Fritz Ostermayer

österreichischer Radiomacher, Autor, DJ und Musiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Fritz Ostermayer (* 1956 in Schattendorf, Burgenland) ist ein österreichischer Journalist, Autor, Radiomoderator, DJ, Musiker und Kulturvermittler. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit für den ORF und den Radiosender FM4, insbesondere durch die Sendung Im Sumpf. Von 2012 bis 2024 war er künstlerischer Leiter der Wiener Schule für Dichtung.

Fritz Ostermayer, Wien 2008

Leben und Wirken

Ostermayer studierte nach eigenen Angaben beziehungsweise laut biografischen Angaben Theaterwissenschaft und elektroakustische Musik.[1][2] Er arbeitete zunächst als Musik- und Kulturjournalist, unter anderem für Falter, profil und Der Standard.[1][3] Seit 1981 ist beziehungsweise war er für den ORF tätig, unter anderem für Die Musicbox, Kunstradio – Radiokunst, Diagonal – Radio für Zeitgenossen und später für FM4.[1][4]

Einem größeren Publikum wurde Ostermayer als Radiomacher der FM4-Sendung Im Sumpf bekannt, die er gemeinsam mit Thomas Edlinger gestaltete; später gehörte auch Katharina Seidler zum Team der Sendung.[5][6] FM4 bezeichnet Im Sumpf als „FM4-Feuilleton für Pop & Avantgarde“.[5] Die Sendungsbeschreibung nennt Musik, Literatur, Kunst und Gesellschaft als Themenfelder und beschreibt die Sendung als „leicht verwilderte Parallelwelt zum Feuilleton“, in der Groteskes, Obskures, Diskursives und Wissenswertes nebeneinander vorkommen.[6]

Im Sommer 2007 moderierte Ostermayer gemeinsam mit Thomas Edlinger einmalig die ORF-Fernsehsendung Willkommen Österreich.[7]

Von Juni 2012 bis 2024 war Ostermayer künstlerischer Leiter der Wiener Schule für Dichtung. Er folgte dem Gründer der Institution, Christian Ide Hintze, der im Februar 2012 verstorben war.[4][8] Die Schule für Dichtung nennt Ostermayer für die Jahre 2012 bis 2024 als künstlerischen Leiter; seit 2024 wird die Institution von Nicolas Mahler geleitet.[8] In einem Interview anlässlich seines Amtsantritts bezeichnete sich Ostermayer selbstironisch als „Universaldilettant“ und sprach über eine Öffnung der Institution für Popkultur, Alltagssprache und nichtakademische Formen des Schreibens.[9] Anlässlich des Leitungswechsels zu Mahler wurde die Schule für Dichtung in The Gap als experimentelles „Punk-Institut“ beschrieben.[10]

Kulturvermittlung und Förderung subkultureller Szenen

Ostermayer wird wiederholt als Förderer und Vermittler österreichischer Underground- und Alternativkultur beschrieben. Anlässlich der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien im Jahr 2025 würdigte Bürgermeister Michael Ludwig Ostermayers „aktive Rolle in der Gestaltung und Förderung österreichischer Underground- und Alternativkultur“.[11] In der ORF-Berichterstattung zur Auszeichnung wurde Ostermayer ebenfalls als Förderer der alternativen Kulturszene bezeichnet.[12]

Eine zentrale Rolle spielte dabei seine Arbeit im Radio. Im Sumpf verband Popkultur, Avantgarde, Literatur, Kunst, Gesellschaftskritik und Musikjournalismus und gab auch abseitigen, experimentellen oder wenig beachteten Positionen Sichtbarkeit.[6] Diese kuratorische Funktion zeigte sich unter anderem in den zur Sendung gehörenden Veröffentlichungen. Für den Sampler Im Sumpf – Musik, zu gut für diese Welt Vol. 2 stellten Ostermayer und Edlinger österreichische Bands und Musiker zusammen, die vom Label Trost Records als unbekannt, eigenständig und „weird“ beschrieben wurden.[13]

