Friedrich Wilhelm von Lepel (1716–1783)
deutscher Erb-, Lehns- und Gerichtsherr
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Graf Friedrich Wilhelm von Lepel (* 1. Dezember 1716 in Bahne bei Hoogstede; † 2. Dezember 1783 in Nassenheide) war ein deutscher Erb-, Lehns- und Gerichtsherr auf Böck, Nassenheide, Plöwen, Blankensee, Frauenhagen und Kuhweide, preußischer Offizier, Kunstsammler, Ritter und Komtur des Johanniterordens.


Herkunft
Friedrich Wilhelm von Lepel war der Sohn des Otto Gustav von Lepel, preußischer Generalmajor, Rittergutsbesitzer auf Böck, Blankensee und Nassenheide und Gouverneur der Festung Küstrin und der Gutsbesitzerstochter Louisa Scholastika geborene von Blanckensee (1683–1745) aus Schönwerder (Pommern/Kreis Pyritz). Friedrich Wilhelm hatte mehrere Geschwister.[1] Er wurde Neffe der Offiziere Peter von Blanckensee und Wulf Christoph von Blanckensee.
Leben
Als sein Vater 1735 starb, wurde er im Alter von neunzehn Jahren Erbe der Nassenheider Güter. Den Lehnseid leistete er in Stettin 1736. Zehn Jahre lang stand er in preußischen Militärdiensten. 1735 wurde er Fähnrich bei den Dragonern im Regiment „von Graevenitz“ in Magdeburg, 1740 avancierte er zum Sekondeleutnant. Wegen eines Augenleidens, das im Laufe der Zeit – mehr als dreißig Jahre vor seinem Tod – zu seiner völligen Blindheit führte, entschloss sich Friedrich Wilhelm Ende 1745, seinen Abschied zu nehmen. Danach lebte er mehrere Jahre in Frankreich, anschließend in Stettin. In dieser Zeit waren die Nassenheider Güter verpachtet. Später wohnte er zwar auf Nassenheide, beließ es aber bei der Verpachtung. Im Herrenhaus legte er als Ergebnis seiner zahlreichen kunstorientierten Reisen Kunstsammlungen an, die nach seinem Tod von seinem Sohn Wilhelm mit noch größerer Leidenschaft und Tatkraft erheblich erweitert wurden.
Am 26. Februar 1737 wurde er in der Kirche zu Sonnenburg zum Ritter des Johanniterordens geschlagen. Später wurde er auch deren Komtur, nachfolgend Kommendator genannt.
Der preußische König Friedrich II. erhob Friedrich Wilhelm samt seinen ehelichen Abkömmlingen „beyderley Geschlechts“ mit Diplom vom 26. August 1749 in den erblichen Grafenstand.[2]
Er musste von 1751 bis 1771 einen zwanzigjährigen Lehnsprozess durchstehen, in Gang gesetzt durch die Familie von Ramin. Er hatte aber mit Durchhaltewillen und den größeren Finanzreserven den Prozess gewonnen.

Friedrich Wilhelm soll nach dem Tod seiner Gemahlin, völlig erblindet, in Stettin gelebt haben, ist aber in Nassenheide gestorben. Er wurde ebenso wie zuvor sein Vater in der Familiengruft in Böck beigesetzt.
Familie
Friedrich Wilhelm heiratete im Jahre 1752 Amalie Gräfin Henckel von Donnersmarck (1720–1783) Tochter der Barbara Eleonore Freiin von Hoock und des Großgrundbesitzers Maximilien Graf Henckel von Donnersmarck–Neudeck, Ritter des Schwarzen Adlerordens sowie Obermundschenk. Aus der Ehe gingen fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter hervor. Aber nur sein Sohn und Erbe Wilhelm (1755–1826) sowie die beiden Töchter Ottilie (1756–1843) und Ulrike (1759–1831) überlebten das Kleinkindalter.
- Heinrich (Lebensdaten nicht bekannt)
- Wilhelm Heinrich Ferdinand Karl (1755–1826), Königlich Preußischer Gesandter am schwedischen Hof in Stockholm
- Juliane (* 17. Oktober 1756; Sterbedatum nicht bekannt), Zwilling ihrer Schwester Ottilie
- Eleonora Maximiliane Ottilie Louise (1756–1843), Palastdame u. Oberhofmeisterin b. Maria Pawlowna, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, ⚭ Frauenhagen, Stolpirischer Kreis, 11. Januar 1774 Viktor Amadeus Henckel von Donnersmarck (1727–1793), preußischer Generalleutnant u. Gouverneur von Königsberg.
- Friederike Henriette Ulrike Scholastika (* 10. April 1759 in Nassenheide; † 20. Dezember 1831 in Stettin), seit 1804 Hofdame der Prinzessin Charlotte von Mecklenburg in Ludwigslust, ⚭ 30. Januar 1781 d. späteren Landrat Bogislav Karl von Schmeling (* 1754; † 1831)
Literatur
- Rolf Straubel: Grundbesitz und Militärdienst. Kurzbiographien pommerscher Offiziere (1715 bis 1896). Teil 1: Biographien. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe V. Forschungen zur Pommerschen Geschichte. 56, 1; Auflage-Online-Ressource, Böhlau, Köln 2021, ISBN 978-3-412522-1-55, S. 360.
- Historisch-Genealogisches Handbuch der Familie v. Lepel (Lepell). Auf der Grundlage familiengeschichtlicher Quellen: Erarbeitung: Andreas Hansert, Oskar Matthias Frhr. v. Lepel, Mitarbeit: Klaus Bernhard Frhr. v. Lepel, Herbert Stoyan. In: Deutsches Familienarchiv, Band 151, Verlag Degener & Co, Inhaber Manfred Dreiss, Insingen 2008, ISBN 978-3-7686-5201-8, S. 30, 35, S. 73–75–76.
- Oskar Matthias Frhr. v. Lepel: Nassenheide in Pommern. Geschichte eines Ritterguts. Barton Verlag, Metternich 2014, ISBN 978-3-934648-03-6.
Quellen
- Lepel, Friedrich Wilhelm Graf von. [30. Januar 1730]. Aufschwörungstafel, In: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA-PK) X. HA, Rep. 9, Nr. 222 Johanniterorden | Archivportal-D
- Lepel, Wilhelm Heinrich Ferdinand Karl Graf von. [9. Januar 1770]. Aufschwörungstafel, In: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA-PK) X. HA, Rep. 9, Nr. 700 Johanniterorden | Archivportal-D