Frederick Douglass

US-amerikanischer Abolitionist und Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Frederick Douglass (* als Frederick Augustus Washington Bailey, wahrscheinlich am 14. Februar 1818[1] auf einer Plantage bei Hillsboro im Talbot County, Maryland; † 20. Februar 1895 in Washington, D.C.) war ein entflohener amerikanischer Sklave, Abolitionist, Menschenrechtsaktivist, Politiker und Publizist. Er gilt als einflussreichster Afroamerikaner des 19. Jahrhunderts.[2]

Frederick Douglass
Signatur
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Frederick Douglass um 1850

Leben

Herkunft und frühe Jahre

Da Frederick Douglass als Kind einer Sklavin, Harriet Bailey, zur Welt kam, wurde sein genaues Geburtsdatum nirgendwo festgehalten. Seine Großeltern mütterlicherseits waren Isaac und Betsey Bailey.[3] Er selbst konnte sein ungefähres Alter nur schätzen, da er seinen Sklavenhalter 1835 sagen hörte, er sei um die 17 Jahre alt. Er erinnerte sich später, dass seine Mutter ihn „Little Valentine“ genannt hatte, und feierte seinen Geburtstag daher am 14. Februar, dem Valentinstag. Der Februar 1818 gilt als wahrscheinlicher Monat seiner Geburt.[4][5] Als Geburtsort nannte er in seiner ersten, 1845 veröffentlichten Autobiographie Tuckahoe bei Hillsboro in Maryland. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Farm seines ersten Sklavenhalters Aaron Anthony in der Nähe des Tuckahoe Creek. Heute befindet sich dort der Frederick Douglass Park on the Tuckahoe[6].

Douglass wurde schon kurz nach seiner Geburt von seiner Mutter getrennt und sah sie in seinem Leben nur wenige Male nachts, weil sie als Feldarbeiterin an Mister Stewart verdingt war, der etwa zwölf Meilen entfernt wohnte.[7][8] Sie starb, als er etwa sieben Jahre alt war und bei seiner Großmutter, Betty Bailey, lebte. Douglass erlangte nie Gewissheit darüber, wer sein Vater war. Laut einem Gerücht, das er in seiner Autobiographie erwähnt, war es Aaron Anthony (1767–1826) selbst, sein Sklavenhalter und der seiner Mutter. Nach Anthonys Tod 1826 „erbten“ dessen Tochter Lucretia Planner Anthony (1804–1827) und ihr Mann Thomas Auld den jungen Douglass. Als weitere Geschwister galten auch Perry Bailey (1813–1878) und Eliza Bailey Mitchell (1816–1881).[9]

Bereits 1825 war er als Haussklave nach Baltimore zu Hugh Auld geschickt worden, dem Bruder Thomas Aulds. Dessen Gattin Sophia beschrieb er als eine „freundliche und warmherzige Frau“, die ihn „in der Einfachheit ihres Herzens“ so behandelte, „wie nach ihrem Verständnis menschliche Wesen einander behandeln sollten.“[10] Bis ihr Mann dies unterband, lehrte Sophia Auld ihn Lesen und Schreiben. Danach ließ er sich insgeheim weiter unterrichten, von weißen Kindern in Baltimore, zu denen er Kontakt hatte.

Flucht aus der Sklaverei, Ehe und Familie

Anna Murray-Douglass, die Ehefrau von Douglass 44 Jahre
Von Douglass existieren 160 Fotografien[11], diese wurde um 1879 aufgenommen

Bereits als junger Sklave begann Douglass, sich gegen Hunger und Züchtigungen aufzulehnen. Nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen[12] gelang es ihm, sich 1838 den Schutzbrief eines Seemanns auszuleihen, sein zukünftige Frau gab ihm das Geld und die passende Uniform dazu. Damit gelang ihm die Flucht in die Freiheit, und er ging nach New York. Dort änderte er seinen Namen, wie das bei entkommenen Sklaven üblich war, in Frederick Douglass. Im Haus des Abolitionisten David Ruggles heiratete er am 15. September 1838, elf Tage nach seiner Ankunft in New York, Anna Murray (1813–1882), eine freie Hausangestellte, die er in Baltimore kennengelernt hatte, und die er nach New York nachkommen ließ. Um als Flüchtling seine Identität zu verschleiern, änderte er seinen Nachnamen zunächst in Stanley, dann in Johnson und schließlich in Douglass, als sie nach New Bedford, Massachusetts, zogen.[13]

