Frumka Płotnicka
polnisch-jüdische Widerstandskämpferin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Frumka Płotnicka (1914 in Plotniza, Russisches Kaiserreich – 3. August 1943 in Będzin) war eine jüdische Widerstandskämpferin in Polen. Die Aktivistin aus der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Jüdischen Kampforganisation. Sie war am Aufstand im Warschauer Ghetto beteiligt und fiel beim Ghetto-Aufstand von Będzin im Kampf mit der Waffe.

Kindheit und Jugend
Frumka Płotnicka wurde 1914 in einem Dorf nahe der Stadt Pinsk, damals ein Zentrum des Judentums in Polen, geboren.[1] Ihre Familie war fest in der chassidischen Gemeinde verwurzelt. Sie hatte eine ältere und eine jüngere Schwester, Zlatka und Hantze, und zwei Brüder, Eliyahu und Herschel.[2] Weil ihre Familie so arm war, dass sie als drittes Kind kein Gymnasium mehr besuchen konnte, lernte sie gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Zlatka.[3]
Mit 17 Jahren fing Frumka an, sich in der jüdischen Jugendbewegung zu engagieren, und trat in die zionistisch-sozialistische Jugendorganisation Habonim Dror (Freiheit) ein. Wie die meisten Mitglieder der Jugendbewegung und wie ihr Bruder Eliyahu, der 1932 nach Palästina ging, wollte auch Frumka nach Eretz Israel auswandern.[2]
Im Jahr 1935 nahm sie an vorbereitenden Kibbuz-Trainings teil. Ihre Abreise war bereits geplant, als ihre Organisation sie darum bat, in Polen zu bleiben.[2] 1938 wurde sie in die Dror-Leitung in Warschau berufen. Dort spielte eine wichtige Rolle beim Zusammenschluss von Dror mit der Gruppe Hechaluz (hebräisch הֶחָלוּץ, Der Pionier).[4]
Untergrundarbeit
Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 floh Płotnicka mit Mitgliedern der Jugendbewegung in das sowjetisch kontrollierte Gebiet um Kowel, weil sie hofften, von dort aus noch ausreisen zu können.[3] Als die Dror-Leitung jedoch beschloss, Widerstandsgruppen im besetzten Polen aufzubauen, gab sie ihre Auswanderungspläne auf und kehrte 1940 ins Generalgouvernement zurück.[5]
In Warschau half sie dabei, Dror im Untergrund neu aufzubauen. Mit gefälschten Papieren und als christliche Polin getarnt, wurde sie als Kurierin tätig und pendelte zwischen dem Ghetto und dem sogenannten ‚arischen‘ Teil der Stadt. Sie reiste auch in andere Ghettos, hielt Ansprachen und Seminare, um die Widerstandskraft der jüdischen Bevölkerung zu stärken, und informierte schließlich die Bevölkerung über die zunehmenden Deportationen und Massenmorde durch die SS.
Als Mitglied der Dror-Leitung beteiligte sich Płotnicka an der Gründung der Jüdischen Kampforganisation (Żydowska Organizacja Bojowa ŻOB). Das war ein Zusammenschluss vornehmlich jüdischer Jugendorganisationen, die erkannt hatten, dass die Nationalsozialisten einen Holocaust planten, und eine Gegenwehr vorbereiteten.[6] Płotnicka unterstützte beim Aufbau der Selbstverteidigungsstrukturen im Warschauer Ghetto. Sie transportierte Waffen und Informationen zwischen Ghettos und beteiligte sich an den militärischen Vorbereitungen für einen Aufstand im Warschauer Ghetto.[4]
Aufstand im Ghetto Będzin

Im September 1942 reiste sie auf Anraten des ŻOB-Kommandeurs Mordechai Anielewicz in die schlesischen Gebiete um Sosnowiec und Będzin, um dort lokale ŻOB-Gruppen zu gründen.[3] Geheimer Mittelpunkt der jüdischen Untergrundgruppen in Bedzin, deren Anführerin Płotnicka wurde, war ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum („farma“). Von dort aus unterstützte sie junge Menschen, über die Slowakei nach Ungarn zu fliehen, während sie selbst Fluchtangebote ablehnte. Sie pflegte enge Kontakte zu Vertretern der zionistischen Jugendbewegung in Genf und Istanbul; die Versuche, Kontakt zur polnischen Untergrundbewegung aufzunehmen, blieben erfolglos.[2]
Am 1. August 1943 startete die SS die Auflösung des Ghettos und die Deportation der jüdischen Bevölkerung von Bedzin in die Vernichtungslager. Daraufhin gab die Jüdische Kampforganisation, unter anderem angeführt von Frumka Płotnicka, das Signal zum Aufstand. Von verschiedenen Bunkern aus leisteten die jungen Menschen einen erbitterten bewaffneten Widerstand. Obwohl die deutschen Truppen bereits die Hauptverteidigungslinie durchbrochen hatten, hielten die Aufständischen mehrere Tage stand.[2]
Am 3. August 1943 wurde Frumka Płotnicka mit einer letzten Gruppe von Kämpfenden im Kampf gegen die Deutschen getötet.[7]
Zwei ihrer Geschwister überlebten die Shoah in der Emigration: Zlatka in Argentinien und Eliyahu in Palästina. Ihr Bruder Herschel, der wie Frumka im jüdischen Widerstand aktiv war, fiel in den Wäldern Wolhyniens. Frumkas Schwester Hantze starb beim Aufstand im Warschauer Ghetto.
Ehrungen

Für ihre Verdienste im Widerstandskampf verlieh das Polnische Komitee für Nationale Befreiung im April 1945 Frumka Płotnicka postum den Orden des Grunwald-Kreuzes dritter Klasse.[8]
Heute erinnert eine Steinplatte in Warschau, die einen Teil Memorial Route of Jewish Martyrdom and Struggle (Gedenkroute des jüdischen Martyriums und Kampfes) bildet, an Frumka Płotnicka.[9]
Literatur
- Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod! Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1994, ISBN 3-462-02292-X, S. 148f.
- Judy Batalion: Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen. Aus dem amerikanischen Englisch von Maria Zettner, München: Piper 2021, ISBN 978-3-492-05956-5.
Weblinks
- United States Holocaust Memorial Museum: Defying Expectations: Women Resistance Fighters during the Holocaust (Video)