Auch in der Schule für Dichtung setzte Ostermayer auf eine Erweiterung des Literaturbegriffs. Unter seiner Leitung beziehungsweise in von ihm verantworteten oder begleiteten Programmen wurden neben klassischer Literatur auch Popmusik, Rap, Performativität, Komik, Sound, Hörspiel und experimentelle Sprachformen thematisiert.[9][10][1] Die Schule für Dichtung nennt Ostermayer auch als Beteiligten und Lehrenden in Klassen und Projekten, etwa zu Kurzhörspielen oder zum Verhältnis von Rap und Dichtkunst.[1][14]

Musikalisches Schaffen

Ostermayer war und ist neben seiner journalistischen und kuratorischen Arbeit auch als Musiker, Performer und Kompilator tätig. Zu seinen frühen musikalischen Projekten zählt die Wiener Gruppe Oder Haha, die laut SR-Archiv österreichischer Popularmusik von 1982 bis 1984 bestand; Ostermayer wird dort als Synthesizer-Spieler geführt.[15]

Sein musikalisches Werk bewegt sich zwischen Pop, Elektronik, Chanson, Kitsch, Experiment und Klangcollage. Sein Soloalbum Kitsch Concrète erschien 2003 beim österreichischen Label Mego.[16] In einer Besprechung auf Pitchfork wurde das Album als Verbindung von österreichischen Kulturreferenzen, Musique concrète, elektronischer Musik, Chanson, Coverversionen und experimenteller Klangästhetik beschrieben.[16]

Ostermayer arbeitete beziehungsweise trat in verschiedenen Formationen und Konstellationen auf, darunter mit Christa Tekirdaly, Musikkreis MS20, Die Nuts, Der Scheitel, Viele bunte Autos, Passepartout, Sir Tralala, Otomo Yoshihide, Christof Kurzmann, Ramon Bauer, Gerhard Potuznik, Stermann & Grissemann sowie mit David Pfister, Christian Fuchs und Robert Zikmund als Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune.[17][18]

Als Kompilator gab Ostermayer unter anderem die bei Trikont erschienenen Sammlungen Dead & Gone #1: Trauermärsche / Funeral Marches und Dead & Gone #2: Totenlieder / Songs of Death heraus.[19][20] Später trat er unter anderem mit dem Projekt Fritz Ostermayer & Vienna Rest in Peace auf; mica – music austria beschrieb die 2024 erschienene EP Schande als düster und herbstlich grundiert.[21]

Filmmusik

Ostermayer komponierte beziehungsweise schrieb Musik für Filmproduktionen. Er wirkte an der Musik zu Mirjam Ungers Ternitz, Tennessee mit und schrieb gemeinsam mit Herwig Zamernik die Songs für Ulrich Seidls Film Rimini.[22] Für Rimini wurden Ostermayer und Zamernik 2022 mit einer Branchen-ROMY in der Kategorie „Beste Musik“ ausgezeichnet.[23]

Publikationen

Diskografie und Kompilationen Auswahl

  • Dead & Gone #1: Trauermärsche / Funeral Marches. Herausgegeben von Fritz Ostermayer, Trikont, 1997.[19]
  • Dead & Gone #2: Totenlieder / Songs of Death. Herausgegeben von Fritz Ostermayer, Trikont, 1997.[20]
  • Im Sumpf – Musik, zu gut für diese Welt Vol. 2. Zusammengestellt von Fritz Ostermayer und Thomas Edlinger, Trost Records, 2002.[13]
  • Kitsch Concrète. Mego, 2003.[16]
  • Fritz Ostermayer & Vienna Rest in Peace: Schande. Trauerplatten, 2024.[21]

Auszeichnungen

  • 2022: Branchen-ROMY, Kategorie „Beste Musik“, gemeinsam mit Herwig Zamernik für Rimini[23]
  • 2025: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien[11][12]

Einzelnachweise

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