Das Paar hatte fünf Kinder, die älteste Tochter war Rosetta Douglass, die ihm bereits als Mädchen in seiner Zeitungsdruckerei in Rochester, New York, half.[14] Die Rollenverteilung in der Familie war traditionell, seine Ehefrau Anna kümmerte sich um den Haushalt, die Kinder und die vielen Gäste, die sie zu beherbergen hatte. Sie lernte nicht lesen, sie trat auch nicht mit ihm in der Öffentlichkeit auf, und in seinen Büchern erwähnte er sie kaum. Nachdem Anna im August 1882 nach einem arbeitsreichen Leben und vierundvierzigjähriger Ehe gestorben war, heiratete er im Januar 1884 die weiße, um zwanzig Jahre jüngere Suffragette Helen Pitts, was in der Familie und in der Öffentlichkeit sehr kontrovers aufgenommen wurde.[15]

Wirken als Abolitionist

Durch die Zeitung The Liberator, die dem berühmten Abolitionisten William Lloyd Garrison, erfuhr er von den Versammlungen der Sklavereigegner. Garrison war begeistert von Douglass rhetorischer Begabung und Geschick, als er ihn erzählen hörte.[16] Auf Anfrage sprach er 1840 auf einer Versammlung der Abolitionisten in Nantucket, Massachusetts, über seine Erfahrungen in der Sklaverei. Hiermit legte er den Grundstein für seine folgenden Auftritte als hauptberuflicher Redner gegen die Sklaverei. Ebenso wurde er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte 1845 sein erstes Buch Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave, das binnen vier Monaten 5000-mal verkauft wurde und bis Ende 1847 in neun Ausgaben erschien.[11] Neben einer Anzahl Essays, gedruckter Briefe und Reden erschienen 1855 und 1881 weitere Autobiografien, letztere 1892 nochmals in überarbeiteter Form.[11]

1845 reiste Douglass nach Großbritannien und Irland, wo er zusammen mit dem Abolitionisten William Lloyd Garrison Vorträge über die Sklaverei hielt, englische Freunde Geld sammelten und ihn aus der Sklaverei „freikauften“.[17] Während dieser Reise organisierte er zusammen mit schottischen Abolitionisten eine Kampagne gegen die Free Church of Scotland wegen deren Entscheidung, Gelder von Sklavenhaltern anzunehmen. Das dadurch entstandene öffentliche Aufsehen zwang auch die 1846 in London stattfindende Gründungskonferenz der Evangelical Alliance, das Thema Sklaverei aufzugreifen, was in einer tiefgreifenden Spaltung der Konferenz mündete. Daraufhin kritisierte Douglass in einer in London vor der Anti-Slavery League gehaltenen Rede (“Slavery in the Pulpit of the Evangelical Alliance”), dass zwar Sklavenhalter zur Konferenz der Evangelical Alliance eingeladen wurden, aber keine Quäker, die sich stark im Kampf gegen die Sklaverei engagiert hätten. Die Familie Douglass gehörte einer Methodistenkirche an, aber sein Verhältnis war nicht innig.[18] Denn er wies auch auf die Beziehung zwischen Sklaverei und Christentum in den USA hin und beklagte, dass die Kirchen die stärksten Verbündeten des Sklavereisystems im Süden der USA seien.[19][20]

In den folgenden Jahren, am 3. Dezember 1847, konnte er mit finanzieller Unterstützung aus England die Wochenzeitung The North Star gründen, die bald eine Auflage von 800 Exemplaren hatte.[21][22] Das Motto von Douglass war: Right is of no Sex – Truth is of no Colour (deutsch: Recht hat kein Geschlecht − Wahrheit keine Farbe). 1851 wurde sie mit der Liberty Party Paper fusioniert, die bis 1860 Bestand hatte. 1859 bis 1863 kamen noch die Douglass’ Monthly und 1870 bis 1874 New National Era dazu.[23] Mit all diesen Publikationen kämpfte er für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit.[24] 1848 nahm er als einziger afroamerikanischer Mann an der Versammlung für die Gleichberechtigung der Frauen in Seneca Falls[25] teil und warb 1863 schwarze Soldaten für die Armee der Nordstaaten. Am 5. Juli 1852, als noch etwa 3,5 Millionen schwarze Amerikaner in den USA versklavt waren, das waren damals 14 %, hielt er eine Ansprache, was der Unabhängigkeitstag für Sklaven bedeuten würde. Dabei prangerte er die Heuchelei, Bigotterie und Unmenschlichkeit vieler Amerikaner an.[26]

Nach dem Aufstandsversuch John Browns bei Harpers Ferry im Oktober 1859 wurde Douglass der Mitwisserschaft verdächtigt und musste untertauchen. Seine deutsche Übersetzerin Ottilie Assing versteckte ihn in dem von ihr bewohnten Boardinghouse in Hoboken und verhalf ihm zur Flucht, warnte seine Familie durch ein verschlüsseltes Telegramm und besorgte konspirative Post über einen deutschen Mittelsmann.[27] Für seine Verdienste um den Abolitionismus vermachte Assing, die zeitlebens mit ihm eng befreundet und Mitarbeiterin seiner Zeitung The New National Era war, Frederick Douglass für die Zeit seines Lebens die Kapitalzinsen ihres Vermögens.[28]

