Fritz Wortelmann
deutscher Autor, Schriftleiter, Verleger, Dramaturg und Förderer des Puppentheaters in Deutschland
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Fritz Wortelmann (* 13. März 1902 in Werne,[1] heute zu Bochum; † 1. April 1976[2]) war ein deutscher Autor, Schriftleiter, Verleger, Dramaturg und Förderer des Puppentheaters in Deutschland.
Fritz Wortelmann, 1959
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Wirken
Im Jahr 1922 machte Wortelmann das Abitur am Realgymnasium in Langendreer (heute zu Bochum) und studierte danach Theaterwissenschaften und Germanistik in München, Bonn und Köln. Schon 1924 war er am Schauspielhaus Bochum unter Saladin Schmitt als Dramaturg tätig.[3] Ihm wurde auch die Hausredaktion der Zeitschrift Prisma übertragen. In dieser Zeit hatte er die Idee für ein Theater-Abonnement, in welchem die Besucher aus den umliegenden Städten kostenlos mit der Straßenbahn nach Bochum kommen könnten. Innerhalb eines Jahres konnten so 3000 auswärtige Gäste gewonnen werden, wobei auch die Bochumer Geschäftswelt von den Besuchern profitierte.[4] Den Posten am Theater hatte er bis 1928.[3]
Schon im Alter von neunzehn Jahren zeigte sich seine Begeisterung für das Vortragswesen mit einem Aufruf zur Gründung der „Allgemeinen Volksbildungsvereinigung Feierabend“ in Werne (heute zu Bochum).[3] Im Jahr 1925 entstand das Westdeutsche Vortragsamt durch die Initiative von Wortelmann, welche ähnlich heutiger Volkshochschulen in Bochum und umliegenden Gemeinden des Landkreises Kurse anbot.[5]
Wortelmann engagierte sich schon in den 1920er Jahren sehr für das Puppenspiel. 1930 wurde von ihm die Zeitschrift Der Puppenspieler gegründet.
Im Zweiten Weltkrieg war Wortelmann an der Ostfront, wo er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Über seine ca. zwei Jahre dauernde Zeit in einem Lager im Ural gab er auch später Auskunft.[6][7]
Er arbeitete auch nach dem Zweiten Weltkrieg am Wiederaufbau der deutschen Puppentheaterszene mit. 1950 war er Initiator des Deutschen Instituts für Puppenspiel (DIP). Als Nachfolgeinstitution wurde 1992 das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. (dfp) in Bochum gegründet. Wortelmann gründete außerdem die Figuren-Theaterschule in Bochum.
Im November 1958 lud Wortelmann als Leiter des Deutschen Instituts für Puppenspiel zum ersten Mal zu einer „Vorstellungsreihe hervorragender deutscher und ausländischer Bühnen – Meister des Puppenspiels“ nach Bochum ein. Über 3000 Zuschauer besuchten die Vorstellungen. Unter den Puppenspielern waren unter anderen Albrecht Roser aus Stuttgart sowie der Leiter des staatlichen Moskauer Puppentheaters Sergei Obraszow.[8] Weitere Gastdarsteller kamen aus Ost-Berlin und Paris. Damit war der Grundstein für das renommierte Internationale Puppentheaterfestival FIDENA (Figurentheater der Nationen) gelegt.[9] Ein Jahr später wurde der Figurentheater-Preis ausgelobt. Es war der erste Bochumer Kulturpreis.[10]
Für sein Wirken für das Kulturleben der Stadt Bochum wurde er 1971 mit dem Ehrenring ausgezeichnet und wurde 1974 zum 50. Arbeitsjubiläum im Rahmen des Figurentheater-Festspiels mit einer Feierstunde geehrt.[3] Sein Grab befindet sich auf dem Blumenfriedhof in Bochum.
Fritz-Wortelmann-Preis
Der Erfolg der „Vorstellungsreihe hervorragender deutscher und ausländischer Bühnen – Meister des Puppenspiels“ im Jahr 1958 veranlasste die Stadt Bochum für das folgende Jahr einen Kulturpreis für das Puppenspiel in Höhe von 5000 DM auszuloben.[8]
In der 3. Deutschen Puppentheater-Woche (sic) vom 19. bis 25. Oktober 1959 wurde dann der erste Preisträger gekürt, die Marionettenbühne Schwanewede.[11]
Der von Fritz Wortelmann ins Leben gerufene Figurentheater-Preis trägt zu seinem Ehren inzwischen seinen Namen (auch als Fritz bezeichnet).[12] Seit 1993 wird er alle zwei Jahre ausgelobt.[10] Seit 2015 wird der Preis in den drei Kategorien Professioneller Nachwuchs, Erwachsene Amateure und Jugendclubs und Schultheater ausgeschrieben. Die Preise für die Amateure sind mit jeweils 4000 Euro dotiert.[13][14][15] Der Preis ist neben dem Peter-Weiss-Preis einer von zwei Kulturpreisen der Stadt Bochum.[10]
Schriften (Auswahl)
- Alte Landsknechtsschwaenke. Ausgewaehlt und sprachlich erneuert von Fritz Wortelmann. E. Diederichs, Jena 1925.
- Zehn Jahre Stadttheater Bochum, Intendant Dr. Saladin Schmitt. Heft zur Festvorstellung am 30. Dezember 1925, verbunden mit einem Bericht über die 3. bis 9. Spielzeit 1917/18–1924/25. Stadttheater, Bochum 1926.
- als Hrsg.: Alte Landsknechtslieder. Mit Lautenbegleitung versehen von Emil Hegel. Buchschmuck von Herbert Schimkowitz. Gerlach & Wiedling, Wien/Leipzig 1931.
- Muck. 7 Briefe einer Puppenspielerin. Deutsche Zentraldruck A.G., Berlin 1939.
- (Schriftleitung:) Meister des Puppenspiels. Hervorragende deutsche und ausländische Puppentheater der Gegenwart. Deutsches Institut für Puppenspiel, Bochum.
- Forschung und Lehre. Eine wissenschaftliche und technische Schriftenreihe für alle Arten und Formen von Figurentheatern. Geleitet von Fritz Wortelmann. Deutsches Institut für Puppenspiel, Bochum.
- (Schriftleitung:) Bürger von heute. Schriftenreihe, hrsg. vom Verband Deutscher Bürgervereine. Schacht-Verlag, Bochum (Die Hefte erscheinen etwa 3- bis 4-mal jährlich).
Auszeichnungen, Ehrungen, Würdigungen
- Benennunge des Fritz-Wortelmann-Preis „Fritz “der Stadt Bochum für Amateur-Figurentheater
- 1971: Ehrenring der Stadt Bochum[16]
Literatur
- Andrea Schmidt: Zwischen Tradition und Experiment. Anmerkungen zu Puppenspiel und Avantgarde, zu Fortschreibung von Traditionslinien und zum Aufbau von Institutionen : unter besonderer Berücksichtigung der Aktivitäten Fritz Wortelmanns. Puppen und Masken, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-935011-23-7.