Friede von Szeged
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Der Vertrag von Edirne und der Frieden von Szeged waren zwei Teile eines Friedensvertrags zwischen Sultan Murad II. vom Osmanischen Reich und König Wladislaus vom Königreich Ungarn. Despot Đurađ Branković vom Serbischen Despotat war ebenfalls an den Verhandlungen beteiligt. Der Vertrag unterbrach den christlichen Kreuzzug gegen die Osmanen mit bedeutenden Gewinnen. Der erste Vertrag wurde in Edirne mit Gesprächen zwischen Murad und dem Botschafter von Wladislaus geschlossen und führte zur Freilassung von einem hochrangigen osmanischen Gefangenen. Die Ratifizierung des zweiten Vertrags erfolgte am 15. August 1444 in Várad und führte zum Rückzug der Osmanen aus Albanien und Serbien.
Innerhalb eines Monats und bereits im Voraus geplant widerrief Wladislaus auf Drängen des Papsttums seinen Friedenseid, und der Kreuzzug wurde fortgesetzt. Am 10. November 1444 endete dieser katastrophal in der Schlacht von Warna, in der die Kreuzritter vernichtet und Wladislaus getötet wurden.
Hintergrund

Der Kreuzzug von Warna begann offiziell am 1. Januar 1443 mit einer von Papst Eugen IV. veröffentlichten Kreuzzugsbulle. Die Kämpfe begannen jedoch nicht wie geplant. Die ungarische und die mit den christlichen Kräften verbündete karamanidische türkische Armee sollten gleichzeitig das Osmanische Reich angreifen. Im Frühjahr 1443, bevor die Ungarn bereit waren, griffen die Karamaniden die Osmanen jedoch verfrüht an und wurden von der gesamten Armee des Sultans Murad II. vernichtend geschlagen.[1]
Die ungarische Armee unter der Führung von König Wladislaus (Władysław III. von Polen), der drei Jahre zuvor unter umstrittenen Umständen den Thron bestiegen hatte, dem transsilvanischen General Johann Hunyadi und dem serbischen Despoten Đurađ Branković griff Mitte Oktober an. Sie gewannen die ersten Gefechte und zwangen Kasim Pascha von Rumelien und seinen Mitbefehlshaber Turahan Bey, ihr Lager aufzugeben und nach Sofia in Bulgarien zu fliehen, um Murad vor der Invasion zu warnen. Bei ihrem Rückzug brannten sie alle Dörfer auf ihrem Weg nieder und verfolgten damit eine Strategie der verbrannten Erde. Als sie in Sofia ankamen, rieten sie dem Sultan, die Stadt niederzubrennen und sich in die dahinter liegenden Gebirgspässe zurückzuziehen, wo die kleinere osmanische Armee nicht so stark benachteiligt sein würde. Kurz darauf setzte bittere Kälte ein.[1]
Die nächste Schlacht, die kurz vor Weihnachten 1443 am Slatiza-Pass stattfand, wurde bei Schnee ausgetragen und endete mit einer Niederlage der Ungarn. Auf ihrem Rückzug überfielen sie eine sie verfolgende Streitmacht in der Schlacht von Kunovica und besiegten sie. Dabei wurde Machmud Bey, Schwager des Sultans und Bruder des Großwesirs Çandarlı Halil Pascha, gefangen genommen. Dies gab den Ungarn die Illusion eines Gesamtsiegs der Christen, und sie kehrten triumphierend zurück. Der König und die Kirche waren beide bestrebt, diese Illusion aufrechtzuerhalten, und gaben Anweisungen, die Erfolge zu verkünden, aber jedem zu widersprechen, der die Niederlagen erwähnte. Murad kehrte unterdessen wütend über die Unzuverlässigkeit seiner Truppen zurück und ließ Turahan inhaftieren, den er für die Rückschläge der Armee und die Gefangennahme von Mahmud Bey verantwortlich machte.[1]
Erste Verhandlungen

Murad wollte womöglich ein Ende des Krieges. Seine Schwester bat ihn inständig, die Freilassung ihres Mannes zu erwirken, und seine Frau Mara, Tochter von Đurađ Branković, übte zusätzlichen Druck aus. Am 6. März 1444 sandte Mara einen Gesandten zu Branković; ihre Gespräche waren der Beginn der Friedensverhandlungen mit dem Osmanischen Reich.[1]
Am 24. April 1444 sandte Wladislaus einen Brief an Murad, in dem er mitteilte, dass sein Botschafter Stojka Gisdanić mit Vollmachten nach Edirne reisen würde, um in seinem Namen zu verhandeln. Er bat Murad, nach Abschluss einer Vereinbarung seine eigenen Botschafter mit dem Vertrag und seinem Eid nach Ungarn zu entsenden, woraufhin Wladislaus ebenfalls den Frieden schwören könnte. Am selben Tag hielt Wladislaus jedoch in Buda eine Versammlung ab, wo er vor Kardinal Julian Cesarini schwor, im Sommer einen neuen Feldzug gegen die Osmanen zu führen.[1]
Vertrag von Edirne
Frühe Verhandlungen führten zur Freilassung von Mahmud Bey, der Anfang Juni 1444 in Edirne eintraf. Wladislaus' Botschafter Stojka Gisdanić traf kurz darauf ein, zusammen mit Hunyadis Vertreter Witislaw und zwei Vertretern Brankovićs, wie es ein von König Albrecht II. unterzeichnetes Gesetz vorschrieb. Auf Geheiß von Papst Eugen IV. war auch der Antiquar Ciriaco Pizzicolli anwesend, um den Fortschritt der Kreuzzugspläne zu überwachen.[1]
Der umstrittenste Punkt während der Verhandlungen war die Kontrolle der Donaufestungen, insbesondere Golubac und Smederevo, die die Osmanen behalten wollten. Nach dreitägigen Verhandlungen wurde der Vertrag jedoch am 12. Juni 1444 hastig abgeschlossen, da İbrahim II. von Karaman in Murads Gebiete in Anatolien eingefallen war.[1]

Die endgültigen Bedingungen sahen vor, dass Murad 24 serbische Städte, darunter die großen Festungen Golubac und Smederevo, an den im Exil lebenden Branković zurückgeben würde. Murad war außerdem verpflichtet, Brankovićs zwei erblindete Söhne, Grgur und Stefan, freizulassen. Das wiederhergestellte serbische Despotat war den Osmanen untertan, sodass es Steuern zahlen und militärische Hilfe leisten musste. Mit Ungarn wurde ein zehnjähriger Waffenstillstand geschlossen, und Vlad II. Dracul, Woiwode der Walachei, war nicht mehr verpflichtet, an Murads Hof zu erscheinen, musste jedoch weiterhin Tribut zahlen. Nachdem Murad einen Eid geschworen hatte, den Vertrag einzuhalten, wurde dieser mit Baltaoğlu Süleyman und einem Griechen namens Vranas nach Ungarn geschickt, um von Wladislaus, Hunyadi und Branković ratifiziert zu werden.[1]
Zwischen den Verträgen
Trotz der Vertragsverhandlungen wurden die Planungen für den Kreuzzug gegen die Osmanen fortgesetzt. Es wird angenommen, dass Wladislaus Anfang Juli über die Ergebnisse der Verhandlungen in Edirne informiert war. Dennoch versicherte Wladislaus am 2. Juli 1444 auf Drängen von Kardinal Cesarini seinen Verbündeten, dass er den Kreuzzug anführen werde, indem er erklärte, er werde sich am 15. Juli nach Várad begeben, um eine Armee aufzustellen.[1]
Ein Kreuzzug würde Wladislaus' Anspruch auf den Thron legitimieren und er wurde auch von dem überzeugenden Cesarini unter Druck gesetzt, der fest an den Kreuzzug glaubte. Als der König seine Erklärung abgab, hatte sich die Nachricht von den Friedensverhandlungen bereits verbreitet, was zusätzlichen Druck von den Befürwortern des Kreuzzugs, darunter Despot Constantine Dragases, auslöste, den Vertrag aufzukündigen. Unterdessen kam es in Polen zu Unruhen, und eine Fraktion forderte seine Rückkehr, um diese zu beenden. Auch die Verluste des vergangenen Winters sprachen gegen eine Fortsetzung des Krieges.[1]
Wladislaus war nicht der Einzige, der unter Druck gesetzt wurde. In einem Brief vom 24. Juni 1444 bat Ciriaco Pizzicolli Hunyadi, den Frieden zu ignorieren, da die Türken in Angst seien und „ihre Armee eher auf den Rückzug als auf den Kampf vorbereiten würden“. Er fuhr fort, dass der Vertrag Murad ermöglichen würde, „die Niederlage zu rächen, die [Hunyadi] ihm in der jüngsten Vergangenheit zugefügt hatte“, und dass Ungarn und die anderen christlichen Nationen in Thrakien einmarschieren sollten, nachdem sie „einen Krieg erklärt hatten, der der christlichen Religion würdig ist“.[1]

Branković hatte ein viel größeres Interesse daran, dass der Friedensvertrag zustande kam, und bat Hunyadi um Unterstützung. Man ging davon aus, dass Serbien nach der Ratifizierung des Vertrags an Branković zurückgegeben werden würde, und so bestach er Hunyadi, indem er ihm das Land versprach, das er in Ungarn besaß. Am 3. Juli 1444 wurde die Herrschaft über Világosvár auf Dauer an Hunyadi übertragen. Etwa zur gleichen Zeit wurden als zusätzliche Sicherheit auch die Ländereien von Mukačevo, Baia Mare, Satu Mare, Debrecen und Böszörmény übertragen, wodurch Hunyadi zum größten Grundbesitzer im Königreich wurde.[1]
