Fritz Tornow

deutscher Feldwebel, persönlicher Hundeführer von Adolf Hitler From Wikipedia, the free encyclopedia

Fritz Tornow (* 27. Juli 1924; † Ende der 1990er Jahre) war ein deutscher Feldwebel der Wehrmacht und persönlicher Hundeführer der Tiere von Adolf Hitler. Er gehörte zu den letzten Personen, die sich im Mai 1945 im Führerbunker aufhielten, als die unterirdische Anlage von Truppen der Roten Armee eingenommen wurde. Bekannt wurde Tornow vor allem durch seine Rolle bei den Ereignissen um Hitlers Schäferhund Blondi, darunter die Testung von Zyankali sowie die Tötung weiterer Hunde im Umfeld Hitlers in den letzten Kriegstagen.

Biografie

Frühes Leben und militärische Laufbahn

Fritz Tornow wurde am 27. Juli 1924 geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Er trat während des Zweiten Weltkriegs in die Wehrmacht ein und erreichte dort den Unteroffiziersrang eines Feldwebels.

Ab etwa 1942 wurde Tornow dem Führerhauptquartier zugeteilt. Dort war er als persönlicher Hundeführer Adolf Hitlers tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte insbesondere die Betreuung von Hitlers deutschem Schäferhund Blondi, den Hitler 1941 erhalten hatte. Tornow begleitete Hitler an verschiedenen Aufenthaltsorten, darunter der Berghof am Obersalzberg, die Wolfsschanze in Ostpreußen, weitere mobile Führerhauptquartiere sowie schließlich der Führerbunker in Berlin.[1]

Neben Blondi betreute Tornow auch andere Hunde im Umfeld Hitlers, u. a. von Eva Braun sowie von Mitgliedern des engeren Mitarbeiterkreises. Zu seinen Aufgaben gehörten die tägliche Pflege, Fütterung, Bewegung und Beaufsichtigung der Tiere. Blondi galt als ständiger Begleiter Hitlers und hielt sich häufig in dessen unmittelbarer Nähe auf, teilweise auch in dessen Schlafräumen.

Ereignisse im Führerbunker

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs befand sich Tornow während der Schlacht um Berlin im Führerbunker. Am 29. April 1945 äußerte Adolf Hitler Zweifel an der Wirksamkeit der ihm zur Verfügung gestellten Zyankalikapseln. Um die Wirksamkeit zu überprüfen, befahl Hitler seinem persönlichen Arzt Werner Haase, diese an seinem Hund Blondi zu testen. Tornow musste das Maul des Hundes gewaltsam öffnen, während Haase eine Zyankalikapsel im Maul Blondis zerdrückte. Tornow war von diesem Vorgang sichtlich erschüttert, insbesondere als der Hund daran starb.[2]

Nach dem Selbstmord Adolf Hitlers und Eva Brauns am 30. April 1945 erhielt Tornow den Befehl, die im Bunker verbliebenen Hunde zu töten, um zu verhindern, dass sie in die Hände der sowjetischen Truppen fielen.[3] Tornow erschoss Blondis Welpen sowie weitere Hunde, darunter Tiere von Eva Braun, von Hitlers Sekretärin Gerda Christian und seinen eigenen Dackel.[4] Die Tötungen fanden im Garten der Reichskanzlei oberhalb des Bunkers statt.[5]

Kriegsende und Gefangenschaft

Am 2. Mai 1945 wurde der Führerbunker von sowjetischen Truppen eingenommen. Tornow gehörte zu den letzten verbliebenen Personen im Bunker. Der sowjetische Autor L. A. Besymenski, der zum Stab des Sowjetmarschalls Georgi Shukow gehörte, schildert: „Feldwebel Tornow, Hitlers Hundewärter, war völlig betrunken, rannte im Bunker der Neuen Reichskanzlei herum und schrie: Der Führer ist gestorben, rette sich, wer kann!“[6] Gemeinsam mit weiteren Überlebenden, darunter Werner Haase, die Krankenschwester Erna Flegel sowie der Techniker Johannes Hentschel, ergab sich Tornow der Roten Armee.[7]

Tornow wurde anschließend in die Sowjetunion gebracht. Er wurde im Lubjanka-Gefängnis in Moskau verhört und nach Berichten auch gefoltert. Insgesamt blieb Tornow etwa zehn Jahre in sowjetischer Gefangenschaft. Mitte der 1950er Jahre wurde er freigelassen und nach Westdeutschland zurückgeführt.

Nachkriegszeit

Nach seiner Rückkehr ließ sich Tornow in Westdeutschland nieder. Zunächst lebte er in Gelsenkirchen, wo er eine Hundepension betrieb und Hundefutter herstellte. In den 1960er Jahren zog er auf den Paulinenhof in Hervest bei Dorsten, wo er bis 1976 lebte. Später wohnte Tornow unter anderem in Dorsten-Wulfen sowie in der Nähe von Ibbenbüren.[8]

In den 1990er Jahren zog er in ein Pflegeheim in Gelsenkirchen. Dort starb er Ende der 1990er Jahre eines natürlichen Todes. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.[1]

Rezeption

Fritz Tornow wurde im Film Der Untergang (2004) von Devid Striesow dargestellt. Der Film zeigt die letzten Tage im Führerbunker und stellt auch Tornows Rolle bei der Tötung von Blondi dar.

Literatur

  • Henrik Eberle & Matthias Uhl (Hrsg.): Das Buch Hitler. Geheimdossier des NKWD für Josef W. Stalin, zusammengestellt aufgrund der Verhörprotokolle des persönlichen Adjutanten Hitlers, Otto Günsche, und des Kammerdieners Heinz Linge, Moskau 1948/49. Aus dem Russischen von Helmut Ettinger; mit einem Vorwort von Horst Möller. Lübbe, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-7857-2226-5. Taschenbuchausgabe: Bastei-Lübbe-Taschenbuch, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-404-64219-9
  • Lew Alexandrowitsch Besymenski: So starb Hitler, Zeit Nr. 31/1968
  • Traudl Junge: Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben, Clasen 2002
  • Wolf Stegemann: Tornow, Fritz: Der Feldwebel tötete im Führerbunker Hitlers Hund – Bis 1976 in Hervest Online
  • Henrik Eberle, Matthias Uhl (Hrsg.): The Hitler Book: The Secret Dossier Prepared for Stalin. PublicAffairs, New York 2005, ISBN 1-58648-366-8 (englisch, archive.org).
  • Armin Dieter Lehmann, Tim M. Carroll: In Hitler's Bunker: A Boy Soldier's Eyewitness Account of the Fuhrer's Last Days. The Lyons Press, 2005, ISBN 1-59228-578-3 (englisch).
  • Ian Kershaw: Hitler: A Biography. W. W. Norton & Company, New York 2008, ISBN 978-0-393-06757-6 (englisch).
  • James P. O'Donnell: The Bunker: The History of the Reich Chancellery Group. Houghton Mifflin, Boston 1978, ISBN 0-395-25719-0 (englisch).
  • V. K. Vinogradov, J. F. Pogonyi, N. V. Teptzov (Hrsg.): Hitler's Death: Russia's Last Great Secret from the Files of the KGB. Chaucer Press, London 2005, ISBN 978-1-904449-13-3 (englisch, archive.org).

Einzelnachweise

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