Friedrich Wilhelm Eue
Graveur, Medailleur und Bildhauer in Berlin und in den USA
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Friedrich Wilhelm Eue, auch Franz Eue (* 5. Dezember 1888 in Rathenow, Landkreis Westhavelland; † 1. Juni 1937 in New York City), war ein bis 1926 in Berlin tätiger deutscher Graveur, Medailleur und Bildhauer. Ab 1927 wirkte er in den Vereinigten Staaten.
Leben

Eue wurde am 5. Dezember 1888 in der Stadt Rathenow etwa 70 km westlich von Berlin geboren.[1] Er war der jüngere Sohn des Optikers Franz Eue und dessen Ehefrau Pauline, geb. Buchholz.[2] Wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt, ist nicht dokumentiert. Anfang der 1910er Jahre war er als Graveur in Straßburg tätig und wurde dort am 6. April 1912 mit Berta Matilde Roller getraut.[2][3][Anm. 1] Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, die 1914 und 1919 geboren wurden.
Ab 1918 ist Franz Eue als selbstständiger Graveur und Bildhauer in Berlin mit Wohnsitz und Atelier im Haus Markgrafenstraßen 3 nachweisbar. Er war unter anderem im Medaillenverlag Robert Ball Nachfolger (Berlin) und für L. Ch. Lauer (Nürnberg) tätig. In der Deutschen Graveur-Zeitung und Stempel-Zeitung annoncierte er regelmäßig. Eine berufliche Verbindung nach Straßburg bestand offenbar weiterhin, denn in der Ausgabe dieser Zeitung vom 1. Dezember 1925 veröffentlichte Eue eine Stellenanzeige für einen „tüchtigen Stahl-Graveur“ für Straßburg; seine Firmenadresse in Berlin lautete damals Oranienstraße 143.[4]
Ob seine erste Ehefrau früh verstarb oder die Ehe geschieden wurde, ist nicht bekannt. Am 10. März 1925 heiratete Eue in Berlin die 1897 in Berlin-Schöneberg geborene Kassiererin Elise Margarethe Anna Schacht. Im Heiratsregister wird er als „Bildhauer Friedrich Wilhelm Eue“ bezeichnet, und er unterschrieb das Dokument mit „Friedrich Eue“. Diesen Vornamen scheint er nur bei offiziellen Dokumenten genutzt zu haben. Unter den Namen Friedrich Eue und Elise Eue reiste das Ehepaar gemeinsam mit der siebenjährigen Tochter Helga am 17. November 1926 auf der President Roosevelt über Bremen nach New York. Dort wirkte er unter dem Namen Franz Eue bis zu seinem Tod 1937 als Graveur und Bildhauer.
Franz Eue starb am 1. Juni 1937 im Alter von 48 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt. Ein Nachruf erschien in der Fachzeitschrift Der deutsche Graveur, Ziseleur und Emailleur.[5]
Wirken in Deutschland (bis 1926)


Das Werk Eues in Deutschland ist vom wilhelminischen Zeitgeist und den Kriegsjahren 1914 bis 1918 geprägt. Als Medailleur erschuf er in dieser Zeitspanne mehr als 30 Werke, darunter eine große Serie patriotischer Medaillen zu Ehren hochrangiger deutscher Militär- und Marineoffiziere.
Die Medaillen wurden aus Metallen wie Silber, Bronze und Eisenguss gefertigt und in verschiedenen Größen ausgeführt. Auch Medaillen mit angebrachter Trage-Öse für das Tragen am Revers entstanden, denn vor und während des Ersten Weltkrieges zeigte man auf diese Art gerne Patriotismus und Solidarität. Aus heutiger Sicht können viele Medaillen Eues auch als Propagandamedien des Ersten Weltkrieges eingeordnet werden.[6]
Eues Medaillen sind vom Kunsthandwerk des Jugendstils beeinflusst. Die Reliefs verschmelzen zu einer harmonischen Einheit mit der Grundfläche. Die Medaillenrückseite steht fast immer in harmonischem Bezug zur Vorderseite. Manchmal greift sie mythologische Motive auf, wie bei der von Eue 1914 geschaffenen Porträtmedaille auf den General Ludendorff. Auf der Rückseite zeigt sie Ludendorff als Herkules im Kampf gegen das vielköpfige Ungeheuer der Alliierten Streitkräfte (Hydra).
Seine deutschen Auftraggeber waren unter anderem der Medaillenverlag und Münzhändler Robert Ball Nachfolger sowie dessen Prokurist Hugo Grünthal-Oertel in Berlin und die Prägeanstalt Ludwig Christian Lauer in Nürnberg.
