Fretzow
Mittelalterliche Siedlung in Brandenburg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Fretzow ist eine abgegangene mittelalterliche Siedlung im Gebiet des heutigen Ortsteils Stücken[1] der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.
Geografische Lage
Fretzow lag südlich von Stücken. Das Gebiet erscheint in späteren Flurnamen unter Bezeichnungen wie Stückensche Wendemark, Writzen Feldt oder Wreetzen Mark. Die Lage ist in der Ichnographie von 1682 dokumentiert.
Geschichte und Etymologie
Der Ortsname ist in unterschiedlichen Formen überliefert, darunter Fretzow, Freytzow (1375), Writzen bzw. Wretz (1470), sowie im 19. Jahrhundert Wreetzen Mark, große Wreetzstücke und kleine Wreetzstücke (1835). Die Namensformen deuten auf eine ältere slawische Wurzel hin; ein Zusammenhang mit der Flurbezeichnung Stückensche Wendemark gilt als wahrscheinlich. Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Ort, wo Heidekraut wächst“[2].
Vom frühen 15. Jahrhundert bis nach 1644 waren Teile der Feldmark im Besitz der von Oppen, die über elf Hufen verfügten. 1470 wurden außerdem die von Beerfelde sowie Wittbrietzen als Inhaber von Feldmark und wüster Dorfstätte mit insgesamt 14 Hufen genannt.
Fretzow wurde erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. genannt und war zu diesem Zeitpunkt bereits wüst. Für das Dorf wurden 30 Hufen angegeben, von denen 15 in einer besonderen Relation zu Stücken standen: Auf zwei Hufen in Stücken kam jeweils eine Hufe aus Fretzow. Weitere sechs Hufen gehörten zu Kähnsdorf; die restlichen Hufen waren verpachtet. 1412 und 1441 erschienen die Flächen als Wrisenicz- bzw. Wryozenis-Hufen, die den Bauern von Stücken zugerechnet werden. 1470 wurde die Feldmark und wüste Dorfstätte zu Wretz im Zusammenhang mit Flächen bei dem Seddin gelegen erwähnt.
1625 besaßen die Einwohner von Kähnsdorf freie Hute und Nutzungsrechte auf der Feldmark Fretzow; zudem hatten sie dort zwei Lehnhufen und zwei Pachthufen. 1687 stritt die Gemeinde Kähnsdorf diese Rechte ab. Zu dieser Zeit war die ursprüngliche Gemarkung Fretzow bereits vollständig in den Feldmarken von Stücken und Kähnsdorf aufgegangen. Fretzow wurde nicht wiederbesiedelt. Die Flächen blieben Teil der landwirtschaftlichen Nutzmarken der umliegenden Dörfer. Im 19. Jahrhundert existierte der Name nur noch in Flurnamen wie Wreetzen Mark fort.
Literatur
- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 120)