Freii

deutsches Präventionsprogramm zur Förderung eines bewussten Umgangs mit digitalen Medien bei Jugendlichen From Wikipedia, the free encyclopedia

freii ist ein deutsches Präventionsprogramm zur Förderung eines bewussten Umgangs mit digitalen Medien bei Jugendlichen. Zentrales Element ist eine App, die Jugendliche über ein 21-tägiges Programm mit Videos, Aufgaben und Quizformaten begleitet und dabei auch Eltern einbezieht.[1]

Schnelle Fakten Basisdaten ...
freii
Basisdaten
Erscheinungsjahr 2025
Betriebssystem iOS, Android
Kategorie Prävention / Medienkompetenz
Lizenz Propritär
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Das Programm wurde von der Villa Schöpflin, einem gemeinnützigen Zentrum für Suchtprävention im baden-württembergischen Lörrach, entwickelt. Es richtet sich an Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte und wird sowohl in Familien als auch im schulischen Kontext eingesetzt. Die App ist kostenlos über die Google Play und den AppStore von Apple verfügbar. Zusätzlich wird eine Webversion angeboten. Für die Nutzung ist ein Account bei freii Voraussetzung.

Konzept

Im Mittelpunkt des Programms steht die freii-App, ein 21-tägiges Programm für Jugendliche und Eltern. Während dieser Zeit erhalten die Teilnehmenden täglich kurze Aufgaben, Quizfragen und Informationsimpulse zur Mediennutzung.[2]

Die einzelnen Einheiten dauern wenige Minuten und sollen dazu anregen, das eigene Mediennutzungsverhalten zu reflektieren. Neben Informationsinhalten enthält die App Challenges und Gesprächsimpulse für Jugendliche und Eltern.[3]

freii Guides

Ein zentrales Element der App sind vier junge Moderationsfiguren, die sogenannten freii Guides: Melina, Kiana, Dennis und Luis. Sie begleiten in täglichen Videos und Sprachnachrichten die Jugendlichen durch Quizfragen und Challenges und führen durch das Programm.[4]

Die vier jungen Guides sollen zur Akzeptanz unter Jugendlichen beitragen: Medienberichte beschreiben, dass viele Nutzer die Guides eher wie ältere Geschwister oder ältere Freunde wahrnehmen, die sie durch das Programm begleiten.[5]

Einbeziehung der Eltern

Das Programm richtet sich ausdrücklich auch an Eltern und andere Erziehende. Neben dem Jugendprogramm enthält die App einen eigenen Bereich mit Informationsbeiträgen und Aufgaben für Erwachsene; während die Kinder und Jugendlichen über Internetnutzung lernen, erhalten Eltern dort Tipps zur Medienerziehung.[6]

Die Inhalte sollen Gespräche über Mediennutzung innerhalb der Familie anregen; für den schulischen Einsatz wird das Programm zudem als Brücke zwischen Fachkraft, Schule und Familie bezeichnet.[7]

Die Videoinhalte für Eltern werden unter anderem vom Arzt und Wissenschaftskommunikator Eckart von Hirschhausen moderiert.[8]

Entwicklung

Die Entwicklung des Programms begann 2021 auf Grundlage einer Bedarfsanalyse der Villa Schöpflin und der Schöpflin Stiftung. Ziel war es, ein softwarebasiertes Präventionsangebot zu entwickeln, das Jugendliche und Eltern gemeinsam anspricht.[9]

2022 wurde ein interdisziplinäres Team von Fachleuten aus Wissenschaft, Praxis, UX-Design, Softwareentwicklung und Medienproduktion zusammengestellt. Erste Konzepte wurden in Workshops unter Beteiligung von Lehrkräften, Eltern und Schülern entwickelt.[10]

Seit 2025 fördern die Beisheim Stiftung und die Schöpflin Stiftung das Projekt gemeinsam.[11]

Wissenschaftliche Evaluation

Machbarkeitsstudie 2024

Im ersten Halbjahr 2024 wurde das Programm im Rahmen einer wissenschaftlich begleiteten Implementierungs- bzw. Machbarkeitsstudie erprobt. Die Studie fand an acht Schulen mit 27 Klassen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz statt. Insgesamt nahmen mehr als 600 Schüler teil; zusätzlich wurden Eltern sowie beteiligte Fachkräfte befragt.[12]

Laut den veröffentlichten Projektergebnissen zeigte die Untersuchung eine hohe Akzeptanz des Programms: 47 % der befragten Jugendlichen gaben an, ihr Freizeitverhalten verändern zu wollen, und 41 % berichteten, stärker über ihre eigene Mediennutzung nachzudenken.[13]

Effektstudie 2025

2025 folgte eine bundesweite Effektstudie, die mehrere tausend Jugendliche sowie deren Eltern einbezog und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wurde.[14]

Laut den veröffentlichten Ergebnissen berichteten 44 % der Jugendlichen, durch die Teilnahme motiviert worden zu sein, ihr Freizeitverhalten zu verändern. Zudem wurden Wissenszuwächse zu Themen wie Internetnutzungsstörungen und Funktionsmechanismen digitaler Plattformen sowie Verbesserungen sozialer Handlungskompetenzen festgestellt.[15]

Medienberichte griffen die Evaluation auf und berichteten über Hinweise auf Veränderungen im Mediennutzungsverhalten der teilnehmenden Jugendlichen.[16]

Einsatz in Schulen

Neben der Nutzung durch Familien wird freii auch im schulischen Kontext eingesetzt. Das Programm beginnt in der Regel mit einem Einführungsworkshop, gefolgt von der 21-tägigen Nutzung der App im Alltag der Teilnehmenden. Anschließend findet ein Abschlussworkshop statt.[17]

Die Workshops werden von geschulten Fachkräften aus der Suchtprävention oder der Schulsozialarbeit durchgeführt.

Langfristig ist geplant, das Programm bundesweit zu verbreiten. Nach Angaben der Projektverantwortlichen sollen bis Ende 2028 rund eine Million Schüler erreicht werden.[18]

Begleitende Medienangebote

Neben der App betreibt das Projekt mehrere Social-Media-Kanäle.[19]

Auf einem YouTube-Kanal erläutern die freii Guides digitale Plattformen und Anwendungen, die von Jugendlichen genutzt werden, darunter soziale Netzwerke, Videoplattformen und Online-Spiele. Die Videos richten sich vor allem an Eltern und pädagogische Fachkräfte.

Ein TikTok-Kanal richtet sich an Jugendliche und thematisiert Freizeitaktivitäten abseits von Smartphone und sozialen Medien.

Medienresonanz

Über das Projekt berichteten unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, heise online, der SWR, der Bayerische Rundfunk.[20]

Die App wurde außerdem im ZDF-Mittagsmagazin sowie im ZDF-Kinderformat logo! vorgestellt.[21][22]

Auch in der Hauptausgabe der Tagesschau wurde über das Projekt berichtet.[23]

Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck, stellte die App im März 2026 in Berlin vor.[24]

Einzelnachweise

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