1864 erhielt Douglass eine zweite Audienz bei Abraham Lincoln, wobei er sich für die Gleichberechtigung der schwarzen Soldaten in der Armee einsetzte. 1865 wurde er zum Marshall im District of Columbia ernannt.[29] 1870 war er der Hauptredner bei den Feierlichkeiten zur Ratifizierung des 15. Verfassungszusatzes. 1872 wurde er in Abwesenheit von der Equal Rights Party[30] als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von Victoria Woodhull bei den Präsidentschaftswahlen nominiert;[31] allerdings waren die Stimmen für die erste kandidierende Frau wegen Nichterreichens des nötigen Alters ungültig. Im gleichen Jahr brannte ihr Haus in Rochester nieder, wodurch sie Hab und Gut im Wert von 4.000 Dollars verloren, wozu auch der wertvolle Drucksatz für die The North Star Zeitung und weitere Publikationen gehörte. Danach zogen sie nach Washington, D.C. um.[32]

Späte Jahre

Als Vollendung seines Einsatzes für die Gleichberechtigung wurde Douglass 1891 von Präsident Benjamin Harrison als Nachfolger von John E. W. Thompson zum Gesandten und Generalkonsul in der Republik Haiti ernannt.[33]

Douglass starb 1895 im Alter von 77 Jahren.[34] Sein Grab befindet sich auf dem Mount Hope Cemetery in Rochester, New York in der Sektion T und Feld 26.[35]

Familie

Douglass heiratete 1838 Anna Murray (1813–1882) und 1884 Helen Pitts (1838–1903). Aus der ersten Ehe entstammten folgende Kinder: Rosetta Douglass Sprague (1839–1906), Lewis Henry Douglass (1840–1908), Frederick Douglass Junior (1842–1892), Charles Remond Douglass (1844–1920) und Anna Douglass (1849–1860).[36]

Ehrungen

  • 1950 wurde die Frederick Douglass Memorial Bridge in Washington D.C. fertiggestellt.
  • Sein Haus in Anacostia (Washington, D.C.) ist Teil des National Park Systems.
  • 1965 wurde eine Briefmarke der US Post mit Douglass’ Bild in der Serie Große Amerikaner herausgebracht.
  • 2013 wurde im Washingtoner Kapitol (in der Emancipation Hall des Besucherzentrums) eine Douglass-Statue aufgestellt. Die Emancipation Hall war 2007 zum Gedenken an die Sklavenarbeiter errichtet worden, die das Kapitol bauten.[37]

Darstellung in der Kunst

Schriften (Auswahl)

Literatur

  • Linda Diane Barnes: Frederick Douglass. Reformer and statesman. Routledge, New York 2013, ISBN 978-0-415-89111-0.
  • David W. Blight: Frederick Douglass: Prophet of Freedom. Simon & Schuster, New York 2018, ISBN 978-1-4165-9031-6.
  • Nicolas Buccola: The political thought of Frederick Douglass: in pursuit of American liberty. New York University 2012, ISBN 978-1-4798-6749-3.
  • Maria Diedrich: Love Across Color Lines. Ottilie Assing & Frederick Douglass. Hill and Wang, New York 1999, ISBN 0-8090-1613-3 (englisch).
  • Philip Sheldon Foner: Frederick Douglass: a biography. Citadel, New York 1964.
  • Leigh Fought: Women in the World of Frederick Douglass. 2017.
  • Shirley Graham Du Bois: There was once a slave: the historic story of Frederick Douglass. Messner, New York 1947.
  • James M. Gregory: Frederick Douglass the Orator. Willey, 1893.
  • Nathan Irvin Huggins: Slave and citizen: the life of Frederick Douglass. Little Brown, Boston 1980, ISBN 0-316-38000-8.
  • Robert S. Levine: The lives of Frederick Douglass. Harvard University Press, Cambridge 2016, ISBN 978-0-674-05581-0.
  • William S. McFeely: Frederick Douglass. Norton, New York 1991, ISBN 0-393-02823-2.
  • Douglas T. Miller: Frederick Douglass and the fight for freedom. Facts on File, New York 1988, ISBN 0-8160-1617-8.
  • Benjamin Quarles: Frederick Douglass. DaCapo, New York 1997, ISBN 0-306-80790-4.
  • Timothy Sandefur: Frederick Douglass: Self-made man. Cato Institute 2018, ISBN 978-1-944424-85-5.
  • Booker T. Washington: Frederick Douglass. Chronology Seite 11 ff. Publisher: G. W. Jacobs & Company, Philadelphia 1907 (archive.org).
  • Hendrikje Schauer, Marcel Lepper: Brontë, Douglass, Marx und Stone. Parallele Leben. Berlin / Weimar 2018, ISBN 978-3-9819406-0-2. (mit Chronologie, Register).

Einzelnachweise

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