am 2. März 1956 wurde Französisch-Marokko und am 7. April 1956 Spanisch-Marokko in die Unabhängigkeit entlassen.[8] Mohammed V. nahm 1957 den Titel eines Königs an.[5]

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

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