Fritz Real

Schweizer Diplomat From Wikipedia, the free encyclopedia

Fritz Real (* 12. April 1909 in Arth SZ; † 18. April 2003 in Schwyz)[1] war ein Schweizer Jurist und Diplomat. Er stand über mehrere Jahrzehnte im Dienst des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten und war an verschiedenen schweizerischen Auslandsvertretungen tätig.

Leben und Wirken

Fritz Real entstammte der katholischen Familie von Karl Real und Kardina Elisabetha geb. Ochsner.[2] Karl gehörte als Arzt zu den ersten drei Doktoren, die am Kantonsspital Schwyz tätig waren.[3]

Nach dem Schulbesuch in Schwyz studierte Fritz Real Rechtswissenschaften an den Universitäten von Genf, Zürich sowie der Columbia University in New York City und schloss das Studium am Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales ab. 1936 erwarb er als Dr. iur das Anwaltspatent in Zürich. Im Jahr 1938 trat er in den diplomatischen Dienst der Schweiz ein und wurde dem Eidgenössischen Politischen Departement zugeteilt.[2] Er absolvierte seine erste Stelle während des gesamten Zweiten Weltkriegs als Handelsbeauftragter in Washington DC, zuletzt als Erster Legationssekretär.[1]

In den folgenden Jahren war Real zunächst in der Schweiz tätig. Er gehörte von 1945 bis 1949 der Handelsabteilung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements in Bern an, von 1949 bis 1954 war er Handelsbeauftragter des Legationsrats in Washington, wurde 1954 zum Minister ernannt und leitete 1956 für acht Monate die Neutrale Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea (NNSC). Er löste dort Egbert von Graffenried ab und übergab am 24. September das Amt an Maxime de Stoutz (1880–1969).[1]

In den Jahren 1955 und von 1957 bis 1959 war Real Botschafter in Helsinki,[4] in den folgenden vier Jahren bis 1963 Direktor der Schweizerischen Stiftung für technische Zusammenarbeit – heute Swisscontact – in Zürich. Von 1963 bis 1966 war er residierender Vertreter des UNO-Entwicklungsprogramms in Syrien. Zwei weitere Auslandsaufenthalte folgten bis zu seiner Pensionierung: Zunächst wurde er von 1966 bis 1969 als Botschafter in Lagos für Nigeria, Kamerun und den Tschad eingesetzt, von 1971 bis 1974 in gleicher Funktion in New Delhi für Indien und Nepal.[1] In dieser Zeit begann der dritte indisch-pakistanische Krieg, bei dem er als Vermittler auftrat und einen Gefangenenaustausch bewirkte.[5]

Fritz Real trug 1968 wesentlich zur Aufklärung der «Bührle-Affäre» bei, bei der es um illegale Waffenexporte ging. Nachdem sich die Kontrollbehörden mit schwammigen Beschwichtigungen der Beschuldigten zufriedengegeben hatten und über eineinhalb Jahre keine Aufklärung erfolgt war, lancierte Real einen anonymisierten Bericht an einen befreundeten NZZ-Redakteur. Dieser Bericht erwirkte „vertiefte Untersuchungen“ durch die Bundesanwaltschaft. Ein abschliessender Untersuchungsbericht wurde nie erstellt; die Angeklagten kamen mit geringfügigen Strafen davon, doch die Exporte konnten eingestellt werden. Immerhin erreichten in dieser Zeit 320 Kanonen das Bürgerkriegsland Äthiopien.[5]

Über seine Arbeit existiert seit 1993 beim Archiv für Zeitgeschichte in Zürich ein Nachlass von 2,1 Laufmetern.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Grundzüge des Internationalen Fürsorgerechts mit besonderer Berücksichtigung der Schweiz. Dissertation. Leemann, Zürich 1936 (174 S.).
  • Die schweizerische technische Entwicklungshilfe. In: Wirtschaftspolitische Mitteilungen. Band 16, Nr. 5, 1960, S. 1–8.
  • Hinweise zur Wirtschafts- und Handelspolitik Indiens. Vortrag. Schweizerische Zentrale für Handelsförderung, Lausanne/Zürich 1973 (26 Bl.).

Literatur

Einzelnachweise

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