Kurz nach Wladislaus' Erklärung, etwa zur gleichen Zeit, als er den Brief an Hunyadi schrieb, gab Ciriaco die Nachricht an den Papst weiter, der wiederum Cesarini informierte. Cesarini hatte unterdessen seine Karriere auf den Kreuzzug gesetzt, was darauf zurückzuführen war, dass er den Papst gegen das Konzil von Basel unterstützt hatte, das er Ende der 1430er Jahre verlassen hatte. Er sah sich daher gezwungen, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.[1]
Szeged
Anfang August trafen die osmanischen Botschafter Baltaoğlu und Vranas in Szeged ein. Am 4. August 1444 setzte Kardinal Cesarini die Lösung um, die er für den König ausgearbeitet hatte. In Anwesenheit von Hunyadi, den Baronen und den Prälaten des Königreichs Ungarn erklärte sich Wladislaus feierlich bereit, die geschlossenen und künftigen Verträgen mit dem Sultan zu wiederrufen. Cesarini hatte die Erklärung sorgfältig formuliert, damit die Verhandlungen fortgesetzt und der Vertrag noch durch einen (ungültigen) Eid ratifiziert werden konnte, ohne die Möglichkeit eines künftigen Kreuzzugs auszuschließen.[1]
Trotz Cesarinis Lösung dauerten die Verhandlungen zehn Tage. Die endgültige Fassung des Vertrags stellte Serbien wieder als Pufferstaat her und regelte seine Rückkehr zu Branković[2], sowie die Rückgabe von Albanien und allen anderen eroberten Gebieten, darunter 24 Festungen, an Ungarn. Die Osmanen mussten außerdem eine Entschädigung in Höhe von 100.000 Goldflorinen zahlen und die beiden Söhne Brankovićs freilassen.[3][4] Ungarn erklärte sich unterdessen bereit, Bulgarien nicht anzugreifen und die Donau nicht zu überqueren, und es wurde ein 10-jähriger Waffenstillstand vereinbart. Es wird auch vermutet, dass Branković, der am meisten von dem Vertrag profitierte, eigene private Verhandlungen mit Baltaoğlu führte. Am 15. August 1444 wurde der Vertrag in Várad mit Eiden von Hunyadi sowohl für sich selbst als auch „im Namen des Königs selbst und des gesamten ungarischen Volkes“ und Branković ratifiziert.[1]
Nach Vertragsabschluss
Am 22. August 1444, eine Woche nach Abschluss der Verhandlungen, erhielt Branković Serbien zurück. In dieser Woche bot Wladislaus Hunyadi auch den Thron von Bulgarien an, wenn er bereit wäre, seinen Eid zu widerrufen, was er auch tat. Bis Mitte September waren alle Übertragungen, sowohl die im Vertrag festgelegten als auch die im Rahmen von Hintergrundverhandlungen vereinbarten, abgeschlossen, sodass Ungarns sich auf den Kreuzzug konzentrieren konnte.[1]
Das Osmanische Reich wusste nichts von Cesarini's Aufkündigung des Friedensvertrags. Ende August 1444 waren die Karamaniden unterworfen, was Murad im Glauben ließ, dass seine Grenzen sicher seien. Er ging davon aus, dass die günstigen Bedingungen, die sowohl im Frieden von Szeged als auch in der Vereinbarung mit İbrahim II. von Karaman gewährt worden waren, einen dauerhaften Frieden gewährleisten würden. Kurz nach der Unterwerfung der Karamaniden dankte Murad daher zugunsten seines zwölfjährigen Sohnes Mehmed II. ab, um einen friedlichen Ruhestand zu genießen.[1][2]
Murads Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Ende September waren die Vorbereitungen Ungarns für den Kreuzzug abgeschlossen, und auch die ihrer Verbündeten waren bereits weit fortgeschritten. Am 20. September 1444 marschierte die ungarische Armee von Szeged aus nach Süden, begleitet von Aufständen in osmanischen Randgebieten. Der Feldzug verlief für die Ungarn zuerst günstig, was die Osmanen dazu veranlasste, Murad zurückzurufen. Am 10. November 1444 trafen die beiden Armeen in der Schlacht von Warna aufeinander, wobei die Osmanen unter Murads Banner kämpften, an dem der gebrochene Vertrag befestigt war. Die Kreuzritter wurden entscheidend geschlagen und Wladislaus getötet. Ungarn verfiel daraufhin in einen Bürgerkrieg, und die Beseitigung der Bedrohung an der Balkanfront ermöglichte es den Osmanen, ihre Kräfte für die folgende Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 zu konzentrieren.[1][3][4]