Friedhelm Merz
deutscher Journalist und Unternehmer
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Friedhelm Merz (* 11. Oktober 1937 in Iserlohn; † 6. Juli 1996 in Bonn) war ein deutscher Journalist und Verleger. Er war Chefredakteur des Vorwärts und Gründer des Friedhelm Merz Verlags.
Werdegang
Merz war der Sohn eines Schneidermeisters und besuchte das neusprachliche Gymnasium in Hagen, wo er 1957 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er bis 1962 Rechts- und Staatswissenschaften sowie Soziologie an den Universitäten Marburg und Münster.
Nach dem Studium war Merz von 1962 bis 1965 als freier Journalist bei der Oberhessischen Presse und bei der Gießener Allgemeinen Zeitung tätig. Von 1966 bis 1970 leitete er die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor in Aachen. Anschließend übernahm er ein Jahr lang bis zu deren Einstellung die Leitung des Politikressorts der linkskatholischen Wochenzeitung Publik in Frankfurt am Main.
1972 wurde Merz Mitarbeiter im Ministerbüro des damaligen SPD-Entwicklungsministers Erhard Eppler. Wenig später wurde er bis 1974 Referent im Büro des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. 1974 wurde er Chefredakteur der SPD-Mitgliederzeitschrift Sozialdemokrat Magazin. 1976 übernahm Merz dann die Chefredaktion des größeren SPD-Organs Vorwärts. 1978 gab er den Posten des Chefredakteurs wieder ab und wurde Geschäftsführer des Vorwärts-Verlags.
Gleichzeitig leitete Merz ab 1981 dessen Tochterverlag Courir, der 1984 in Argo umbenannt wurde.[1] Er war der Gründungsverleger des 1981 erstmals erschienenen Spielefachmagazins Spielbox.[2] 1983 hatten Merz und Spielbox-Redakteur Reiner Müller die Idee, im amerikanischen Club in Plittersdorf ein Treffen für Spieler zu organisieren, zu dem sich überraschend 700 Leser der Spielbox anmeldeten. Da diese Anzahl von Spielern den Club sprengte, bekam Merz über seine Kontakte zum damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, das Gelände der Essener Volkshochschule vermittelt, in der bereits seit 1979 die Preisverleihung zum Spiel des Jahres stattfand. Dort veranstaltete der Courir-Verlag die ersten Deutschen Spielertage.[3] Nach einer Ankündigung im Morgenmagazin des WDR 2 kamen 4000 bis 5000 Besucher zu der Veranstaltung. Im Folgejahr erschienen bereits 10.000 bis 15.000 Besucher und das Treffen wurde Austragungsort der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. 1985 zog die Veranstaltung in die Messe Essen um.[4]
1985 trennten sich der Vorwärts-Verlag und Friedhelm Merz, der daraufhin den Friedhelm Merz Verlag in seiner Wohnung in Bonn-Mehlem als Fachverlag für Spiel und Kommunikation gründete. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Rosemarie Geu veröffentlichte Merz Abfall- und Entsorgungsliteratur und den SpielReport als Spielefachzeitschrift. Zudem übernahm der Verlag zum Jahreswechsel 1985/86 die Veröffentlichung der Zeitschrift Die Pöppel-Revue, die zunächst von Knut-Michael Wolf als Chefredakteur verantwortet wurde, bis Merz 1989 für kurze Zeit diese Aufgabe selbst übernahm. Die Rechte an den Essener Spielertagen konnte er sich gegen die einmalige Zahlung von 50.000 DM an die SPD zusammen mit der Messe Essen gerichtlich sichern.[5] 1990 rief Merz den Deutschen Spielepreis ins Leben.
An dem unheilbaren Muskelschwundleiden ALS erkrankt, übergab Merz 1995 die Verantwortung für den Verlag an seine langjährige Arbeits- und Lebenspartnerin Rosemarie Geu und deren Tochter Dominique Metzler. Er verstarb im Juli 1996 im Alter von 58 Jahren. Noch im selben Jahr wurde ihm posthum der Sonderpreis des Deutschen Spielepreises verliehen.
Schriften (Auswahl)
- Ministory. (1963)
- Ein Provisorium lacht. (1965)
- Der Pearson-Report. (1970)
- Entwicklungshilfe – Versuch einer Gesamtdarstellung. (1970)
- Das zweite Entwicklungsjahrzehnt 1970–1980. (1970)
- als Herausgeber: Entwicklungspolitische Dokumente. (1972)
- Die Kirche in Lateinamerika. (1973)
- gemeinsam mit Victor Cunha Rego (Hrsg.): Testfall Portugal. Freiheit für den Sieger. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1976, ISBN 978-3-7263-6175-4.
- gemeinsam mit Günter Grunwald (Hrsg.): Vorwärts 1876 bis 1976. Ein Querschnitt in Faksimiles. J.H.W. Dietz-Verlag Berlin und Bonn 1976.
Literatur
- Friedhelm Merz im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)