Die Signatur „Frz. Eue“ steht für den Spitznamen „Fritz“, der von seinem Vornamen Friedrich hergeleitet wurde. Die Staatlichen Museen zu Berlin sowie das Imperial War Museum in London[7] führen Eue unter dem Vornamen „Fritz“. In der Literatur wird Eue auch manchmal als „Franz Eue“ bezeichnet.
Bekannte Signaturen sind Frz.EUE; F. EUE; FR.EUE; Fr EUE.[8]
Exemplare der von Eue 1914 geschaffenen Medaille auf General Erich Ludendorff befinden sich im Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin sowie im Imperial War Museum in London. In den Beständen des Imperial War Museum befinden sich insgesamt 28 Medaillen von Eue.[9] Im Januar 1917 wurden von Eue geschaffene Medaillen aus der Sammlung dieses Museums in einer Ausstellung des Britischen Roten Kreuzes im Londoner Burlington House gezeigt.[3]
Wirken in Amerika (1927–1937)
Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten änderte sich die thematische Ausrichtung von Eues Arbeiten. Militärische Themenfelder wurden kaum noch aufgegriffen. In Amerika war der Medaillenkünstler nur unter dem Namen Franz Eue bekannt. Er arbeitete als freier Mitarbeiter für verschiedene Firmen wie die Whitehead & Hoag und die Medallic Art Company.
In dieser Zeit entstanden über 70 heute bekannte und dokumentierte Werke, die sich in folgende Kategorien unterteilen lassen:
- Reliefs und Embleme von Persönlichkeiten
- Reliefs, Skulpturen und Medaillen von Präsidenten der USA
- Medaillen von Filmidolen
- Medaillen für Ausstellungen und Firmen, Städte und Kammern
- Medaillen von Sternzeichen
- Tokens – Spielgeld
- Christopherus-Medaillen
Zu Eues beachteten Werken in den Vereinigten Staaten gehören die New York Athletic Club Medallion von 1927 sowie wertmarkenähnliche Jetons und Spielgeld für die US-Snackmarke Cracker Jack, die Süßwarenmarke Charms Candy und die Waschmittelmarke Little Duchess Laundry. Diese Arbeiten schuf er ab 1929 als freiberuflicher Künstler für die Medallic Art Company.[10]
Seine in den USA entstandenen Werke zeichnete Eue ab 1927 mit den Signaturen EUE; F.F. EUE; FE; FRZ. Erst nachdem der Numismatiker Richard Clothier im Februar 1984 im TAMS Journal gefragt hatte, wer denn hinter der Signatur EUE stehe,[11] konnten viele Werke Franz Eue zugeordnet werden. Auf die Anfrage Clothiers antwortete ein Jahr später Richard („Dick“) Wayne Johnson (1930–2020), der als Director of Research und später als Corporate Historian für die Medallic Art Company tätig war, ausführlich in einer Folgeausgabe des TAMS Journal.[12]
Eues Werke sind in den Sammlungen der American Numismatic Society und in der Cornelius C. Vermeule III Medals Collection der Princeton University Library vertreten. Diese Werke wurden 1991 im Rahmen einer Ausstellung im Utah Museum of Fine Arts gezeigt.
Als Bildhauer schuf Eue in den USA Skulpturen der US-Präsidenten Theodore Roosevelt und Franklin D. Roosevelt.
Werke (Auswahl)
- Eue-Medaillen im Münzkabinett Berlin
- General Erich Ludendorff, 1914 (Link zur Abbildung)
- General Alexander von Linsingen, 1915 (Link zur Abbildung)
- Reichsschatzsekretär Dr. Karl Helfferich, 1915 (Link zur Abbildung)
- Generalfeldmarschall Freiherr Colmar von der Goltz, 1915 (Link zur Abbildung)
- Max Immelmann, 1916–1918 (Link zur Abbildung)
- Weitere Werke
- 28 Medaillen von Eue im Imperial War Museum London
- New York Athletic Club Medallion, 1927
- Tokens und Spielgeld für Cracker Jack, Charms Candy und Little Duchess Laundry, ab 1929
- Skulpturen der US-Präsidenten Theodore Roosevelt und Franklin D. Roosevelt
Literatur
- Bernhard Weisser: Medailleure in Deutschland während des Ersten Weltkrieges. Teil 4: Franz Eue bis Alfons Feuerle. In: Münzen Revue, Ausgabe 12/2014, S. 39–45. (Digitalisat)
- Georg Zetzmann: Deutsche Silbermedaillen des I. Weltkriegs auf die militärischen Handlungen und denkwürdigen Ereignisse von 1914 bis 1919. Regenstauf 2002.
Weblinks
- Abbildungen und detaillierte Informationen zu 29 Medaillen von Eue auf der Website des Imperial War Museum, London
- „Franz Eue“ auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst