Friedrich Schott (Unternehmer)

deutscher Unternehmer, Zementfabrikant und Geheimer Kommerzienrat in Heidelberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Schott (* 27. Dezember 1850 in Gandersheim, Herzogtum Braunschweig; † 21. Februar 1931 in Heidelberg, Republik Baden, Deutsches Reich) war ein deutscher Unternehmer, Zementfabrikant und Ehrenbürger von Heidelberg und Leimen.

Leben und Wirken

Friedrich Schott stammte väterlicherseits aus einer protestantisch konvertierten jüdischen Familie. Sein Großvater Benedict Schott (vorher Baruch Bendet Schottländer, 1763–1846) war Schuldirektor in Seesen, sein Vater Emil Schott (1812–1886) war Kalk- und Ziegelfabrikant in Kreiensen[1] und Seesen und braunschweigischer Landesökonomie-Kondukteur. Seine Mutter Luise Dernedde stammte aus einer protestantischen Landwirtsfamilie in Kirchberg bei Braunschweig. Friedrich Schott hatte 17 Geschwister, von denen einige Brüder später mit ihm in der Zementfabrik arbeiteten. Er besuchte die Bürgerschule in Gandersheim und studierte ab 1868 Chemie an der Polytechnischen Schule in Braunschweig.[2] Ab 1871 leistete er seinen Militärdienst ab.

1872 wurde Friedrich Schott Laborleiter bei der im Aufbau befindlichen Vorwohler Portland-Cement-Fabrik Planck & Co. in Hannover, wo er auch seine chemischen Forschungen über die Erhärtungsvorgänge beim Portlandzement fortsetzen konnte. Danach arbeitete er kurzzeitig in der Fabrik seines Vaters. 1875 wurde er Betriebsleiter der Portland-Cement-Werk Schifferdecker & Söhne in Heidelberg. Dort konnte er innerhalb eines Jahres die Rohstoffprobleme des defizitären Unternehmens lösen. 1888 wurde er nach dem Tod des Firmengründers Johann Philipp Schifferdecker technischer Vorstand der neu gebildeten Aktiengesellschaft. 1895 organisierte er nach einem Großbrand den Bau einer neuen hochmodernen Zementfabrik in Leimen, die damals das größte Industriegebäude im Deutschen Reich war.[3] 1916 wurde er Generaldirektor des Unternehmens.

Friedrich Schott engagierte sich sehr für einen stärkeren Zusammenschluss der deutschen Zementunternehmen, um deren wirtschaftliche Erfolge zu verbessern.[4] Er wurde 1899 Vorsitzender des Vereins Deutscher Portland-Cement-Fabrikanten und war 1900 Mitgründer des Süddeutschen Portlandcementwerk-Verbandes, 1904 gab es nach diesem Vorbild einen Syndikatsvertrag. 1913 wurde er Mitglied der Zweiten Kammer des Badischen Landtags im Wahlkreis 55 für die Nationalliberale Partei, und konnte sich dafür bei der direkten Wahl gegen einen SPD-Kandidaten durchsetzen.[5] Anfang 1914 wurde er in die Erste Kammer berufen.[6] Er wurde auch Präsident der Handelskammer in Heidelberg.

Friedrich Schott war ein sehr entschlossener Unternehmer, der von seinen Mitarbeitern unbedingten Gehorsam und Pflichterfüllung forderte. Dafür entwickelte er ein Wohltätigkeitssystem, mit jährlich ansteigenden Prämien für die Betriebszugehörigkeit und Arbeiterwohnungen, die aber daran gebunden waren, dass es keine Pflichtverletzungen und keine unentschuldigten Fehlzeiten gab.[7] Dadurch konnte er Streiks in seinem Unternehmen verhindern.

Friedrich Schott griff in den 1920er Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender zunehmend eigenwillig in die Abläufe und Kompetenzen anderer leitender Mitarbeiter ein, was zu wachsendem Unmut gegen seine Person führte. Er blieb aber bis kurz vor seinem Tod 1931 dort tätig.

Ehe und Nachkommen

Familiengrab auf dem Bergfriedhof Heidelberg

Friedrich Schott war mit Emma Fischer (1854–1928) seit 1876 verheiratet. Ihre Söhne waren

  • Otto Schott (1877–1916), Dr. phil., Chemiker, Betriebsleiter im Zementwerk Leimen, Werksleiter in der Zementfabrik Offenbach, fiel im Ersten Weltkrieg
  • Ehrhart Schott (1879–1968), Dr. phil., Chemiker, Direktor des Zementwerks in Leimen, Vorstand des Zementwerks Heidelberg

Ehrungen

Friedrich Schott erhielt verschiedene Ehrungen[8]

  • Geheimer Kommerzienrat, 1911[9]
  • Königlicher Kronenorden 3. Klasse (Preußen), 1911
  • Dr. Ing. E. h. (ehrenhalber) der Technischen Hochschule Braunschweig, 1911
  • Ehrenbürger der Stadt Leimen, 1925
  • Ehrenbürger der Stadt Heidelberg, 1925
  • Dr. rer. nat. h. c, Universität Heidelberg, 1930
  • Geheimrat-Schott-Straße, Leimen
  • Friedrich-Schott-Straße, Heidelberg-Pfaffengrund
  • Friedrich-Schott-Brücke, zwischen Heidelberg-Pfaffengrund und Eppelheim[10]

Literatur

Einzelnachweise

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